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Flugasche
 
 
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Flugasche [Taschenbuch]

Monika Maron
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 20 (1. April 1986)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359623784X
  • ISBN-13: 978-3596237845
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 146.169 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Monika Maron
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"... ein bemerkenswertes literarisches Debüt. Weil es in der DDR geschrieben wurde, dort keinen Verleger fand und nun in der Bundesrepublik gedruckt wird? Bemerkenswert ist dieses Buch vor allem in Hinblick auf seine erzählerischen Qualitäten, im Hinblick auf die Perspektive, die es wählt, um Wirklichkeit zur Sprache zu bringen." (Franz Josef Görtz, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Kurzbeschreibung

Flugasche ist keine Metapher. 180 Tonnen davon schleudert das Kohlekraftwerk in B(itterfeld) täglich auf die Stadt und ihre Menschen. Die Reportage der Journalistin Josefa Nadler, die diese Zusammenhänge aufdeckt, darf in der damaligen DDR (1981) nicht erscheinen. Nach dem Verbot verläßt Josefa den Freund, den Kollegenkreis und die große Gemeinschaft der Organisierten. Der andere Teil der Geschichte ist Josefas private Geschichte. Die junge Reporterin schwankt ständig zwischen Sehnsucht nach Geborgenheit und Freiheit und einer immerwährenden Angst vor Einsamkeit und Zwang. Wie leben, daß man sich selbst, seinen Gefühlen und seinen Ansprüchen gerecht wird?

»...ein bemerkenswertes literarisches Debüt. Weil es in der DDR geschrieben wurde, dort keinen Verleger fand und nun in der Bundesrepublik gedruckt wird? Bemerkenswert ist dieses Buch ist vor allem in Hinblick auf seine erzählerischen Qualitäten, im Hinblick auf die Perspektive, die es wählt, um Wirklichkeit zur Sprache zu bringen.«
Franz Josef Görtz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Preise:
Irmgard-Heilmann-Literaturpreis (1990)
Brüder-Grimm-Preis (1991)
Kleist-Preis (1992)
Solothurner Literaturpreis (1994)
Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim (1994)
Buchpreis des Deutschen Verbandes evangelischer Büchereien (1995) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .

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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
...sich aber gleichzeitig auch nach geborgenheit sehnt. die erzählerin hat ihren großvater zwar nie kennengelernt, aber er ist dennoch ihr großes vorbild. "die verrückheit meines großvaters war verlockend. verrückte menschen erschienen mir freier als normale. sie entzogen sich der lästigen bewertung durch ihre mitmenschen, die es bald aufgaben, die verrückten verstehen zu wollen. die sind verrückt, sagten sie und ließen sie in ruhe. bald nach dem entschluß, die verrücktheit meines großvaters geerbt zu haben konnte ich schon die ersten symptome an mir beobachten, die ich aus den erzählungen meiner mutter und tante ida kannte. als ich das erste mal hörte, wie ida meiner mutter zuflüsterte: das muss sie von opa haben, genoß ich meinen erfolg".

die geschichte handelt von einer reportage über die stadt b(itterfeld), die dreckigste stadt europas. die reporterin josefa schwankt zwischen dem gehorsam gegenüber den ddr-funktionären, die eine wohlgefällige geschichte von ihr erwarten und dem drang danach ihre eigenen eindrücke von der fahrt nach bitterfeld zu berichten. in letzterem wird sie unterstützt von ihrer chefin luise und ihrem jugendfreund christian.

parallel zu dieser handlung wird immer wieder über die zerklüftete gefühlswelt der heldin josefa berichtet. sie sehnt sich nach geborgenheit, nach wärme, nach aufmerksamkeit und ist sich doch nicht sicher, ob sie sie auch ertragen könnte, wenn sie sie denn hätte. das thema "wärme" ist nebenbei auch ein ganz reales: josefa heizt mit kohle und muss sie im gegensatz zu ihrer charmanten nachbarin, die das ihre verehrer machen lässt selbst nach oben schleppen. "ich müsste in den keller gehen, kohlen holen. wenn ich am donnerstag komme, ist die wohnung kalt, und ich bin müde. aber das licht im keller brennt nicht und ich graule mich zuweilen.... bis donnerstag ist lang, lass es kalt sein....diese dreimal verfluchte warterei. worauf denn? auf den berühmten märchenprinzen, der klingelt: guten tag, schöne frau, sie fahren morgen nach b und fürchten sich vor der einsamkeit? bitte erweisen sie mir die huld und verfügenüber mich."

