Wie auf jedem CdeB-Album seit "Road To Freedom" könnte ich auch auf "Footsteps" eine klare Linie durch die Tracklist ziehen, die Gutes (bisweilen sogar sehr Gutes) von Verzichtbarem bis Überflüssigem trennt. Deshalb habe ich mich entschieden, auch diese Rezension in Minus und Plus aufzuteilen und hoffe, so ein etwas differenzierteres Bild von "Footsteps" zu vermitteln als all die (z.T. Fancommunity-gesteuerten) 5-Sterne-Orgien und naiv abgetippten Promosprüchlein hier ("wear the song like a coat" usw. *schnarch*).
Fangen wir mit Minus an.
Zunächst mal das Grundsatzproblem eines jeden Coveralbums: Muss das sein? Nun, angesichts der "Storyman"-erwiesenen Tatsache, dass CdeB selbst immer noch genug einfallen würde, ist "Footsteps" wohl tatsächlich mehr als nur ein Verlegenheitsalbum. Offenbar war es ihm wirklich ein Bedürfnis, Songs die ihn geprägt haben, ein Denkmal zu setzen. Für die Grundidee also erst mal ein Freispruch.
Tiefere Falten schlägt sie Stirn dann schon über der Songauswahl. Ich nehme CdeB durchaus ab, dass ihm jeder einzelne der ausgewählten Titel etwas bedeutet. Und bei einigen Songs habe ich tatsächlich das Gefühl, dass er mir hier etwas näherbringen will - aber dazu mehr unter Plus. Umso weniger verstehe ich, warum er über weite Strecken auf sichere Banken wie "Turn Turn Turn", "We Can Work It Out" und "Sealed With A Kiss" setzen muss. Tut mir leid, aber das ist einfach nur abgeschmackt und schrecklich vorhersehbar. Zumal man vieles ja so schon kaum mehr ertragen kann: "Without You", "The Long And Winding Road", "American Pie" nun auch noch aus Chris de Burghs Munde - ich muss das nicht hören.
Noch schlimmer: die meisten dieser tausendfach totgecoverten Heuler werden ganz simpel runtergenudelt - einfach so, ohne auch nur den Funken einer eigenen Interpretation und so nah am Original klebend, dass sie z.T. schon in finstere Karaoke-Gefilde abzudriften drohen ("Africa"!). Das kann nun wirklich nicht der Sinn eines Coveralbums sein. Um nicht missverstanden zu werden - handwerklich geht das schon in Ordnung, und für die hochkarätigen Studiomusiker wird es kaum mehr als eine kleine Fingerübung gewesen sein (das ganze Album entstand angeblich in nur einer Woche). Trotzdem sei die Frage erlaubt: Was zum Teufel soll das?
Produktionstechnisch wären - wie schon auf den letzten drei Alben - ein paar peinlich billige Keyboard-Sounds zu beklagen. Vielleicht sollte da mal ein neuer Mann an die Tasten gelassen werden. Ansonsten gibt es in dieser Hinsicht wenig zu mäkeln.
Womit wir dann auch schon zur Plus-Seite kommen.
Wie gesagt, ich glaube gern, dass CdeB zu allen hier versammelten Songs einen wirklichen Bezug hat und er mit diesem Album einen ehrlichen Einblick in die Musik geben möchte, die ihm etwas bedeutet und die ihn geprägt hat. Das ist die große Stärke von "Footsteps", die er zwar mit der oben kritisierten Auswahlpolitik großteils verschenkt hat, dann aber mit einer Handvoll Songs doch noch ausspielt. "Blackbird", "Polly Von", "Corrina Corrina" - das sind zum einen wunderbar zurückgenommene, akustische Momente (die sich CdeB generell viel öfter erlauben dürfte), zum anderen habe ich hier das Gefühl, wirklich etwas vermittelt zu bekommen. Weil ich die Songs vorher noch nicht kannte und weil ich erahnen kann, wie CdeB zu seinem Stil gefunden hat ("Polly Von" könnte von ihm selbst sein). So geht's also auch!
Aufhorchen lässt außerdem ein Song, der eigentlich auch erstmal unter Heuler-Verdacht steht, dann aber mit einem sehr interessanten Arrangement überrascht: "All Along The Watchtower". Hier durften sich die Musiker mal ein wenig ausleben, und man ist fast versucht, für das Ergebnis das Wörtchen "cool" zu benutzen (naja, so cool, wie's eben werden kann, wenn "de Burgh" drübersteht...). Und man ahnt, wie gut "Footsteps" hätte werden können, wenn CdeB sich mehr getraut hätte.
Das "Footsteps"-Thema - CdeBs einziger selbst geschriebener Beitrag und gewissermaßen der Rahmen des Albums - gefällt, auch wenn mir die letzte Minute des Titelsongs zu "Rock-meets-Classic"-mäßig klingt.
Fazit:
"Footsteps" wird dominiert von einer - auch für CdeBs eigenes Schaffen charakteristischen - Mutlosigkeit und Berechenbarkeit: bloß die Lady-in-Red-Fraktion nicht verschrecken, sondern stattdessen lieber ein paar Perlen unter den Tand mischen, den ein Großteil der Fanbase offenbar erwartet. Und so ist das Album nicht so peinlich, wie man befürchten könnte, aber auch längst nicht so gut, wie es hätte sein können.
Anspieltipps:
Blackbird | All Along The Watchtower | Polly Von
PS: Und wenn die nächste CD wieder eine Weltkugel auf dem Cover hat, kündige ich mein Abo...