In Porto Alegre geboren, in Sao Paolo aufgewachsen und in München Taxi gefahren - ein brasilianischer Münchner macht sich Gedanken um die deutsche Sprache und hat viel, viel Köstliches zu erzählen. "Es war eine autobiografie und handelte von problemen mit sprachen, räubern, polizei und fraun", "auch sex, drugs, crimes and rock'n'roll war drin", beschreibt Zé do Rock selbst sein erstes Buch im Vorwort des Nachfolgers "ufo in der küche" und präsentiert uns ein kleines "sprachbuch mit reisebericht"- kurzweilig und zum Sichwegschmeißen komisch.
Mit jedem Kapitel führt Zé do Rock durch Regelvereinfachungen und -abschaffungen ganz kurz Rechtschreibänderungen ein. Mit viel Intelligenz und bestechender Logik nimmt er die zu der Zeit gerade heftig diskutierte deutsche Rechtschreibreform mit dem sich zum Ende des Buches hin Stück für Stück entwickelten "ultradoitsh" ordentlich auf die Schippe. Da er die Tendenz zur Vereinfachung der deutschen Sprache nicht so recht sieht, kümmert er sich selbst drum und vereinheitlicht unter anderem die Schreibweise von Silben, die ohnehin gleich ausgesprochen werden und lässt Buchstaben ohne Funktion verschwinden: tema, filosof, kuveer, nivo, alee, rissaikeln, schoför, kex, aussadeem, tishört, kwalität, pazient, interviu... Schöne Sätze wie "im se sa si so super aus" kommen dabei raus.
Zé do Rocks erfrischende Logik ist ganz leicht nachvollziehbar, und so haben die Augen erschreckend - nein, überraschend wenig Probleme, durch seine 'revolutionäre' Sprache durchzukommen. Man merkt aber sofort, wenn der Autor vollkommen in Ironie abgleitet: "hotelzimmatyr", "lebensmittelabholparkplatzsupermarkthalle"...
In den unzähligen Geschichten von seinen Reisen in Länder rund um die Welt erfrischt der Stil des Autors durch seine unvorbelastete Perspektive auf Sprachen. So ist er schon mal "weiss wie ein gorgonzola" anstatt käseweiß; Zweideutigkeiten haben bei ihm so wie so keine Chance, unentdeckt zu entkommen: "einwandfrei" ist ein Haus mit nur 3 Wänden, und "mißverständnis" die schönste Psychologin etc.
In anderen Ländern entdeckt er interessante sprachliche Koinzidenzen. "bunda" ist in Brasilien die Pobacke, weshalb die Brasilianer sich bei "bundesrepublik" schlapp lachen; die Japaner machen "l" zu "r" und haben "erections for prime minister", während die Koreaner aus "s" ein "sh" machen. "please shit down".
In Afrika reist Zé do Rock durch schwierige Bergpässe in Lesotho ("God-help-me-pass", entdeckt die multi-religiöse Gesellschaft in Lagos ("baptisten, metodisten, adventisten, dentisten und viele sekten..."), trifft auf fähige Grenzsoldaten in Somalia ("er adiert dollar plus datum und subtraiert de urzeit"), freundliche Grenzsoldaten in Angola ("das land is vorübageend geslossen"), trinkt zimbabwisches Ur-Bier ("is rosa und ser breish"), bereist freundliche Länder wie Malawi ("ma stolpa an de gesteig, vo de andre strazseseite tön s: >sorry, sir!<") und entdeckt ganz kleine Länder wie Tuvalu, das nur einer Straße hat ("für taxifahris sehr einfach: de fahrgast steigt ein, de fahri fragt: vorwärts oder zurück?").
In Asien entdeckt er, dass in japanischen Restaurants ein Höllenlärm ist ("jedi isst so laut wi möglich, um zu zeigen das es il gut schmeckt"), entdeckt das Geheimnis des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens in China ("weil de japanis mikrochips produzieren, während de chinis noch reischips machen"); und in Australien muss er seinen ersten rassistischen Job annehmen ("ich darf keine prospekte an dunkelhautis verteilen, weil de prospekte für a solarium sind").
In den USA analysiert er die Bevölkerung von San Francisco ("30 prozent schwarz, 30 prozent ostasiaten und 40 prozent bekloppt") und besucht eine protestantische Kirche in Los Angeles ("die andacht beginnt mit der nationalhymne, dann erzält der pastor ein par witze und es kann losgeen").
In Panama gibt es Probleme mit dem Trampen, denn "die panamesen sind groszartige telepaten. Wohin auch immer der tramper will, si scheinen s zu wissen und zeigen mit der hand, das si woanders hin wollen"; in Mexiko werden Verkehrsregeln peinlich genau beachtet ("... und 1 prozent färt gleich mit warnblinkanlage in di kreuzung"). Auch nach Teotihuacán führt ihn seine Reise, "wo sich früer götter trafen und heut japaner".
Wie ein Running Gag ziehen sich die Begegnungen des Autors mit Polizei, Zoll und Grenzsoldaten ("14 dollar nixgebür und 4 dollar bearbeitungsgebür") durch alle Geschichten.
Besonders genüsslich umschreibt Zé do Rock natürlich auch die Lage in seinem Heimatland Brasilien. Beim Halten an einer roten Ampel "färt das hintre auto auf oder du wirst überfallen"; und in der Großstadt gilt die Regel "ni zuvil, ni zuwenig geld bei sich ham. Wenn ma vil mitnimmt, wird ma vil los. Wenn ma wenig mitnimmt, kann der räuber böse werden".
Ein Weg, mit den Einheimischen zu kommunizieren, wird in jedem Land stets gefunden. Er schlägt sich mit Olgas "pidgin-russisch" rum, flucht den russischen Zugschaffner auch schon mal auf Bayrisch an ("Kruzifix halleluia des derf ja wol ned wor sei...") - und für den Notfall spricht er auch schon "fließend gestisch".
Zé do Rock schafft es in urkomischer Weise, dass so ziemlich jedes Völkchen rund um den Globus sein Fett weg kriegt, und gerade dadurch mächtig Sympathiepunkte gewinnt. Er benutzt und verdreht Vorurteile, löst sie auf oder macht sie schlimmer als sie eigentlich sind, meint nicht alles ernst und erzählt dennoch Wahrheiten am laufenden Band. Dabei schreibt er auf seine ganz eigene trockene, ironische und dabei so erfrischend offene und gnadenlos direkte Weise.
Wenn es einem zu peinlich ist, in der Öffentlichkeit lauthals in Lachen auszubrechen, sollte "fom winde verfeelt" auf gar keinen Fall in der U-Bahn, im Wartezimmer, an der Uni oder sonstigen lauschigen Plätzen gelesen werden - meine persönliche emfeelung!