Iganzio Silone, Pseudonym für Secondino Tranquilli wurde 1900 in Pescina dei Marsi, in der Provinz Aquila, geboren. 1915, infolge eines Erdbebens, verlor er seine gesamte Familie und zog in eines der ärmsten Viertel des Dorfes. Er setzte sich Zeit seines Lebens politisch für die Armen ein. 1921 wurde er zum Mitbegründer der kommunistischen Partei Italiens und 1930 verließ er diese wieder und trat der sozialistischen Partei bei. Aus ideologischen Gründen distanzierte er sich bald wieder von seinem politischen Engagement und setzte sich fortan für das kulturelle Leben Italiens ein. Silone starb in Genf im Jahre 1978.
In seinem 1933 erstmals in deutscher Version veröffentlichten Roman Fontamara spiegeln sich die Ideale und Glaubensgrundsätze der „cafoni" dh. der einfachen Bauern und Arbeiter des Mezzogiorno in der Zeit um 1935 wider, als in Süditalien Krieg und Krankheit die herrschenden Aspekte des Lebens waren.
Silone beschreibt seine Erfahrungen in der Kindheit, wie er die unausweichliche, unbewegliche, sich immer wieder wiederholende Geschichte der „cafoni" miterlebt hat.
Tendenziell bemerkt man eine eher positive Entwicklung im Bewusstsein der Bauern: die „cafoni" sind sich ihrer misslichen Lage bewusst, sie glauben an einen Gott, wie er vom katholischen Glauben gepredigt wird und die personifizierte Hoffnung im noch lebenden „brigante" Berardo Viola zeigt, daß die Bauern auch ein politisches Bewusstsein besitzen, sich nicht nur ihrer misslichen Lage bewusst sind, sondern darüberhinaus auch über die politische, gesellschaftliche Situation ihrer Zeit Bescheid wissen. Diese Art von Selbstverantwortung zeigt sich dadurch, daß sie sogar eine eigene Zeitschrift gründen. Die Bauern dieses kleinen imaginären Dorfes Fontamara das in Deutsch übersetzt soviel wie Bittere Quelle heißt, versuchen sich gegen politische Ungerechtigkeiten zu wehren. Sie mischen sich zurecht in die Politik ein, wollen verstehen was man mit ihnen vorhat oder was in ihrem Land passiert. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß sie sich nicht Illusionen oder dem Aberglauben hingeben sondern eher einen frommen Gottesglauben haben. Die Frauen spielen auch eine entscheidende Rolle im Roman von Silone. Es gibt zwei unterschiedliche Frauencharaktere: die unabhängige, starke, selbstbewusste Frau, die im Roman von Marietta verkörpert wird und die schwache, jedoch schöne und vom Autor idealisierte Frau Elvira, die den Status einer Madonna bekommt. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Beschreibung der Frauen, durch kreative Arbeit des Autors entsteht, der sich eher von der Kunst der Dichtung inspirieren lässt als von den tatsächlichen Fakten.
Alles in allem zeigen die Bauern insgesamt eine eher realistische bewusste Annahme ihres Schicksals, sie sind keine Träumer, kein auf Mythen begründetes Volk wie zum Beispiel die Bauern in „Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi. Gerade ihr Realitätssinn und ihr Wille Selbstverantwortung zu übernehmen ermöglicht es ihnen sich von ihrem miserablen Schicksal zu lösen, indem sie gegen Kirche und Staat kämpfen und keinerlei Konfrontationen scheuen. Andererseits führt diese bewusste Auseinandersetzung mit ihrem Schicksal auch dazu, sich der Tatsache bewusstzuwerden, daß sie oft von den sogenannten „Mächtigeren" reingelegt werden.
Die Sprache ist eine syntaktisch einfache, Dialogreiche, beinahe veristische Sprache.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle die ein realistisches Bild Süditaliens, zur Zeit des Faschismuns bekommen möchten.