Fontane war nicht nur ein heiterer Gemütsmensch, der über allem stand, nein, er konnte auch bissig und direkt, ja einmischend zynisch sein. Sein Briefwechsel dürfte der umfangreichste in der zweiten Hälfte des 19. Jh. sein und daraus erschließen sich eine Vielzahl der hier enthaltenen Aussagen. Insofern war Fontane kein reiner Aphorismenschreiber, seine Sentenzen sind oft ganz konkrete Hinweise an seine Lieben und Freunde, die hier aus seinem Schriftwechsel extrahiert wurden. Insofern ergibt sich auch ein weites Feld an Weisheiten, die in diesem Büchlein u.a. auch als Kurzprosa enthalten sind.
Das Inhaltsverzeichnis klingt nach typischem Fontane mit zwölf Kapiteln bzw. solchen Überschriften: "In Lübbenau eine saure Gurke essen, Am Skat- und Biertisch des Lebens, Zum Verlobungsdiner bei Lachmanns" etc., die Inhalte aber gehen zur Sache. Beispielsweise gegen Journalisten: "Es gibt keine größeren Despoten als Redakteure."
Zur Kritik äußert sich Fontane so: "Ich gehöre keineswegs zu denen, die der Kritik der Mund stopfen wollen; aber die Kritik muss klug und bescheiden geübt werden und muss sich bei jedem Wort ihrer Grenzen bewusst bleiben. Wer eine Kunst nicht selber übt, hat sein Lob oder Tadel an bestimmter Stelle schweigen zu lassen, nämlich da, wo das mangelnde Können auch sein Wissen lahm legt." Und den hin- und her schwadronierenden, ewig kritischen Geistern schreibt er ins Stammbuch: "...nichts ist seltener als eine Kritik, die nicht mit der Linken wieder nimmt, was sie mit der Rechten gab." Noch deutlicher das: "Die Kritiken sind alle wie von Verbrechern geschrieben, die nur immer auf der Hut sind, vor Gericht nichts zu sagen, was gegen sie gedeutet werden kann."
Ein heiter, zynisch nachdenkliches Brevier mit aufbauenden, mutmachenden Sätzen ebenso wie schönste Lebensweisheiten, ein wunderbarer Querschnitt zum Schaffen und Denken Theodor Fontanes. Vielleicht drückt ihn selbst dies am besten aus: "Einfachheit, Schlichtheit, Wahrheit, Anspruchslosigkeit - da liegen Glück und Schönheit."