Ich gebe zu, diese Überschrift kommt schon ein wenig kitschig daher, aber wenn es um Otto Premingers Western "River of No Return" (1954) geht, dann lasse ich mir diesen Vorwurf gern gefallen, denn dies ist zweifellos ein Film, den ich liebe - weniger mit dem Verstand als mit dem Herzen. Dabei stand "River of No Return" unter denkbar schlechtem Vorzeichen, denn sowohl für Preminger als auch die Monroe war dieser Film eine reine Auftragsarbeit, und der Regisseur mochte es wohl kaum als intellektuelle Herausforderung angesehen haben, einen Western zu drehen. Zudem scheint er auch leichte Vorbehalte gegen seine Hauptdarstellerin gehabt zu haben, wie sein sicher cum grano salis zu nehmendes Diktum beweist: "Directing her was like directing Lassie. You need 14 takes to get each one of them right." Er soll für Marilyn auch noch die recht harschen und bösen Worte "a vacuum with nipples" gefunden haben.
Die Story ist in der Tat nicht sehr komplex: Der verwitwete Farmer Matt Caulder (Robert Mitchum), der gerade seine Gefängnisstrafe dafür abgebüßt hat, einen Mann aus Nothilfe von hinten erschossen zu haben, holt seinen kleinen Sohn Mark (Tommy Rettig) aus dem Sündenpfuhl einer Goldgräberstadt ab. Auf ihrer Farm angekommen, rettet Caulder die Passagiere eines auf dem "Fluß ohne Wiederkehr" in Not geratenen Floßes, die sich als die Mark aus der Stadt bekannte Sängerin Kay (Marilyn Monroe) und ihr Falschspielerfreund Harry Weston (Rory Calhoun) entpuppen. Die beiden sind auf dem Weg in die nächstgrößere Stadt, da Weston im Glücksspiel eine Goldader gewonnen hat und sie nun dort auf seinen Namen eintragen lassen möchte, bevor sein Spieltischopfer auf den Gedanken kommt, ihn in der Stadt der Falschspielerei zu bezichtigen. Da der Fluß laut Aussage Caulders nicht navigierbar, aber Eile geboten ist, stiehlt Weston Caulder kurzerhand Pferd und Gewehr - was in der Wildnis und angesichts drohender Indianerüberfälle einem Todesurteil gleichkommt -, um sich seine Goldader zu sichern. Caulder, Mark und Kay sind gezwungen, auf dem Floß die Flucht anzutreten, da sie sich nun nicht mehr gegen die Indianer, die es auf die Farm abgesehen haben, verteidigen können - man muß sich dabei allerdings fragen, was ein einziger Mann mit einem Gewehr schon hätte gegen sie ausrichten können. Einmal auf dem Floß, beschließt Caulder nun, in der Stadt Weston gegenüberzutreten und sich für seinen Verrat an ihm zu rächen. Kay hingegen ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Sympathie für Caulder und ihrem Wunsch, den Farmer daran zu hindern, ihrem nichtsnutzigen Verlobten etwas zuleide zu tun.
Preminger schien weniger an den äußerlichen Gefahren interessiert zu sein, die eine Floßreise im Western nun einmal mit sich bringen mußte, und dies sieht man den betreffenden Passagen im Film - etwa den Rückprojektionen - auch deutlich an. Vielmehr hat ihn der menschliche Mikrokosmos zwischen dem Mann, dem Kind und der Frau auf dem Floß fasziniert, von denen jeder seine eigenen Ziele verfolgt. Caulder macht zunächst gar kein Hehl aus seiner Verachtung für die schöne Frau, die im Saloon vor rauhbeinigen Goldgräbern singt und sich mit einem schmierigen Falschspieler eingelassen hat. So warnt er seinen Sohn etwa, indem er ihm sagt, jemand könne sehr schön aussehen und trotzdem nichts taugen, und der kleine Mark, der noch voll dabei ist, sich die Welt durch Fragen zu erschließen, fragt in seiner Naivität Kay, was denn sein Vater mit dieser Aussage gemeint habe. Aber auch dem Sohn wird die unangenehme Wahrheit über seinen Vater - oder vielmehr das, was die öffentliche Meinung als solche ansieht - auf sehr unschöne Art und Weise beigebracht.
Die Symbolik in diesem Film ist bei all dem unschwer zu entziffern: Der titelgebende "Fluß ohne Wiederkehr", auf dem sich diese Reisegesellschaft, eigentlich die Keimzelle einer Familie, bewegt und dessen Fährnisse die drei schließlich zusammenbringen werden, ist ganz einfach als das Leben zu verstehen, das sich ja leichter bewältigen läßt, wenn man Menschen um sich hat, auf die man vertrauen kann. Preminger spielt hier allerdings mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers, denn während der Fluß in den Szenen, in denen die drei Menschen auf dem Floß sind, von links nach rechts fließt, geht seine Strömung in den Rastszenen meist in die umgekehrte Richtung. Gibt es also doch eine Wiederkehr, eine zweite Chance? Für den Witwer Caulder und die Sängerin Kay, die sich zunächst an einen egoistischen Gauner weggeworfen hat, soll dies anscheinend bejaht werden.
Trotz Premingers harter Worte über die Monroe muß ich, der ich beileibe keiner ihrer eingefleischten Fans bin, zugestehen, daß ein großer Teil der Wirkung dieses Filmes sich von ihrer Leinwandpräsenz herleiten läßt. Hiermit meine ich weniger ihr schauspielerisches Können, das ein wenig unter ihrer Neigung zum Overacting leidet, als vielmehr die Gesangseinlagen, die ihr das Drehbuch zugesteht. Besonders das melancholische Lied "One Silver Dollar", das sie mit verheißungsvoll dunkler Stimme singt, während sie in entrückter Pose an einem Pfeiler lehnt und die Gitarrensaiten schlägt, gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten dieses Films. Wer dies einmal gehört und gesehen hat, wird diesen Film und seine zuversichtliche, keinesfalls kryptisch verschlüsselte Botschaft sicher auch einfach nur ... l i e b e n.