Aus der Amazon.de-Redaktion
Patrick Stump, Pete Wentz, Joe Trohman und Andy Hurley; -das sind Fall Out Boy aus Chicago, eine Band die auch hierzulande längst mit ihrer festen Anhängerschaft die Clubs füllt. Auf ihrem dritten Studioalbum
Folie à Deux setzen sie auf konsequente Weise den Weg fort, den sie mit
Evening Out With Your Girl und
Take This To Your Grave eingeschlagen haben: harten Post-Punk mit intellektuellem Anspruch. “Change will come, but I will never believe in anything again“ lautet eine Textzeile des Songs “Coffee’s For Closers.“ Womöglich eine Anspielung auf Barack Obamas “The Change“? So schlicht möchte Patrick Stump den Song nicht verstanden wissen und sich erst recht vor keinen politischen Karren spannen lassen. Vielmehr handelt es sich um ein Misstrauensvotum gegenüber dem sprichwörtlich “Guten im Menschen“ und somit einen zutiefst pessimistischen Kontrapunkt zum euphorischen “Yes we can.“ Gleich zu Beginn wartet
Folie à Deux mit einer Überraschung auf: Steckt irrtümlich eine Elvis Costello-CD in der Hülle? Nach knapp 30 Sekunden kommt Entwarnung, nämlich wenn das ölige Wummern der Hammondorgel mit Falsettgesang in punkiges Geschrammel übergeht. Vertieft man sich jedoch in das Kleingedruckte, stößt man auf... na? –keinen Geringeren als Elvis Costello! Wenn auch erst auf Track 8 “Watch A Catch, Donnie,“ dem wohl eingängigsten Song des Albums, der problemlos durch jede Sportsbar röhren könnte, ohne als Post-Punk Ärgernis zu erregen. Die zunehmende Massentauglichkeit der Songs liegt nicht zuletzt an der illustren Schar der Gäste auf
Folie à Deux. Sie reicht von Gymn Classic Heroes-Kopf Travis McCoy, über Brendon Urie (Panic at the Disco) bis zu Alex deLeon (The Cab), sowie alten Bekannten wie Toni Visconti, der die Streichersektionen nicht nur arrangiert sondern auch dirigiert hat. Die tatsächliche Raffinesse der erstaunlich lebhaften Palette an Blas- und Streichinstrumenten lässt sich erst bei mehrmaligem Hören entdecken und schätzen. Diese Form von Understatement muss als großes Plus bewertet werden, denn die Liste jener Bands, die ihr mittelprächtiges Repertoire mittels beeindruckender Instrumentaleffekte zu kaschieren versuchen ist lang. Dass Fall Out Boy nicht unter diese Kategorie fällt, zeigt schon alleine die Vielseitigkeit ihrer Songs. Mal erinnern sie mit funkigen Anklängen an die frühen Guns ’n Roses (“America’s Suitehearts“), mal an die Beatles (“20 Dollar Nose Bleed“). Die 13 Songs auf
Folie à Deux kommen im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben musikalisch behutsam verfeinert daher, jedoch ohne dabei allzu viel an ihrer Ruppigkeit einzubüßen, wegen der die Fans Fall Out Boy so schätzen. -
Andreas Schultz
Was verbindet Ashlee Simpson, die Neptunes, Lil Wayne und eingängigen Pop-Punk? Das neue Fall Out Boy Album liefert die Antwort.
Nimmt man, der Französischen Sprache nicht mächtig, Wikipedia zur Hilfe, wird der Albumtitel der neuen Fall Out Boy Platte "Folie À Deux" wie folgt übersetzt: "Geistesstörung zu zweit". Aha. Das erklärt vielleicht auch den geistigen Tiefflug von FOB-Bassist Pete Wentz und seiner Angetrauten Ashlee Simpson, ihren Erstgeborenen Bronx Mowgli zu nennen. Geht's eigentlich noch? Und dass angeblich zwei Millionen Dollar für erste Babyfotos geboten wurden, kommentierte eine Kollegin sehr passend - verrückte Welt.
Dank dieser Umstände und des bis dato wahnsinnigen (musikalischen) Erfolgs, wird es auch nach Fertigstellung von "Folie À Deux" der Band nicht erspart bleiben, sich zu gleichen Anteilen unzähligen Interviews mit einschlägigen Mädchenzeitschriften und Musikmagazinen stellen zu müssen. Zu groß ist die Anzahl potenzieller Pop-Punk-Hits, die penetrant nach Achtziger Glamrock-Haarspray riechen und deren Nervfaktor mindestens genauso hoch ist, wie ihre finanzielle Rentabilität.
Ob Tonleiterübungen in "She's My Winona", die Mithilfe der Neptunes bei dem Stück "w.a.m.s." oder die Unterstützung von Lil Wayne, einem der derzeit erfolgreichsten Rapper der USA, bei "Tiffany Blews" - mit Punk hat das alles beim besten Willen nichts mehr zu tun, Jungs. In "Coffee's For Closers" außerdem eine Gesellschaft zu kritisieren, "die zunehmend zu Celebrity-Wahnsinn neigt", gleichzeitig aber einen siebenstelligen Betrag für Babyfotos kassieren zu können und dann auch noch "I don't care what you think as long as it's about me" ("I Don't Care") zu skandieren, ist da schon fast als blanke Ironie. Das bisschen Gossip schadet den Verkaufszahlen bekanntlich ja auch nur selten.
Zu gute halten muss man den vier Herrschaften von Fall Out Boy trotzdem, dass sie auf ihrem vierten Studioalbum ein unerhörtes Gespür für eingängige Melodien beweisen, ihre Instrumente beherrschen und man ihnen fehlende Live-Qualitäten sicherlich nicht nachsagen kann. Von diesen lässt man sich am besten bei einem der drei Deutschlandtermine im März 2009 selbst überzeugen. Letztendlich ging es dem frisch gebackenem Papa Pete Wentz und seinen Mitstreiter mit "Folie À Deux" nämlich nur darum, "den Fans alles zu geben." Und dies ist ihnen sicherlich gelungen.
Christopher Mühlig