Was ist denn hier passiert? Bei der Folge 73 scheint EUROPA einen Anflug von "guter Idee" gehabt zu haben, leider eine Seltenheit, seit die Reihe die Nummer 40 überschritten hat. Nach der Episode 40 sind die Macher des Labels EUROPA nämlich in ein Kreativloch gestürzt, aus dem sie nie wieder ganz herausgefunden haben. Es muss aber auch gesagt werden, dass es sicher keine leichte Aufgabe war, das Detektivtrio in die "Neuzeit" zu katapultieren. Gibt es in den früheren Folgen (den sogenannten Klassikern) noch verdächtige Auffälligkeiten wie fehlende Telefonkabel an einem Haus, Beschattungen mit dem Walkie-Talkie sowie Verfolgungsjagden mit dem Fahrrad, musste man schließlich den Bogen so weit (über)spannen, dass sich die drei ??? mit Hexen-Handys, Computerviren und Vampiren im Internet herumschlagen. Zu diesen Faktoren gesellte sich noch der Umstand hinzu, dass kultige Stimmen wie etwa die des Erzählers Alfred Hitchcock (in Wahrheit Peter Pasetti) nicht mehr zur Verfügung standen und schlichtweg ersetzt wurden (was auch den Stil der Reihe verändert hat). Dass diese Neubesetzungen die Größe und den Kultstatus ihrer Vorgänger nie erreichen werden, war von Anfang an klar. So wirkt auch ein Inspektor Cotter nach einem Hauptkomissar Reynolds eher fehl besetzt, auch wenn der Sprecher sicherlich bemüht ist seiner Rolle Leben einzuhauchen.
"Der Poltergeist" sticht unter den neueren Folgen dieser Reihe mehr als positiv heraus. Das Hörspiel ist amüsant, spannend und nicht gleich nach den ersten fünf Minuten durchschaubar. Wirklich eine gute Leistung!
ACHTUNG SPOILER: Das Ende ist dann - für meinen Geschmack - ein wenig zu dick aufgetragen. Ein Sprung aus dem Fenster, ein sicheres Landen auf einer Markise und der Schurke spaziert einfach davon... NA JA! Das passt eher zu 007 als zu den drei Fragezeichen.
4 Sterne hat dieses Hörspiel trotz übertriebenem Ende bedenkenlos verdient.