Schweden ist in Sachen Indie-Folk stets stark vertreten und das Sextett um Daniel Johansson und Joakim Sveningsson macht da keine Ausnahme. Das dritte Album von Friska Viljor hat zwar den Neuanfang im Titel, setzt aber im Grunde die vielinstrumentale Musik zwischen Kinderzimmer und Ausnüchertungszelle fort, ein seltsam zwielichtiges Album zwischem Polkarhythmen und Bluesgefühl, mit einem mitunter etwas nervig gequetscht-schiefgezimmerten Gesang, der die grandios irrlichternden Songs zusammenhält, die wie Road-Movie-Songs aus dem Album kullern und danach betteln, entweder unter kopfhörern feinst gewendet und gedreht zu werden, oder aber im Vollrausch ausgetanzt zu werden. Wenn Kaizers Orchestra morgen eine Jazzband würde (und Janove Ottesen eine schreckliche Stimmbandkrankheit bekäme) , könnte der Sound nicht anders sein. Wohlwill, Hamburgische Suffhymne, ist ein wunderbare, explosiver Gute-Laune-Song, der aufs feinste die feine Balance zwischen Sonnenschein (Manwhore) und Wehmut (Should I Apologize)in diesem Album fast ' ob es Zufall ist, dass ausgerechnet der «deutsche» Song auch ein klein wenig nach alten Element of Crime klingt? Beim Hören des Albums fragt man sich, wieso eigentlich so viele skandinavische Bands bei aller Verschiedenheit im Detail doch sehr deutlich eine Art gemeinsamen Nenner haben sei es eine gewisse naive Verspieltheit oder einen Hang zu bestimmten «handmade» Sounds oder bestimmte Harmoniefolgen' und ob es so eine stilistische Klammer auch etwa bei deutschen Bands gibt, man aber zu nahe dran ist und nicht merkt, wie diese Gemeinsamkeit sich wohl anhören mag. For new Beginnings schliddert mitunter gefährlich am Kneipen-Folkrock (Sunny Day), und torkelt auch mal unelegant in Richtung von Upbeat-Mainstream-Poprock (Lakes of Steep und das fast an The Cure erinnernde If I Die Now), macht aber zwischen diesen Polen vielleicht gerade wegen des schlingernden Kurses verdammt viel Spaß. Bleibt zu hoffen, dass die Leber von Johansson und Sveningsson auch ein viertes und fünftes Album hergibt.