Endlich mal eine, die über die Situation eines lesbischen Mädchens in einer wohlgeordneten Mittelschichtsfamilie, kurz vorm Abitur, schreibt - mit all ihren Gefühlsirrungen und -wirrungen!
Wer selbst sein Coming-Out während der Gymnasialzeit erlebt hat, weiß, wovon ich spreche.
Aufhänger ist hier das Neueintreffen einer "Stadtlesbe" in einem "normalen Provinz-Gymnasium". Sie löst bei der Protagonistin Franzi Einiges aus. Doch Franzi ahnt sowieso seit einem Erlebnis mit ihrer besten Freundin Mercedes, daß mit ihr etwas anders ist...
Alles gut und umfassend beschrieben, genau beobachtet, vielschichtig, mit philosophichen Denkansätzen.
Müntefering ist eine Frau, die beobachten und denken kann und auch so schreibt! Und fühlt.
Man kann, muß sich aber nicht eins zu eins mit ihr identifizieren - die Geschichte funktioniert auch so.
Spannern aus dem Hetero-Lager sei gesagt, daß keinerlei explizite Beschreibungen sexueller Praktiken vorkommen.
Müntefering läßt Raum für Phantasie, aber nicht zu viel, zwingt einen auch auf charmante, geschickte Weise zum Nachdenken. Ein kluges Buch, fast ein weises Buch.
Ein dicht gewobenes, niemals langweiliges, aber auch niemals belehrender Roman. Jeder Handlungs- und Seitenstrang wird konsequent immer wieder aufgegriffen.
Es ist ein Buch über Freundschaft, schmerzhaft sich verändernde Beziehungen durch das Erwachsenwerden, sich neu öffnende Horizonte (Streifen von Apricot?).
Abschied vom Kindsein, erstmals Dinge entgegen den Erwartungen anderer tun, einfach, weil man sie tun muß.
Einzig die Sprache enthält manchmal "Klöpse", die mir persönlich etwas zu lässig und betont jugendlich sind (z. B. "sie spannte schon auf dasunddas" - kommt aber selten vor).
Bei der Schlußszene habe ich sogar geweint.
Freundlicher und weiser kann man seine geliebten Mitmenschen nicht aufmuntern.
Aber lest selbst...