Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2006, im September jährte sich der wohl erschütternste Terroranschlag auf die westliche Welt zum fünften Mal. Nüchtern betrachtet könnte man meinen, mittlerweile sei man für die Bilder ein wenig empfänglicher geworden - doch noch immer lösen die Ereignisse um 9/11 Betroffenheit und Bestürzung aus. Mit "Flug 93" erschien in diesem Jahr ein unheimlich überzeugendes, lebensnahes und gleichzeitig so umwerfendes Dokument über das Schicksal der Passagiere an Bord der Maschine 93.
Wenn man an den 11. September zurückdenkt, so tauchen vor dem geistigen Auge zuallerst die rauchenden Zwillingstürme auf, die Flugzeuge, die in diese Türme stürzen, schreiende Menschen - Bilder, die um die Welt gingen. Vielleicht denkt man auch noch an das rauchende Pentagon - doch die vierte abgestürzte Maschine, die in ein Feld in Pennsylvania fiel, gerät ein wenig an den Rand des Geschehens. Noch viel verblüffender und erstaunlicher ist, dass durch das beherzte und mutige Eingreifen der Passagiere und der Crew die Maschine 93 nicht ihr Ziel erreichte - wahrscheinlich das weiße Haus in Washington.
Durch eine raffinierte Kameraführung und die Darstellung der Geschehnisse auf dem Boden - von der Flugüberwachungsbehörde bis hin zum Militär wird mit einer beinahe unangenehmen Spannung gezeigt, wie die Geschehnisse des elften September ihren Lauf nahmen - und irgenwie zittert man innerlich mit und hofft insgeheim darauf, dass die Geschichte anders ausgehen möge...eigentlich irrsinnig. Schon die ersten Sequenzen des Films zeigen dem Zuschauer wie eine böse Vorahnung, was geschehen wird - betende Männer neigen sich gen Osten, murmeln vor sich hin, umarmen sich. Szenewechsel: der Flughafen, an dem die Maschine 93 starten wird. Unheimlich erschütternd auch die Darstellung, als die Passagiere an Bord von den Zwillingstürmen erfahren und die Gewissheit wächst, dass sie nicht mehr lange leben werden.
"Flug 93" basiert auf Berichten von Zeitzeugen, den Aufzeichnungen aus der Blackbox und den Anrufen, die die Passagiere von ihrer Maschine aus an ihre Angehörigen starteten. Natürlich kann man nicht alle Geschehnisse eins zu eins wahrheitsgetreu darstellen - und auch wenn "Flug 93" ein amerikanischer Film ist, so kommt er doch ganz ohne übermäßiges, typisch amerikanische Heldendarstellung aus, geschweige denn Patriotismus. Und es wird auch aufgezeigt, wie hilflos die Behören und die Regierung am Boden den Geschehnissen folgen mussten, vor allem anhand des Beispiels der Bitte um Abschussfreigabe von Seiten des Militärs, die aber nicht zu den befugten Personen durchkommen.
Für diesen Film sollte man sich Zeit nehmen und sich darüber bewusst werden, dass "Flug 93" trotz nun fünf Jahren verstrichener Zeit noch sehr, sehr mitnimmt und emotional bewegt. Die Altersfreigabe ab zwölf Jahren finde ich persönlich vollkommen ungeignet. "Flug 93" ist kein Film, den man sich "einfach mal so" anschauen sollte...dazu ist er meiner Meinung nach nicht geeignet.
Spärlich aber sehr einfühlsam sind auch die Extras - ein Audikommentar des Regisseurs sowie ein 60minütiger Dokumentarfilm, der zeigt, wie sich die Schauspieler mit den Angehörigen der Figur, die sie darstellen sollten, trafen.