Die Geschichte von den vier Männern am Rande der Midlife-Krise, die, ohne es zu wollen, aus ihrer gesicherten Mittelstandsexistenz abreisen, flussabwärts, abwärts in jeder Hinsicht, bis sie nur noch eine Wahl haben (glauben sie): töten oder getötet werden - die ist längst ein Klassiker. Geschrieben hat sie der angesehene Lyriker James Dickey, und weil Ende der Sechziger noch nicht die Haudrauf-Dramaturgie des Creative Writing verbindlich war für das Schreiben von Abenteuern, passiert auf den ersten 100 Seiten des Buches erst mal nicht viel. Dafür lernt man die Figuren und das Hinterland der US-Südstaaten kennen und man ahnt, dass sich in der Reibung und den Missverständnissen zwischen unsensiblen Städtern und tückischen Hinterwäldlern ein böser Konflikt ankündigt - der dann auch kommt und in dem es keine Unschuldigen mehr gibt. Der Kleinverleger Jens Seeling ist mutig oder ein wilder Idealist, wenn er ein Buch, das es noch billig im Handel gibt und das schon 1970 gut übersetzt war (damals war Übersetzer noch kein Vierhundert-Euro-Job) neu übersetzt und neu herausgibt. Wert ist es das auf jeden Fall, aber ob sich das lohnt? Den Film nach dem Buch ("Beim Sterben ist jeder der Erste") muss man nicht unbedingt ansehen, finde ich, auch wenn Ned Beattys Vergewaltigung in die Filmgeschichte eingegangen ist. Aber die "Duelling Banjos"-Szene mit Ronny Cox und dem Mongoloiden ist traumhaft und das Musikstück ist eins der schönsten, das ich jemals im Kino gehört habe.