Zunächst einmal muss ich sagen, dass mir die Folge insgesamt ganz gut gefallen hat. Man kann sie aber in 3 Teile aufdröseln, und dann sieht die Sache etwas anders aus:
1. Der Anfang ist zu lang und zieht sich zäh wie Gummi. Das liegt nicht am Inhalt, sondern an der Art des Erzählstils - und dabei ist "Erzähl" schon genau der richtige Wortteil:
Es ist in der ersten Viertelstunde einfach zu viel Erzähler am Werk. Wer braucht schon eine dreiminütige Erzählung, wie Justus ein wirklich spannendes Buch liest, wenn diese Erzählung nicht wirklich spannend ist.
Aber nicht nur der Erzähler hält lange Reden, sondern auch Mr Lowell, der das "Haus des Schreckens" in allen Einzelheiten beschreibt. Ich frage mich nur dabei, was für einen Sinn es macht, alle Möglichen Eigenheiten des Hauses zu beschreiben, wenn man nur zwei davon "erleben" darf.
2. Bis zur 50. Minute ist es dann recht spannend. Hier und da kommen zwar wieder Teilszenen, die nicht nötig gewesen wären ("Wir laufen mal 3 Minuten durch die Gegend, wir finden niemanden und beschließen dann, woanders zu suchen <- Sowas hat meines Erachtens in einem Hörspiel keine Daseinsberechtigung. Da hätte man ganz andere Szenen für ins Hörspiel packen können.), aber es wird Spannung aufgebaut, erst am Fenster und dann vor allen Dingen im Geheimgang in der Wand. Sehr schön gemacht!
3. Dann flacht das Ganze allerdings etwas ab. Die drei ??? finden das Rätsel, das durch eine dicke Schere kaum eines mehr ist, und wissen quasi bereits die Lösung. Sie gelangen so in einen Geheimgang, der nicht mehr so arg spektakulär ist, wissen wo er endet, bekommen ein Märchen aufgetischt und Justus präsentiert die Lösung des Falles - natürlich wieder mal im Alleingang.
In den letzten 20 Minuten wurde damit die große Schere bedient: im Buch waren ein (langes!) Rätsel, eine Entführung von Bob. Es wird auch erwähnt, das die drei ??? gemeinsam die Lösung ermitteln, und dadurch wird auch das Ende klarer, als sie sie (gemeinsam) präsentieren.
Ein kleiner Handlungsstrang von Mr Kittle ist auch flöten gegangen, aber der war nicht so wichtig :)
Zu den Sprechern: die drei ??? machen ihren Job sehr gut. Die anderen Sprecher sind auch nicht schlecht, aber leider sind sie sehr beliebig gewählt worden, sodass die auftretenden Figuren - wie im Buch - ein Matsch sind. Man hat sich keine Mühe gemacht, die Personen auseinanderzudröseln, und man hat beim ersten Hören keine Ahnung, wer da jetzt wen spricht. Hier hätte ich mir bekannte Sprecher mit markanten Stimmen gewünscht, das hätte viel geholfen.
Ansonsten ist die Folge gelungen - ich freue mich schon auf Spuk im Netz!