Robert Wyatt ist ein wunderbarer Teamarbeiter , nicht der eigensinnige Zausel, der seine zerbrechlichen und allen Widerständen trotzenden Lieder im Elfenbeinturm einstudiert. So abseitig, so körperlos, so melancholisch seine Stimme das Terrain von Leisestärke, Flüstern und Wehmut umspielt, so legt er doch - in aller Deutlichkeit - seit Mitte der Siebziger Jahre beredtes Zeugnis ab von einer aus den Fugen geratenen Welt, erzählt von geschundenen Opfern der Geschichte, von Einzelschicksalen und hingemetzelten Volksstämmen. Und es gibt die andere Seite, den Tagträumer, der seine skurrilen Phantasien erkundet, und der Popmusik manch wunderbares Kleinod voller sonderbarer Verse geschenkt hat.
Immer wieder schwingen eine Lieder zwischen Art-Pop und Jazz-Feeling hin und her. Jetzt, mit ...FOR THE GHOSTS WITHIN hat er mit dem Blasinstrumentenspieler und Jazzkenner Gilad Atzmon sowie der Folklore- und Kammermusik-erfahrenen Violinistin/Komponstin Ros Stephen ein sehr seltsames, aber einmal mehr wundertrauriges Kunstwerk geschaffen. Fast ausschließlich Fremdkompositionen - etliche Jazzstandards sind dabei (IN A SENTIMENTAL MOOD, LUSH LIFE, WHAT A WONDERFUL WORLD, ROUND MIDNIGHT u.a.), und das verheißt normalerweise eine geschmackvolle, gemütliche, nostalgische Veranstaltung, die einen kaum von der Couch schmeißt. Doch hier liegt der Fall anders.Natürlich wandelt Gilad Atzmon zuweilen auf den Spuren alter Meister, spielt mit den durch die Großstadt streunenden Balladenklängen eines Ben Webster oder Sonny Rollins, und manchmal scheint man den Sound alter Blue Note-Platten nachzuempfinden.
Doch diese Erinnerungsschicht ist porös, droht jederzeit, einem Traum gleich, sich in Luft aufzulösen, wenn Ros Stephen mit ihren aus der modernen Klassik entlehnten Streicherklängen das Feld erweitert, wenn Robert Wyatt diese Lieder mit seiner unnachahmlichen Art vorträgt und zu seinen eigenen macht (karg, geisterhaft), wenn Feldaufnahmen, Rap aus Palästina oder Folk aus der Ägäis diese Songs zu seltsam unberechenbaren Größen machen! WHAT A WONDERFUL WORLD singt Robert Wyatt ganz am Ende, und das Lied kommt von einer ganz anderen Sphäre als die Version, die Louis Armstrong uns einst nahe brachte (wohl jeder hat sie im Ohr). Nimmt da jemand leise Abschied. Gänsehaut. Der eigenartige Kammer-Jazz-Folk von ...FOR THE GHOSTS WITHIN zeigt, wie man den Jazz von der abgenutzten Patina der Erinnerungsseligkeit lösen - und zugleich ein in Erinnerungen taumelndes Stück zeitgenössischer Liederkunst abliefern kann!