And the winner is: Kris Allen!
Was habe ich geflucht in jenen Tagen, als das Finale des amerikanischen Originals von DSDS - American Idol - lief. Aber irgendwie war es auch zu befürchten. Das US-Publikum hat Adam Lambert zwar bis ins Finale getragen, bekam dann aber doch kalte Füße und wählte die sichere Seite, den langweiligen, nichtssagenden Konkurrenten des Paradiesvogels, der sich zu allem auch noch als schwul outete, als wenn das eh nicht quer über sein attraktives Gesicht geschrieben stünde (und es im übrigen auch niemanden etwas angeht). Amerika war nicht reif für jemanden, der so komplett aus der Art schlägt, der aus simpler Musik eine Oper macht und aus einer Rocknummer eine GLAMrocknummer.
Nun endlich hat er sein erstes Album rausgebracht und der Titel des Albums ist Programm. Ich ließ mich unterhalten. Seine einzigartige Stimme ist manchmal verfremdet über den Computer gezogen, manchmal ganz klar und pur. Seine Versalien, Schnörkel und hohe C's taumeln durch die Musikstücke, dass es eine wahre Freude ist. Die Stilart - unbeschreiblich.
Der Albumöffner "Music Again" ist ebenso wie "Fever" eine große Hommage an die britischen Glamrockbands Sweet, Queen und Gary Glitter.
"Sure Fire Winners" und "Strut" sind wohl die beiden Songs, bei denen man entweder zum Fan oder Nichtfan wird. Ich finde beide Titel wahnsinnig gut, sie sind komplett nach meinem Geschmack: wild, ungezügelt, ein wenig seltsam und disharmonisch zuweilen, von Dur in Moll wechselnd, einen großartigen Interpreten der anspruchsvollen Kompositionen fordernd, den die Songs zweifellos in Adam gefunden haben.
"If I had you". "Whataya want from me" und "Pick U Up" ist simpler, geradeheraus gespielter Poprock, der auch gut in sämtlichen Discotempeln gut ankommen würde.
"Sleepwalker" und "Aftermath" möchte ich hier noch gesondert rausstreichen, weil sie zu meinen Lieblingstiteln zählen. Wer Adams Auftritt bei Jay Leno mit der Nummer "Sleepwalker" gesehen hat, der wird mir zustimmen, dass diese Interpretation die Albumaufnahme bei weitem übertrifft. Live ist er einfach unschlagbar.
"Soaked", "A Loaded Smile" und "Broken Open" sind großartige, fließende Popballaden, in der Adam seine Stimme wie ein weiteres Instrument einsetzt, das sich großartig ins Orchester fügt. "Time for miracles" scheint da kommerzieller, auch aus dem Grund, da es das Titellied für Roland Emmerichs Kinofilm 2012 ist - Emmerich weiß, was gut ist!
Alles in allem wird dieses Album niemals langweilig, jedes Lied ist ein kleines kompositorisches und gesangliches Meisterwerk und eine Explosion in meinen Gehörgängen.
Wie schön, dass es solche Menschen wie Adam Lambert gibt, gesegnet mit einer hochtalentierten, gut ausgebildeten Stimme, mit einem großartigen Habitus und interessanter Persönlichkeit. American Idol war eine Nummer zu klein für ihn - willkommen in der großen, bunten Welt!
Und ich selbst freue mich jetzt schon auf Album Nummer 2.
EDIT: Anlässlich der Europaweiten Veröffentlichung seines Albums plus vier berauschenden neuen Songs erfolgt hier noch ein Nachtrag.
Da ist zum einen das soghafte "Voodoo", von dem ich nie genug bekommen kann. Er ist der Jäger, ich die willenlose Beute - sozusagen. Und eine Heilung aus der Verzückung gibt's anscheinend auch nicht.
Harte Beats dröhnen bei "Masterplan", ein relativ einfach gestrickter Song, der durch elektronisch verzerrte Stimmen und überraschend surrealistischem Ende zu überzeugen weiß.
Das heiß erwartete "Can't let you go", rauscht wie ein Gewittersturm in atemberaubendem Falsett an mir vorüber und beweist nur: ich kann Adam nicht loslassen.
"Down the rabbit hole" - Willkommen in Alice's Welt. Adams hingeworfene Frage "Who are you?" kann ich auch nicht beantworten. Adam Lambert ist ein Chamäleon mit tausend Facetten und mehr Gesichtern. Mit Charme, Sexappeal, Eloquenz und ganz viel Köpfchen wickelt er jeden Moderator um den Finger. Er besitzt die unverhüllte, schwer zügelbare Leidenschaft und hohe Musikalität, die man braucht, um ein ganz Großer zu werden.
Und wenn er jetzt noch alle Songs nochmal in einer Akustik-Version aufnehmen und veröffentlichen würde - ich wäre der glücklichste Mensch.