Angelika Overath, eine Wahlschweizerin die in Graubünden lebt, hat nach "Roman in einer Nacht" nun mit dem schmalen Buch "Flughafenfische" einen zweiten Roman geschrieben, der auf der Liste für den Schweizer Buchpreis stand und auch Zugang in die Longlist für den Deutschen Buchpreis fand. Die Autorin nimmt in ihrem neuen Roman einen internationalen Flughafen, eine der größten der Welt, als Ort der Begegnungen vor, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Hier, wo zwischen den Menschen einerseits was Unterwegsein, Aufregung, Flugangst, Erwartungshaltung oder Müdigkeit betrifft eine gewisse Verbundenheit besteht, anderseits höchste Anonymität vorherrscht, lässt sie die Lebenslinien dreier Menschen kreuzen.
In der Transithalle des Flughafengebäudes gibt es ein riesiges Meeresbassin das von einem jungen Mann, Tobias, gehegt und gepflegt wird. Mit dem riesigen Aquarium, mit seinen Fischen aus tropischen Meeren, den Korallenbänken, Seepferdchen und Rochen hat sich Tobias, der die Welt nur aus Filmen und Fernsehen kennt, einen Lebenstraum erfüllt. Er behandelt die Tiere des Aquariums wie seine Kinder, nimmt die Passanten eigentlich gar nicht bewusst wahr.
Elis eine Magazinfotografin, die schon viele Länder der Welt bereist hat muss auf ihren Anschlussflug warten. Sie streift schläfrig durch den Transit, reflektiert über die Anonymität der an ihr vorbei gleitenden Menschenmassen, ein Volk von willentlich Umgeleiteten". Plötzlich steht sie vor dem Meeresaquarium, glaubt zunächst an eine Fata Morgana, bis sie die Echtheit erkennt. Kurze Zeit sieht sie Tobias dabei zu wie der die Scheiben reinigt. Auch er hat die müde Passagierin entdeckt. Elis beginnt den nur "situationsbedingt gesprächigen" in ein Gespräch zu verwickeln. Tobias redet über die Meeresbewohner, Elis erzählt von ihren Reisen in ferne Länder. Und ich habe gar nicht gewusst, dass es so interessant sein könnte, so viel über Fische und Reinigung der Aquarien zu lesen. Als sie dann darüber sinnieren, dass sich Menschen ändern können, entwickelt sich so etwa wie eine heimliche Liebe zwischen den beiden, der Klappentext spricht von einer verschwiegenen Liebe".
Im Raucherfoyer, nicht weit entfernt von den beiden, sitzt zu diesem Zeitpunkt ein alternder Biochemiker, eigentlich Nichtraucher und Antialkoholiker. Er hat ein halb volles Whiskeyglas vor sich stehen, raucht und versucht damit fertig zu werden, dass eine Frau nach dreißig Ehejahren so eben per SMS Schluss gemacht hat. In seinem Rausch aus Alkohol und Nikotin kommt er in seinem ausklingenden ehelichen Selbstgespräch zu der Erkenntnis, dass das Leben tödlich ist".
Wir erleben eigentlich nicht sehr viel in dem Buch. Wir hören viele sehr schöne Geschichten, vom Reisen, vom Beobachten, von Träumen, von gescheiterten Lieben und beginnenden Lieben. Das alles ist in sehr unterschiedlichen Tempi geschrieben. Es ist ein Erlebnis dieses Buch zu lesen, weil es so präzise geschrieben ist, kunstvoll und überhaupt nicht künstliche, dabei entwickelt die poetische Sprache von Angelika Overath eine signifikante Heftigkeit und Unmittelbarkeit, wobei jedes Wort mit glasscherbenscharfer Genauigkeit den beschriebenen Situationen entspricht. Es ist ein Sprachkunstwerk, was die wunderschönen Wortschöpfungen betrifft, kunstvoll gebaut und sprachlich umwerfend.