Barbara Slawig hat einen SF Roman geschrieben, der seine Handlung ruhig und unspektakulär aus den Personen entwickelt. Es geht um Computerausfälle auf einer Raumstation, die lebende Steine untersucht, die seltsamste Lebensform der bekannten Galaxis. In der ersten Hälfte ist noch ungewiß, ob es sich um Sabotage oder gewöhnliche Computerfehler handelt, später - aber das müssen Sie schon selbst lesen. Der Roman lebt von seinen Figuren und die Figuren leben durch die Fähigkeit der Autorin, Personen durch ihre Handlungen zu charakterisieren. Selbst der Stationskommandant gewinnt ein eigenes Gesicht. Er ist nicht die Person, die man sich als Nachbar wünscht oder die sympathisch wäre - sympathisch zu sein, ist vermutlich das Letzte, das er anstrebt - aber er ist ein Mann mit eigenem Gesicht, nicht der typische Bürokrat und Militärstiefel, als den ihn viele Autoren zeichnen würden. Der Roman erinnert mich an Asimovs SF Krimis. Asimov weiß die Handlung besser voranzutreiben. Was die Charakterisierung der Personen angeht, ohnehin nicht Asimovs starke Seite, kann er Barbara Slawig nicht das Wasser reichen. Mir fällt dazu "Fräuleins Smillas Gespür für Schnee" ein, vielleicht, weil die Hauptperson in Slawigs Roman, eine Schmugglerin, Fräulein Smilla sehr ähnlich ist. Der Roman hat nicht nur mich begeistert. Auf der Rückseite findet sich ein dickes Lob von Andreas Eschbach (Das Jesus Video). Die lebenden Steine von Jargus ist kein typischer SF Roman und er ist auch bei keinem typischen SF Verlag erschienen. Er sitzt zwischen allen Genre Stühlen, bleibt zu hoffen, dass er trotzdem sein Publikum findet.