gleichzeitig aber eben auch: "ich vergesse langsam, wie es war, als jemand auf mich wartete. es kostet schon mühe, konkretes zu erinnern aus fünf jahren. nachsichtige verklärung breitet sich darüber, manchmal sogar schon der gedanke, es könne so schlimm nicht gewesen sein, wie ich es vor drei jahren empfunden haben muss, als ich mein gelübde ablegte: ich will alleine leben. ich weiss nur, ich wollte das alles nicht mehr gefragt werden: wasdenkstdu, woherkommstdu, wohingehstdu, wannkommstduwieder, warumlachstdu. ich wollte kein siamesischer zwilling sein, der nur zweiköpfig denken kann, viefüßig tanzen, zweistimmig entscheiden und einherzig fühlen. aber emanzipierte frauen frieren nicht, heulen schon gar nicht und das wort sehnsucht haben sie aus ihrem vokabular gestrichen."

ganz nebenbei bietet die geschichte auch noch einen gelungenen einblick in die welt des real-existierenden sozialismus. da wird berichtet von christians vater, der als bürgermeister eines vergesenen provinzdorfes es mit einer mischung aus hinterlist und vorzeige-sozialismus schafft die bürgesteige zu asphaltieren. da geht es um menschen in bitterfeld, die täglich 180 tonnen dreck auf sich rieseln lasen müssen und aus verzweiflung eine vorliebe für strahlendweisse hemden entwickelt haben.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von dreamjastie TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
"Und diese Dünste, die als Wegweiser dienen könnten, bitte gehen Sie geradeaus bis zum Ammoniak, dann links bis zur Salpetersäure. Wenn Sie einen stechenden Schmerz in Hals und Bronchien verspüren, kehren Sie um und rufen den Arzt, das war dann Schwefeldioxyd." Es ist diese unfassbar maßlose Umweltzerstörung, die die Hauptfigur Josefa Nadler in den 70er Jahren in Rage bringt. Sie soll für ein Berliner Wochenmagazin eine nette Reportage über B. abliefern. Doch die Erschütterung über Industrieanlagen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, über die 180 Tonnen Flugasche, die das Kraftwerk täglich über die Stadt schneit, lassen sie das austarierte Taktgefühl vergessen, diese Balance zwischen Schnauzehalten und Sticheln, die einen Zeitungsartikel für die Zensoren gerade noch akzeptabel macht. Sie beschreibt die Dinge, wie sie sind. Die Reportage erscheint nicht, in der Redaktion muss sie zum Spießrutenlauf antreten, sie kündigt schließlich.
Josefa Nadler ist unverkennbar das Alter Ego von Monika Maron. Ihre Wochenpost-Reportagen über B. werden damals gedruckt: "Nicht gelogen, aber auch nicht wahr", beschreibt sie das Dilemma im Roman. Das Unwohlsein bleibt, Mitschuld zu tragen aus Unüberlegtheit, weil man "synthetische Pullover braucht oder eine bestimmte Art von Fliegentöter". Der Roman ist die Untersuchung der Möglichkeit, sich dem sozialistischen Gang zu verweigern ("Sie wollte richtig verstanden werden", nennt sie es), eine Konfrontation, die auch bei Maron zunächst nur im Kopf stattfindet. So erwägt sie als Josefa, zwei Versionen der Geschichte zu schreiben, eine wahre und eine druckbare. Und sie thematisiert die Selbstzensur, die Schere im Kopf, mit der der Realitätssinn herumschnippelt: "Es ist nur ein kurzer Weg von undruckbar zu undenkbar, ... dazwischen liegt nur unaussprechlich."
Das Buch durfte in der DDR (trotz zweier Versuche 1978 und 1988) so wenig erscheinen wie Josefas Reportage. Es erschien 1981 bei S. Fischer in Frankfurt/Main, was Maron in der DDR einigen Ärger einbrachte. Es mag Zufall sein, dass seit 1982 in der DDR alle Umweltdaten streng geheimgehalten wurden. Das Buch jedenfalls wurde ein Erfolg; immerhin gibt es bis heute Nachauflagen.
Das Angenehme an ihrem Roman ist, dass Maron beim Erzählen nicht den Zeigefinger hebt. Sie platziert ihn auf der Wunde, bitter und humorvoll, in einem Buch letzter Wahrheiten, das sich auch heute noch erstaunlich frisch liest und keine DDR-Folklore ist, sondern auch ein Roman über Emanzipation und den unbedingten Willen zur Individualität in einem System der Nivellierung.
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Und es lohnt sich doch ... 28. Dezember 2011
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Monika Marons Roman "Flugasche" gilt als literarischer Kristallisationskeim der Umweltbewegung in der bereits untergehenden DDR. Tatsächlich ist dieser vielschichtige und bewegende Roman wesentlich mehr, nämlich die eindringliche Beschreibung äußerer und innerer Zerrissenheit im Angesicht einer pervertierten Gesellschaft. "Flugasche" ist ohne Übertreibung der Schlüsselroman zum Verständnis des Scheiterns der DDR.

