Seit mehreren Jahren spiele ich Jahr für Jahr immer wieder den Football Manager aus Großbritannien sowie den deutschen Konkurrenten von EA Sports, den Fussball Manager.
Mittlerweile allerdings kaufe ich nur noch ein Spiel dieser Art pro Jahr, und das ist SEGA's Produkt.
Wo der Fussball Manager zwar ein optisch ansprechenderes Hochglanzprodukt mit vielen bunten Hintergrundbildern, hübschen Menüs und einem 3D-Spiel auf Basis der FIFA-Engine bietet, punktet der Konkurrent von Sports Interactive ganz klar durch Realismus, Langzeitmotivation und ein Eintauchen in die Fußballwelt, wie es intensiver kaum sein könnte.
Zwar beschränkt sich der Tätigkeitsbereich des Spielers was die Managementaufgaben angeht auf Transfer- und Vertragsverhandlungen (mittlerweile übrigens meistens über neu eingeführte Spielervermittler, die sich durch verschiedene Verhandlungstaktiken wohltuend unterscheiden) und bietet nicht die Vielfalt an Optionen wie im Fussball Manager (hier kann von der Menge der bestellten Fan-Schals bis zum Preis für die Bratwurst im Stadion allerhand überwiegend irrelevanter Kleinkram eingestellt werden), doch was das Sportliche angeht - und entscheidend ist ja schließlich auf'm Platz - ist die Optionsvielfalt schier unglaublich.
In den Taktikmenüs lassen sich noch so haarkleine individuelle Anweisungen für jeden einzelnen Spieler und jede Position eingeben, die, und das ist das Tolle, später auf dem Feld auch haargenau so umgesetzt werden. Idealerweise verbringt man vor jedem Match eine gewisse Zeit damit, seine Mannschaft auf den Gegner vorzubereiten, zu überlegen mit welcher Taktik der jeweilige Konkurrent am besten geschlagen werden kann (hilfreiche Analysen liefern hierbei auch die exzellenten Assistenztrainer), darauf zu achten welcher Spielertyp für die Mannschaft in der momentanen Situation auf dem Platz am wertvollsten ist, etc. etc.
Die Darstellung der Spiele erfolgt entweder im spannenden Textmodus oder im 2D- oder 3D-Spiel, welches zwar nicht die grafische Opulenz eines Fussball Managers erreicht, dafür aber der Darstellung eines realistischen Fußballspiels so nahekommt, wie es nur möglich ist. Jeder Spielzug bleibt stets nachvollziehbar, die Mannschaften spielen tatsächlich so wie es die echten in der Realität auch tun - beispielsweise lange Ballstaffetten bei den Münchener Bayern, schneller Kombinationsfußball bei der TSG Hoffenheim sowie perfekter One-Touch-Football bei den Spielen des FC Arsenal London.
Dass der Football Manager bei der Fülle an gebotenen Optionen deutlich komplexer als sein Konkurrenzprodukt ist, liegt auf der Hand. Dennoch wird hier belohnt, wer sich einarbeitet. Und wer einmal lange an einer perfekten Taktik für seine Mannschaft gefeilt hat, das taktische Verhalten der Spieler nach Ballverlusten oder bei Standardsituationen eingestellt hat, der wird sich diebisch freuen, wenn beispielsweise der bei Eckbällen aufgerückte Innenverteidiger am kurzen Pfosten den Ball ins Tor köpft, weil wir ihm und dem Eckballschützen genau diese Anweisung mit auf den Weg gegeben haben.
Fazit: der Football Manager bietet monatelangen Spielspaß, auch weil der Schwierigkeitsgrad angenehm fordernd bleibt. Computergesteuerte Vereine treffen jederzeit nachvollziehbare Entscheidungen und geben ihren Platz an der Spitze der jeweiligen Liga nicht kampflos her. Wer sich vor einer gewissen Einarbeitungszeit nicht scheut, wird hier mit einem unglaublich realistischen und motivierenden Produkt belohnt.