Als Käuferin der kostenlosen Kindle edition darf ich eigentlich nicht meckern. Allerdings lässt der Inhalt dieses als Zerstreuung gedachten Chick lit vertreters mir doch sämtliche Nacken haare hochstehen. Man erwartet bei einem solchen Titel ein belangloses, unterhaltsames Weddingplanner Geschichtchen a la J.Lo. Das kriegt man auch. Protagonisten: die Tochter italienischer Einwanderer namens Bella, die einen DJ sucht und einen D.J. bekommt, der (würde es nicht noch eine Rolle spielen, würde ich es nicht erwähnen) eher ein Cowboy-yeeha!-texas typ ist. Sie heuert ihn, trotz, fehlender Qualifikation, für ihre erste Cowboy-Thema-Hochzeit an und verliebt sich in ihn. So weit, so chick lit.
Wäre da nicht die in den ersten 40 % des buches gelegentlich hervorschauende Christenerweckungsthematik, die zum Rest des Buches immer skurriler und gruseliger wird (da ich einen Hang zur Skurrilität habe,habe ich dieses buch mit wachsendem Schrecken zu Ende gelesen, ich mag ja auch Horrorfilme).
Zunächst einmal kommt es vor, dass in diesem buch gelegentlich Leute in Ohnmacht fallen. Das ist ungewöhnlich, aber es ist ja Fiktion. Statt aber bei angeblichen Katastrophen dieser Art (die witzig gemeint, aber leider nicht so geschrieben sind)seine vorhandenen Notfallkenntnisse hervorzukramen, stabile Seitenlage und so weiter zu üben, wird gebetet. Überhaupt wird bei allem gebetet (auch wenn die Protagonistin irgendwann selbst merkt, dass es vielleicht unfair ist, Gott damit zu belästigen, dass ihr Vater beim Rasenmähen das nächste mal doch bitte eine Hose anziehen soll), gern gemeinsam, gern laut, gern in jeder Sprache.
Dann wird eine unterträgliche, mit dem gottesglauben verknüpfte Selbstbeweihräucherung betrieben, bei der mir sämtliche Verdauungssäfte in den schlund steigen. Eine so gute liebe frau, so bella über ihre künftige Schwiegermutter(zumindest gehe ich davon aus, dass es in den nächsten Bänden dazu kommen wird, geheiratet wird nicht, aber letztlich sind es ja Weddings by bella und nicht Bellas wedding) ist ja nur so gut, weil sie so einen tiefen Gottglauben hat. Und So geht es über jedes der Familienmitglieder, von Bellas, aber auch Djs seite(das Buch ist eher eine Familiengeschichte als eine reine Romance, was mich aber nicht gestört hat, da eine reine Romance noch unerträglicher gewesen wäre).
Dazu kommt noch das Missionsgetue. Zunächst kommt es nur kurz auf, als es bei Bellas Cousin ein Tattoo zu bestaunen gibt (ein Kreuz aus Nägeln, super gesprächsstarter für die Strassenmissionierung) Yeay. Dann wollen natürlich die eltern von DJ mit einer harley durch die Welt fahren und gute Werke tun (oder missionieren, da sind meine Sprachkenntnisse nicht ganz ausreichend). Dann kommt die Familie in den besitz eines (oh mein gott) nicht christlichen Papageis. Ja. Papagei. Ein Papagei eines ebenfalls nicht christlichen Besitzers (ein Freund von Bellas Onkel), den Bellas Onkel unbedingt zu Gott führen will (den Freund, aber auch den Papagei, um durch den Papagei den Besitzer selbst zu Gott-ihr versteht, was ich meine?). Der fluchende Papagei wird im laufe des Buches durch die Aufnahmen eines Predigers und der Bibel tatsächlich zu Gott geführt(praise the Lord!).
Zum Thema Romance: Bella und DJ. Ja. Bella wird als über 30 geschildert, trotzdem kommt es im ganzen Buch zu kaum einem Kuss auf den Mund, geschweige denn zu mehr (aber sie heiraten ja auch nicht).Public displays of affection sind ja auch nicht erlaubt. Sorry, wenn ich das niemandem abnehme, der erwachsen ist. Aber vielleicht liegts daran, dass sie auch kein einziges Rendevous haben, sondern immer nur umgeben von der Familie sind. Amiland halt. Communitygedanke. Ich kapiers nicht.
Und- mein letzter Kritikpunkt(mehr habe ich erst mal nicht zu meckern,-)): Engstirnigkeit. Unfassbare Engstirnigkeit. Bella ist denke ich Methodistin, D.J. Anhänger einer Gospel-Freiprediger Kirche (oder so ähnlich.) Eine Nachbarin stellt sich später als Presbyterianerin raus. Ich, als null acht fuffzehn getaufte Christin, denke, ist im großen und ganzen das selbe. Aber i wo: Für bella existieren hier Gräben. Der Marianengraben ist hier nichts dagegen. Diese Glaubensunterschiede sind noch tiefer als die (im Buch eingehend ausgewalzten) Unterschiede zwischen italienischstämmigen Amerikanern und Texanern. Die bei jedem patriotischen Lied heulen und den 4.Juli in Statue of liberty Kostümen feiern). Ich frage mich, was Menschen wie Bella täten, wenn man ihnen einen tatsächlich "andersgläubigen" Menschen vorsetzen würde. Einen Nichtamerikaner hinduistischen Glaubens zum Beispiel. Würden sie den Herrgott preisen und eine lustige Missionierungsaktion starten? Oder sich im Schrank verstecken? Ich weiss es nicht.
Bevor man dieses Buch liest, sollte man es vielleicht Bella nachtun und am Abend zur Endspannung das Buch der Predigten lesen. Oder meinetwegen den Stammbaum Jesu lesen: Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob.Jakob zeugte...
Vielleicht sind die anderen Bücher der Autorin besser:Finche c'e vita, c'e speranza. (wäre ich jetzt die Autorin, würde ich auch nach der zehnten Erwähnung dieses zitats eine Übersetzung nachliefern. So überlasse ich die Übersetzung dem italienischkundigen Leser oder Google. Oder ihr ladet euch Fools rush in runter.) Einziger Lichtblick übrigens waren die Sinatra/ Dean Martin Lieder, das war ganz nett.