Maron beschreibt den alltäglichen Kampf der (mit autobiographischen Elementen ausgestatteten) Journalistin Josefa Nadler, die für eine Berliner Illustrierte schreibend den Auftrag erhält, das Leben in der Stadt B. zu dokumentieren. Hinter dem Kürzel B. verbirgt die die von Chemiebetrieben zur Industriekloake verwandelte Stadt Bitterfeld. Für Ortskundige ist auch leicht zu entziffern, dass sich hinter dem in der Nähe des Alex angesiedelten Verlagshochhaus die Berliner Zeitung (BZ) verbirgt. Die alleinerziehende Mutter Nadler entschließt sich gegen eine schönfärberische Beschreibung dessen, was sie in B. vorfindet, und beschreibt stattdessen das tatsächliche Elend aus Umweltverpestung und resultierenden Erkrankungen der Kinder in B. Ihr Manuskript findet den Weg auf die Schreibtische der Berliner Betriebs- und Parteikader, nicht aber in die Zeitung. Sie muss sich in Partei- und Betriebsversammlungen rechtfertigen und zieht sich zunehmend in die eigenen vier Wände zurück. Dass sie am Ende keine Zukunft mehr in ihrem Beruf (und ihrer Gesellschaft?) haben wird, ist für den Leser offensichtlich.

Maron beschreibt äußerst eindrücklich zunächst die innere Zerrissenheit Josefa Nadlers, die sich herausbildende Überzeugung das Richtige zu tun bei gleichzeitiger Verzweifelung über zunehmender Vereinzelung und Ausschluß aus der Gesellschaft. Was Maron zu Papier bringt, ist eine Anklageschrift der realsozialistischen Zustände in einer versteinerten Gesellschaft. "Alles, was ich bin, darf ich nicht sein. Vor jedes meiner Attribute setzen sie ein "zu": du bist zu spontan, zu naiv, zu ehrlich, zu schnell im Urteil. Sie fordern mein Verständnis, wo ich nicht verstehen kann; meine Einsicht, wo ich nicht einsehen will, meine Geduld, wo ich vor Ungeduld zittere. Ich soll mir abgewöhnen, ich zu sein. Warum können sie mich nicht gebrauchen, wie ich bin." Gegen Ende des Romans beschreibt Maron den Rückzug ins Private, der so typisch für die späte Phase der DDR Gesellschaft gewesen zu sein scheint. "Damals begann sie, das Doppelleben anderer zu verstehen, wünschte sie selbst, das von ihr gewählte Leben sorgsam zu trennen von dem, das ihr aufgedrängt wurde."

Maron wählte für "Flugasche" ein bemerkenswert zwiespältiges Ende, sie verweigerte ihrer Romanfigur Josefa Nadler ein persönliches Happyend, zugleich endet der Roman aber mit dem politischen Bekenntnis, dass sich das persönliche Engagement am Ende doch lohnt.
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