FALSCHE ERWARTUNGEN
Das Cover von "Food Fight - Was kommt auf Ihren Teller?" zeigt in der Bildmitte ein Schwein mit Strichcode auf einer grünen Wiese. Da drängt sich als erstes die Vermutung auf, dass es hier um die Machenschaften der Fleischindustrie und um Massentierhaltung geht. Richtig? Falsch. Treffender als der Haupttitel und der deutsche Untertitel ist das, was sich ganz oben unter den Awards findet: "Fresh Food Contra Fast Food". Genau darum geht es, bleibt allerdings auf Obst und Gemüse beschränkt.
INHALT
"Food Fight" ist eine 2008 gedrehte amerikanische Dokumentation, die die Verflechtung zwischen Krieg, Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion herausarbeitet. Was einst als kalorienreiche Soldatennahrung gedacht war, wurde zum praktischen Fertigmenü und hat längst seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten. Interessant sind die Rückblicke in die amerikanische Geschichte, Werbung und erste Vermarktungsstrategien.
Ein weiterer Schwerpunkt sind das Entstehen der "Regional Food"-Bewegung in Kalifornien und das 1971 von Alice Waters gegründeten Restaurant Chez Panisse. Am Pranger stehen die Konzerne, für die nichts zählt als Profit, und die amerikanische Regierung, die mit fehlgeleiteten Subventionen dafür sorgte, dass kleine Bauern nicht mehr überleben konnten und die Essgewohnheiten der Bevölkerung nachhaltig ruinierte.
Vorgestellt werden auch Wochenmärkte und unterschiedliche Bürgerinitiativen, die sich für gutes, gesundes Essen stark machen. Das zeigt, dass die Bevölkerung kritischer wird.
KRITIKPUNKTE
Der Film nimmt ausschließlich die USA in den Blick und ist vor allem historisch interessant. Auch das "aktuelle" Filmmaterial ist mindestens 4-5 Jahre alt.
Die gesamte Fleischindustrie wird ausgeklammert. Dabei bildet Fleisch eine Hauptzutat, wenn es um Fast Food geht. Gezeigt wird es auch recht häufig, aber die Herstellung nicht thematisiert.
Man vermisst harten Zahlen, Daten, Fakten. Einiges wird zu sehr in die Länge gezogen, z.B. der "essbare Schulhof" oder auch der Werdegang des Chez Panisse.
Immer wieder wird die Geschmacklosigkeit von Supermarkt-Gemüse und -Obst betont, das zu früh geerntet oder aber falsch gelagert wird. Es heißt, Fertigmenüs sähen aus wie Essen, schmeckten aber nach nichts. Für die Anfänge dieser Industrie mag das zutreffend sein. Die in der 50ger Jahre Werbung gezeigte Pampe in Aluschachteln sieht in der Tat überaus abschreckend aus. Heute ist doch aber eher das Problem, dass sehr gezielt hergestellt wird, was der Verbraucher mit Gier haben will: Die "richtige" Kombination aus Zucker, Salz und Fett. Das soll den Umsatz steigern. Längst ist auch die unappetitliche Optik von einst bunten, fröhlichen Verpackungen gewichen, die suggerieren: Alles frisch, alles lecker, alles gut!
DVD-HÜLLE
Die DVD-Hülle bringt im Inlay schließlich das, was man als deutscher Zuschauer in der Dokumentation vermisst: Die Informationen, wie es eigentlich hierzulande aussieht. Man erfährt etwa, dass sich die Produktivität der Landwirtschaft auch hierzu lange stark erhöht hat: Schaffte es um 1900 ein Landwirt, Nahrung für fünf Personen zu produzieren, versorgte er 1950 schon 10 Personen. 2004 waren es dann bereits 143 Menschen. Wie viele mögen es dann wohl 2012, immerhin acht Jahre später, sein? Aktuelle Zahlen und Quellenangaben wären vorteilhaft gewesen.
FAZIT
Die Dokumentation hat insgesamt etwas Geschöntes. Vielleicht auch, weil ein Hauptproblem, die Massentierhaltung, hier völlig ausgeklammert bleibt. Fast Food, damit verbindet man vor allem Fleisch. Den amerikanischen "Yes-We-Can!"-Touch kann "Food Fight" ebenfalls nicht abschütteln. Eine optimistische Haltung ist sicher ein guter Anfang, reicht aber nicht für tatsächliche Veränderungen.
Wer sich bereits mit der Thematik befasst hat, findet hier nichts Neues. Da liefen in den öffentlich-rechtlichen Programmen deutlich bessere Dokumentationen. Für Neueinsteiger ist das Ansehen von "Food Fight" zumindest keine Zeitverschwendung, weil das Wissen auf angenehme und leicht zu erfassende Art vermittelt. In der Schule kann der Film ab Klasse 9/10 eingesetzt werden.
Pluspunkte:
- Die Dokumentation ist leicht verständlich, abwechslungsreich gestaltet und für ein großes Publikum geeignet.
- Es gibt interessante geschichtliche Rückblicke in die Entwicklung der USA.
- sehr interessantes historisches Filmmaterial
- informatives DVD Inlay
- anschaubar in Deutsch oder Englisch
- deutsche Untertitel sind verfügbar
Neutrales:
- Die Vermittlung von Sachinhalten über Comicelemente ist nicht jedermanns Geschmack.
- keine Extras
Negativpunkte:
- Das Cover weckt falsche Erwartungen.
- Die wichtigsten Informationen über deutsche Verhältnisse befinden sich im Innern der DVD-Hülle. Eine Quellenangabe fehlt. Die Zahlen sind offenbar nicht aktuell.
- starker Fokus auf das Chez Panisse
- wenig straffe Präsentation
- unnötige Längen
- Für Menschen mit Vorkenntnissen gibt es wenig/nichts Neues.
- Hauptprobleme (Massentierhaltung, Suchtpotential von Lebensmitteln, Fleischproduktion)werden nicht angesprochen
- zu wenig Zahlen, Daten, Fakten und zu viel Meinung