Fontainebleau Magique schafft es, am üblichen Font-Image vorbei, einen eigenen Zugang zum wohl bekanntestes Bouldergebiet Europas zu finden. Eine Auswahl von Parcours (orange und blau) mit recht ausführlichem Textbeiwerk und vielen formatfüllenden Fotos sollen zum gemütlichen Erkunden auch abseits der Top-Gebiete und Standard-Boulder locken. Nette Idee: für jeden Parcours gibt es auch eine "Magier"-Auszeichnung, wenn man die meisten (ausser einzelne besonders schwere oder größenabhängige) Boulder auf Anhieb hinkriegt (flasht). Die Intention dahinter gefällt mir: anstatt stundenlang in zu schweren Problemen campieren, mal lieber leichtere Boulder machen, dafür mehr davon und auch gekonnter.
+ für Einsteiger konzipiert
+ liebevoll und hochwertig gemacht, viel Text, viele Fotos
+ recht ausführliches Piktogramm-System mit diversen Informationen zu jedem Boulder (Aufleger, athletisch, Highball, besonders schön, ...)
+ GPS Koordinaten
Wenn man das Gebotene aber zusammenfasst und dem Standard-Führer von J. Godoffe ("Fontainebleau Climbs") gegenüberstellt, bleibt nicht viel über, das den Kauf rechtfertigt. Die Parcours sind zum Großteil im Godoffe drin, dort sind auch Parcours aus anderen Graden sowie zig Einzelprobleme, Traversen und Klassiker drin. Die netten Ideen wie die vielen Symbole für jeden Boulder verlieren in der Praxis mangels Relevanz an Bedeutung.
Hauptnachteile:
- die hunderten Klassiker ausserhalb der Parcours sind allesamt nicht drin. Ab 6a ist nichts (wenig) drin. So kommt es, dass absolute Klassiker-Gebiete mit hunderten Super-Bouldern gerade mal 5 Seiten kriegen, drei davon mit Fotos über die ganze Seite. Auch leichtere Sachen sind nicht drin. Damit entgeht einem der größte Charme des Gebiets, nämlich, dass der 7c Kletterer und der 4a Kletterer praktisch am gleichen Block Spaß haben können.
- die Stimmungs-Fotos sind nett, aber letztlich doch wenig eindrucksvoll und machen das Buch dicker ohne großen Nutzen.
- die Piktogramme sind süß, aber nutzlos, weil sehr subjektiv. Bei manchen Bouldern steht "Highball", wo man kaum über die Höhe nachdenken würde. Bei wirklich hohen Blöcken steht nichts. Unterm Strich kann man diese Informationen dann nicht verwerten.
Letztlich ist das Buch immer im Quartier geblieben, ausgezogen sind wir mit dem Godoffy-Führer wegen der Topos und dem Essential Fontainebleau wegen der besseren Gebietsübersicht und den Einzelboulder-Fotos.