Neue Zürcher Zeitung
Flugangst muss nicht sein
ege. Nach der weit verbreiteten Angst vor dem öffentlichen Reden zählt Flugangst zu den häufigen Ängsten erwachsener Menschen, wobei die Skala von Unbehagen bis zur Panik reicht. Viele Fluggesellschaften bieten deshalb regelmässig Seminare gegen Flugangst an. Der Erfolgsgrad einer solchen Therapie wird von den Hilfesuchenden unterschiedlich bewertet. Die Erfahrung zeigt, dass sich Flugangst nicht mit einem Patentrezept wegzaubern lässt. Fördern des Vertrauens in die Technik durch Vermittlung von Fachwissen, Methoden zur körperlichen Entspannung sowie individuelle gedankliche Arbeit sind im wesentlichen die drei Ebenen, auf denen Flugangst abgebaut werden kann. Um die Ängste zu überwinden, die sich oft schon lähmend auswirken, lange bevor man dazu verdammt ist, ein Flugzeug zu besteigen, müssen sich Therapiewillige in einem ersten Schritt bewusst werden, wo der Hintergrund oder die Kombination von Faktoren für ihre Angst zu suchen sind. Häufig liegt der Grund in der Angst vor dem Unbekannten. Ein unangenehmes Flugerlebnis kann tiefgreifende Folgen haben, und nicht selten tritt Flugangst bei bisher unbelasteten Passagieren erstmals ein, wenn sie zur Beisetzung eines nahen Verwandten fliegen. Berührungsängste, Klaustrophobie und das Gefühl, ausgeliefert zu sein, können ebenso zur Flugangst beitragen wie zeitlicher Stress vor der Abreise.
Als Ratgeber für Therapeuten und Personen, die unter Flugangst leiden, ist neu ein Buch auf dem deutschsprachigen Markt erschienen, das in leicht verständlicher Form möglichen Ursachen der Flugangst nachgeht, technisches Wissen über Flugzeuge vermittelt und einfach auszuführende Muskelentspannungsübungen vorschlägt, welche überall ausgeführt werden können und auch in anderen Belastungssituationen von Nutzen sind. Die Autorin,* welche Flugangstseminare für Finnair und Austrian Airlines leitet, verbindet die Fallstudien aus ihrer Lehrtätigkeit mit systematisch geordneten Hinweisen, welche praktischen Massnahmen getroffen werden können, um einer Flugreise ihren Schrecken zu nehmen. Dazu beitragen kann allein schon eine umsichtige Reisevorbereitung. Beruhigungsmittel lehnt die Autorin, diplomierte Psychologin und Lehrbeauftragte an der Universität Joensuu in Finnland, als reine Symptombekämpfung ab. Auch steht sie dem Einlullen durch Alkohol im Flugzeug skeptisch gegenüber. Als Ablenkung empfohlen wird hingegen eine gefällige Lektüre oder Spielen.
Ansatzpunkt für die Überwindung der Flugangst ist nach Ansicht von Paula Kinnunen, dass man sich die «Schwäche» erst einmal eingesteht. Nicht ohne Lächeln verwies sie in einem Gespräch darauf, dass sich Flugangst wohl zu gleichen Teilen auf Männer und Frauen verteile, der Anteil an Frauen in ihren Seminarien jedoch 64 Prozent betrage. Die Erfolgsquote ihrer Kurse bezeichnet sie als sehr hoch, wobei es wichtig sei, dass nicht nur das gewonnene Wissen über die technische Sicherheit von Fluggeräten gespeichert werde, sondern auch die gedankliche Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation fortgeführt und die körperlichen Entspannungsübungen als Training beibehalten werden.
Kurzbeschreibung
Dieses Lehr- und Praxisbuch vermittelt ein Verständnis für die Flugangstproblematik und stellt konkrete Methoden zur Kontrolle und Bewältigung dieser spezifischen Angst dar.