"You've always been my best friend, my soul mate, and now I've fallen in love with you too.
Why is that such a crime?"
Obwohl mir "Forbidden" praktisch die Sprache geraubt hat, gibt es genug Worte, um es zu beschreiben. Ein paar der passendsten sind wohl: Fesselnd, absolut schockierend, und dabei auf jeder Seite herzzerbrechend.
Das Thema Inzest ist ganz sicher nicht leicht umzusetzen, besonders in einem Jugendbuch nicht und wenn keiner der beiden Betroffenen etwas gegen die Beziehung hat. Ein Plot, in dem einer der beiden (in diesem Fall Bruder oder Schwester) offensichtlich an einem psychischen Problem leidet und den anderen zu sexuellen Interaktionen zwingt, wäre einfach nur tragisch.
Doch hier liegen die Dinge völlig anders. Lochan und Maja sind wirklich ineinander verliebt. Natürlich hat ihre absolut unverantwortungsbewusste Mutter psychische Spuren an den beiden hinterlassen, aber ich wäre niemals auf die Idee gekommen, sie wären nicht zurechnungsfähig oder wüssten nicht, was sie da eigentlich tun.
Im Gegenteil: Lochan und Maja sind sich voll und ganz der Illegalität und Abscheulichkeit ihres Handelns bewusst. Heben die ganze Problematik durch das beiderseitige Einverständnis zu ihren Handlungen auf eine Stufe, die auf noch größeres Unverständnis beim Leser trifft. Oder treffen sollte..
Gerade weil ich zuerst dachte, ich könnte Lochan und Maja niemals verstehen, hat es mich dann umso mehr schockiert, dass ich es doch konnte. Tabitha Suzuma beschreibt ihre Situation und ihre Gefühle derart nachvollziehbar, dass es mich als Leserin in einem moralischen Zwiespalt getrieben hat. Einerseits wusste ich auf jeder Seite wie falsch und ganz und gar unvorstellbar diese Beziehung ist, andererseits haben mir Lochan und Maja so Leid getan, dass ich ihnen jeden Moment der Freude von ganzem Herzen gegönnt habe!
Es gab Momente, da musste ich das Buch zuklappen, durchatmen, mich selbst fragen: Was fühlst du gerade? Wie stehst du zu dieser Situation?
Das ist es, was "Forbidden" so schwierig macht. Aber das ist auch, was es vom Großteil des Einheitsbreis, den wir Literatur nennen, unterscheidet.
Dieses Buch hat mich auf so vielen Ebenen schwer beeindruckt. Nicht nur die Handlung, sondern auch Sprache und Charaktere. Maja, Lochan und ihre Geschwister werden sehr realistisch geschildert. Gerade bei den Kleinen hatte ich immer Bilder im Kopf und teilweise sogar ihre Stimmen. Und irgendwie war da immer dieses Gefühl, als würde ich trotz aller Emotionalität eine Tatsachenschilderung lesen - womit ich nur verdeutlichen möchte, wie lebensecht das ganze Buch bei mir ankam.
Eine nicht sehr präsente aber auch nicht unwesentliche Rolle spielt dann noch die Mutter der fünf Geschwister. Ich habe mich vorher immer schwer damit getan, eine fiktive Figur wirklich zu hassen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass jeder Mensch sowohl Licht- als auch Schattenseiten hat. Aber diese Mutter hat tatsächlich geschafft, was ich für unmöglich gehalten habe. Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass ich noch nie einen Menschen (sei er jetzt fiktiv oder nicht) so verabscheut habe, wie diese Frau!
Ich habe lange darüber nachgedacht, trotzdem will und kann ich nicht verstehen, wie jemand seine eigenen Kinder so völlig von sich stoßen, so völlig vernachlässigen kann. Bei allen Wünschen nach Jugend und Spaß im Leben - wenn ich an diese Mutter denke will ich eigentlich nur ganz laut meine Wut in die Welt hinaus schreien.
Erzählt wird der Roman aus Sicht von Maja und Lochan. Dabei wechseln sie sich fast das ganze Buch hindurch regelmäßig ab, das ändert sich erst auf den letzten 30, 40 Seiten.
Das Ende und überhaupt der Punkt, auf den die Beziehung zwischen Lochan und Maja hinausgelaufen ist, hat mir gelinge gesagt überrascht zurückgelassen. Eigentlich sogar sehr schockiert. Im Großen und Ganzen ist es ein abgeschlossenes Ende, das jedoch auch einige Fragen offenlässt. Welche, das möchte ich hier nicht thematisieren, um eventuelle Spoiler zu vermeiden.
Ich habe "Forbidden" ursprünglich gekauft, weil mich brennend interessiert hat, wie die Autorin an ein derartig schwieriges Thema herangeht. Schlussendlich hat mir das Lesen dieses Buches aber viel mehr gegeben: "Forbidden" hat nicht nur reinen Unterhaltungswert, drückt den Leser vielmehr emotional an die Wand, wirft Fragen auf, bewegt einen dazu, das eigene moralische Denken aus verschiedensten Blickwinkeln zu betrachten.
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Meinung
"Forbidden" ist ein ausgesprochen gutes Beispiel für anspruchsvolle Jugendliteratur, die auch auf den Aspekt der Unterhaltung nicht vergisst. Aufwühlend und gleichermaßen fesselnd!