Rezension
Die vielbejubelte Europatournee dieses multikulturellen Projektes, die in acht verschiedene Länder geführt hat und überall zu Begeisterungs- stürmen und enthusistischen Kritiken geführt hat, ist gerade im italieni- schen Rimini zu Ende gegangen. Die ersten Einladungen zu Konzerten und Festivals für den Herbst (z.B. Istanbul) und den nächsten Sommer liegen vor, so daß sich alle diejenigen freuen können, die das Weltmusikereignis in diesem Jahr versäumt haben. (Die Welt)
...alle- samt von einer geheimnisvollen meditativen, langmütigen, grüblerischen Art. …Es ist die Fremdheit, die einen in diese Musik und ihre eigenartige Schönheit zieht, es ist die Fremdheit der Stimmen, der Klänge, der musikalischen Botschaft. Man versteht kein Wort, aber man hört, man stutzt - und ist, staunend, so fasziniert, daß man gar nicht anders kann, als diese Platte zu Ende zu hören. (Die Zeit)
Fassungslosigkeit greift Platz ... mit seinen Stimmen Vibrationen [erzeugt], die den Zuhörer bis ins tiefe Mark treffen. (Weser Kurier)
Kurzbeschreibung
feat. HUUN-HUUR-TU & Sergey Starostin & Mikhail Alperin (Tuva/Bulgarien/Russland) Arrangements by Mikhail Alperin "Nun ein paar Worte über die Produktion selbst, über die Musik auf dieser Scheibe. Lange hatte ich den gemeinsamen Nenner meditativer Stukturen in verschiedensten folkloristischen Ausdrucksformen untersucht, beispiels- weise die russische Tradition langer bis langatmiger Lieder mit ihrer grübelnden Melancholie. Tatsächlich findet man eine ähnliche Stimmung in tuvinischen Liedern aus der Steppe, und auch die traditionellen Lieder aus den bulgarischen Rhodopen strahlen dies aus, ebenso wie viele jüdische Lieder, voll der gleichen Ruhe und Wärme. Darum gab ich dem Projekt anfangs den Arbeitstitel "Meditation" - in dem Versuch, von jeglicher "Modernisierung" von Folk-Themen Abstand zu nehmen und statt dessen die unterschiedlichen traditionellen Quellen in der Sicht eines Vogels im Flug zu vereinen. Wenn ich den Kern dessen, was wir versucht haben zustande zu bringen, in Worte fassen sollte, würde ich dies in einer kleinen Szene zeigen, die in meinem Gedächtnis haften geblieben ist: ich erinnere mich an ein älteres, schwarz gekleidetes Paar auf einer kleinen griechischen Insel. Sie blickten übers Meer in die Ferne, bewegungslos, und die Zeit stand still. Mir gefiel das Ende unseres Experiments besonders. Während der Proben fingen Sängerinnen und Sänger, die sich niemals vorher gesehen hatten und die zunächst aufgrund ihrer kulturellen Unterschiede einander so fern schienen, ganz plötzlich und spontan an, sich gegenseitig die Lieder ihrer Vorväter vorzusingen, als hätten sie diese Möglichkeit erst dort in diesem Augenblick entdeckt. Jeder begann, Intonationen, Tonarten und Stimmun- gen von Liedern aufzunehmen, die aus anscheinend unendlich fernen Gegenden stammten. Als läge nur die Trennung einiger Jahrhunderte zwischen ihnen, fand die Familie langsam zusammen und lernte sich kennen. Das allein reichte mir schon, um mit dem endgültigen Produkt zufrieden zu sein." Mikhail Alperin