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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Es schnürt einem die Kehle zu..., 2. Februar 2000
Von Ein Kunde
Der Roman verbindet zwei subjektive Wahrnehmungsperspektiven auf das Dritte Reich: die von Hermann Karnau, Wachmann und Stimmforscher, und die der zwölfjährigen Helga, Tochter von Joseph Goebbels, bis zur Ermordung Helgas und ihrer Geschwister im Führerbunker durch ihre Eltern. Karnau, der Ohrenmensch und Akustiker, erlebt die Vorgänge der Nazi-Zeit seltsam unbeteiligt, wie aus einer wissenschaftlichen Betrachterperspektive, jedoch ohne kritische Objektivität. Ähnlich und doch ganz anders das Mädchen Helga, das zwischen kindlicher Naivität und ahnungsvoller Angst schwankt. Dabei sind die Figuren Karnau und Helga eigentlich nur oberflächlich verbunden, repräsentieren aber füreinander eine spezifische Menschlichkeit. Beyer gelingen dabei beängstigende Schlaglichter auf die Anschauungs- und Gefühlswelt dieser beiden so unterschiedlichen und doch repräsentativen Zeitgenossen, z.B. die seltsam sachliche Wahrnehmung Karnaus, der im Zuge seiner Untersuchungen auch an Menschenversuchen beteiligt ist, oder die innere beängstigte und beklemmte Wahrnehmung der Sportpalastrede Goebbels' durch seine Tochter. Speziell durch die Darstellung Goebbels' als Vaterfigur gewinnt die Gestalt und ihr Handeln vor dem Hintergrund des historischen Bewußtseins des Lesers durch die so erzeugte kognitive Dissonanz an Unheimlichkeit. Jedoch hat der Roman auch Längen, insbesondere bei den für meinen Geschmack zu ostentativ und breit ausgetretenen Schilderungen von Hörvorgängen und deren technischer Konservierung. Diese verlangsamen das Tempo manchmal bis zu Stillstand, ohne das ein inhaltlicher und literarischer Gewinn feststellbar wäre. Doch es lohnt sich durchzuhalten, denn die Schlußkapitel mit den Darstellungen des Lebens und Sterbens im Führerbunker während der letzten Kriegstage sind zweifellos das Beste, Dramatischste, Bedrückendste und Bewegendste des Buches. Insbesondere mit der Schilderung der Tötung der Goebbels-Kinder durch ihre Mutter mttels der von Karnau heimlich durchgeführten Tonaufzeichnung ist ein atemberaubendes Meisterwerk, dessen Verdienst darin besteht, daß die Protagonisten zwar auf der Täterseite stehen, jedoch eher unschuldig-unbeteiligte Beobachter des Geschehens sind und gleichermaßen zu Opfern werden. Die Auflösung manichäischer Täter-Opfer Dialektik mit stets moralischer bis moralisierender Prägung, die so viele literarische Darstellungen des Dritten Reiches beherrscht, läßt das NS-System und ihre Repräsentanten indessen noch grausamer und entmenschter erscheinen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein faszinierendes und unvergleichlich erschütterndes Buch, 24. Oktober 1998
Von Ein Kunde
Es ist überraschend, wie ein noch so junger Autor ein so faszinierendes und unvergleichlich erschütterndes Buch schreiben kann. Die Erinnerung an die Handlung, das nochmalige Nachschlagen bestimmter Passagen, lassen die Augen feucht werden. Die Idee mit dem Fledermaus-Vergleich ist genial, und wie Beyer im Rahmen der Handlung immer wieder die technische Welt der Akustik ins Spiel bringt, ist unglaublich beeindruckend. Der Roman ist sehr gut recherchiert. Flughunde ist eine von historischen Ereignissen geprägte Geschichte. Von Hermann Karnau war Wachmann im Berliner Führerbunker und erster Zeuge für Hitlers Tod bei den Alliierten. Ihm leiht Beyer eine der beiden Erzählerstimmen. Die andere Stimme ist die der achtjährigen Helga, der ältesten Tochter von Goebbels. Von Hermann Karnau verbringt die letzten Tage im Führerbunker, inmitten des Größenwahns der letzten Tage des Dritten Reiches, um die Führerstimme aufzuzeichnen. Im Sommer 1992 findet Karnau im Plattenarchiv die Gespräche der Kinder während der letzten Tage und Nächte wieder ...
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11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beklemmender Eindruck von Authentizität, 7. Februar 2002
Marcel Beyer lässt uns in seinem 1996 veröffentlichten Roman Zeugen einer Entwicklung werden, die mit der Hoffnungslosigkeit der Familie Goebbels, der Vergiftung ihrer sechs Kinder und dem Selbstmord der Eltern im Bunker der zerstörten Reichskanzlei endet. Obwohl der Autor betont, dass es sich um eine Fiktion handelt, entsteht beim Lesen der beklemmende Eindruck von Authentizität. Erzählt wird aus der Perspektive der ältesten Goebbels-Tochter Helga und des Familienfreundes Hermann Karnau, eines Tontechnikers, der Kinder und Hunde liebt, aber Menschen für brutale akustische Experimente missbraucht.Dieter Wunderlich, Autor (u.a. von "Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie")
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