Nach der 2006 erschienen, empfehlenswerten Kopplung "
A Walk In The Black Forest (Jazz Club)" hat Universal nun eine weitere CD mit wiederentdeckenswerter Musik des deutschen Bandleaders Horst Jankowski in der preisgünstigen Jazz-Club-Serie veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um einen Reissue des originalen MPS-Albums "For Nightpeople Only" (Tracks 1 - 13) zuzüglich 10 im musikalischen Duktus ähnlicher Bonustracks (Tracks 14 - 24) von verschiedenen Originalalben und Singles aus dem Katalog des Mercury-Labels, bei dem Jankowski vor seinem Wechsel zu eben genannter MPS unter Vertrag stand.
"For Nightpeople Only", entstanden im Jahr 1970 und als LP mittlerweile ein rares Sammlerstück, bildet vereinfacht gesagt den Höhepunkt des Jankowski'schen Singers-Smooth-Vocal-Sounds jener Zeit. Die Line-Up zielt erneut auf Erstklassigkeit: Jankowski selbst sitzt am Klavier, wird unterstützt von seinem Orchester (inklusive seiner eingespielten Rhythmusgruppe um Gitarrist Hans Wenzel, Bassist Götz Wendlandt und Schlagzeuger Branislav Kovacev) plus Streicherensemble und Jankowski-Singers (ein als Laienchor gegründeter, zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen natürlich längst hochprofessioneller Chor). Essentiell für den charakteristischen, tlw. traumwandlerisch anmutenden Sound des Albums ist die Präsenz von Session-Ass Ack van Rooyen am Flügelhorn. Die Chorarrangements liefert Jankowski selbst, die Instrumentierung des Albums stammt von ihm und seinem kongenialen Partner Bernd Rabe zuzüglich des schweizer Organisten Pete Jacques.
Zunächst einmal finden sich im Tracklisting 5 Eigenkompositionen Jankowskis, die wie alle Titel von seinem treuen Partner Carl J. Schäuble mit passechten Texten unterlegt sind: neben dem programmatischen Opener "Nightpeople Only" sind dies Horsts persönliche Liebeserklärung an die Dame seines Herzens ("Lady Eve" - ein Track, den er auf seinem Album
Jankowskinetik (MPS - Most Perfect Sound Edition) aus dem gleichen Jahr nochmals in einem anderen Kontext interpretierte), die fast hypnotische Ode "Magali", die vielschichtige Uptempo-Nummer "Das ist der Morgen" und die textlich fast religiös anmutende Ballade "Wisst ihr auch". Mitautor Pete Jacques selbst steuerte mit dem fragenden "Willst du nicht ein bisschen leben mit mir" ebenfalls einen Ohrwurm bei. Der Rest der LP besteht aus Adaptionen und Arrangements bekannter Popsongs, die Jankowski hier ebenfalls in ein ungemein betörendes High-Level-Easy-Listening-Gewand kleidet, das es nur so eine Pracht hat: da wäre zunächst der Doors-Klassiker "Light My Fire", der mit neuem Schäuble-Text als "Öl ins Feuer" reüssiert und herrlich groovt, weiterhin ein fast psychedelisches, textlich einfallsreich kryptisches Arrangement (das neben traumhaftem Streichersatz mit einem überraschenden Taktwechsel im letzten Drittel aufwarten kann) der Beatles-Nummer "Fool On The Hill" - hier benannt als "Der Mann, den's nicht gibt" - ebenso wie eine Bearbeitung des All-Time-Favourites "Raindrops Keep Fallin' On My Head" aus Bacharach'scher Feder (hier "Regen fällt heute auf die Welt"). Bei Simon & Garfunkel entleiht man sich die "Bridge Over Troubled Water" und propagiert "Geh' mit mir durch den Regenbogen", genauso wie man mit "Kleine grüne Äpfel" ein Arrangement des romantischen "Little Green Apples" mitnimmt. Die letzten beiden Tracks sind die "Heut' fängt das Leben an" betitelte, traumhaft bearbeitete Roger-Nichols-Komposition "We've Only Just Begun" und die als "So wie heut'" adaptierte Nummer "Didn't We" vom begnadeten Songschreibertalent Jimmy Webb.
Alle Titel zeichnen sich durch perfektes Timing der Vokalisten aus (bei den Tracks 3, 8 und 12 singt Jankowski gar selbst die Leadvocals), ebenfalls die präzisen Arrangements wissen zu gefallen und offerieren eine loungekompatible Atmosphäre ohne Gefahr zu laufen im reinen Easy-Listening-Einheitsbrei unterzugehen. Die Texte heben sich angenehm vom damals wie heute oftmals recht einfachen "Reim dich oder ich fress' dich"-Schema ab und sind durchaus des genaueren Hinhörens würdig und bilden die abschließende Krönung auf einer der besten und gleichzeitig anspruchsvollsten Unterhaltungsplatten, die Jankowski mit seinen Singers je aufgenommen hat.
Die folgenden Bonustracks (Track 13-16) stammen vom Album "Jankowski Plays Jankowski", aufgenommen 1969 für Mercury. Neben der poppigen Jazznummer "Pink Ballon" sind dies "Like A Ruby In The Sunset" und der von Trompeten vorangetriebene "Dreamflight" - bei den 3 Tracks handelt es sich um Jankowski-Komposition, die Sammlern natürlich schon von der einstigen, und mittlerweile OOP-befindlichen MotorMusic-Kopplung "
Black Forest Explosion!" bekannt sein dürften.
Auch die auf einer Mercury-Single veröffentlichten Tracks 17 & 18 fügen sich harmonisch ins Gesamtkonzept der CD ein. "Nur im Traum" hat zwar einen der typischen 'Liebe auf ewig'-Texte, die auf Dauer doch etwas abgegriffen wirken, kann aber mit einer eingängigen Mitsing-Komposition punkten. Besser kommt da schon "Ein Hoch der Liebe" weg, das Jankowski 1968 für Wencke Myhres Auftritt beim Grand Prix de Eurovision geschrieben hatte und hier in einer powerfullen, tanzbaren Version seiner Singers daherkommt (eine mehr oder minder instrumentale Adaption von Horst selbst erschien dann noch mal unter dem Titel "And We Got Love").
Ungläubich mag man dagegen zunächst auf die den Abschluß der CD bildenden Tracks 19 - 24 blicken, handelt es sich doch hierbei um zum deutschen Kulturgut zu zählende Volkslieder mit Texten von dichterischen Großmeistern wie Johann Wolfgang von Goethe, Hoffmann von Fallersleben oder Joseph von Eichendorff. Doch die Arrangeure Jankowski & Rabe, die beim "Heideröslein" zusätzlich Unterstützung vom damals noch jungen (und späteren RC&B-Founder & Leader) Peter Herbolzheimer erhalten, packen auch diese 'abgegriffenen' Lieder ins ohrwurmhaft s(w)ingende, loungehafte Easy-Listening-Song-Format, das es in sich hat. Das Kinderlied "Alle Vögel sind schon da" hat hörbare Anleihen beim Stil der französischen Swingle Singers, das "Heideröslein" kann sich seinen ambivalenten Charakter durchaus gut erhalten und "Ein Jäger aus Kurpfalz" klingt dank der groovenden Bearbeitung und dem pointierten Sologesang Jankowskis gar mehr nach einem weltgewandten Jetsetter der Gunther-Sachs-Liga denn nach einem Lodenmantelträger zwischen Hunsrück und Odenwald. Die alte Weise "Du, Du liegst mir im Herzen" bekommt durch Jankowski einen Anstrich irgendwo zwischen Henry Mancini und dem 'Tanz der Moleküle', "In einem kühlen Grunde" gewinnt durch Horsts perlendes Pianospiel ebenfalls an Format und der Abschlusstrack "Ach wie ist's möglich dann", bei dem Jankowski wieder selbst singt, entlässt einen mit dem wohligen Gefühl, das im vorliegenden Fall 'deutscher Schlager' auch ein Gütesiegel sein kann.
Neben dem perfekten Remastering, welches die Aufnahmen in klanglicher Pracht erstrahlen und die Songs klingen lässt, als seien sie erst gestern aufgenommen worden, ist der zeitgenössische Begleittext von Wolfram Röhrig (zur Original-LP "For Nighpeople Only") zu erwähnen, genauso wie die farbigen Abbildungen der LP-Cover der originalen Releases (wenn sich hier auch ein kleiner, aber verschmerzbarer Fehler in Bezug auf die Single-Veröffentlichung eingeschlichen hat).
Allen Freunden deutschen Schlagers, gut gemachter Unterhaltungsmusik, leichfüßigem Easy Listening mit dem gewissen Etwas oder einfach Fans von Horst Jankowski sei diese Compilation schwerstens empfohlen - zur Wiederentdeckung, zur Neuentdeckung oder einfach zum erfreuen an zeitlosem Orchester- und Chorsound.
P.S.: Der leider viel zu früh verstorbene Horst Jankowski wird diese Wiederveröffentlichung aus anderer Sphäre mit Wohlwollen und einiger Genugtuung beobachten - vielleicht stimmt er auf einem Wolkenflügel gar einen passenden Song an .... "damit Morgen, die Sonne wieder scheint!".