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Fluchtversuche: Das Leben des Miro Sabanovic zwischen Familienterror, Bahnhof Zoo und Ausländerbehörde [Broschiert]

Hans Peter Hauschild
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Kurzbeschreibung

Juli 2008
Miro Sabanovic ist elf Jahre alt, als er mit seiner Familie aus dem bosnischen Bürgerkrieg nach Berlin kommt. Das ist 1992. Knapp zehn Jahre später, am 14. August 2001, wird er abgeschoben nach einem Leben auf dem Strich, nach einer typischen Drogenkarriere, nach zahlreichen Jugendstrafen. Es war ein kurzes Leben am Bahnhof Zoo, das er in seiner Abschiebehaft zu Papier gebracht, das sein Betreuer Hans Peter Hauschild zu diesem Buch gemacht hat: Und es entspricht so gar nicht dem Klischee, das Christiane F. und die Kinder vom Bahnhof Zoo vor 30 Jahren geprägt haben. Für Miro ist das Stricherleben nicht das Ende eines langen Abstiegs, sondern die schönste Zeit seines Lebens.In der bosnischen Heimat war Miro von den Eltern zum Dieb erzogen und körperlich misshandelt worden. In Berlin erlebt er so etwas Freiheit und sogar die Zuneigung seiner Freier. Aber einerseits kann er sich auch in Deutschland nicht aus dem Bannkreis der Familie, seiner eigenen kriminellen Laufbahn befreien. Und andererseits er hat seine Rechnung ohne die Ausländerbehörden gemacht.Auch Miros Geschichte ruft Klischeevorstellungen vom Leben der Roma oder vom Verhältnis deutscher Freier zu den Exoten auf dem Fleischmarkt hervor. Doch die Form der «Oral History», so Hans Peter Hauschild in seinem ausführlichen Nachwort, gelangt zu einer differenzierten Sicht auf das Einzelne jenseits von Klischees und Vorurteilen:"Miros Jungenleben ist randvoll mit extremen humanitären Härten, die bei ihrer bloßen Nennung eigentlich jedes Herz zum Schmelzen bringen müssten. Dass er dennoch keine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bekam, liegt auch an den Härten, die er selbst seinen Mitmenschen zufügt. Denn Miro, das Opfer, ist bei Gott kein Engel, sondern eine Zumutung, eine Frechheit auf zwei Beinen."

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Produktinformation

  • Broschiert: 196 Seiten
  • Verlag: Männerschwarm; Auflage: 1., Aufl. (Juli 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3939542326
  • ISBN-13: 978-3939542322
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 12,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 513.870 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

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"Härtefall"-Betreuer Hans Peter Hauschild notierte die Fakten des jungen Lebens von Miro Sabanovic. Dass dies nicht der richtige Name des Jungen ist, ist angesichts des Schicksals und der Schilderungen verständlich. Zu Beginn des Buches steht ein handschriftlicher Brief von Miro, den er im Gerichtssaal vorlas: "... Seit meinen siebenten Lebensjahr wurde ich geschlagen, mishandelt und gekwelt und musste alles tun was mier meine Eltern gesagt haben. Ich wurde schon 2 mal von meinen Eltern verbrant weil ich nicht klaun wollte und von zuhause abgehaun bin."

Hauschild hat die von Miro diktierten Erlebnisse lesbar gemacht und unzensiert niedergeschrieben, als er ihn durch sein Engagement in der Flüchtlingsarbeit von Pax Christi betreute. Er war beauftragt, Miro Hoffnung auf einen legalen Aufenthalt in Berlin zu machen. 1992 ist Miro mit seinen acht Geschwistern und Eltern in Berlin angekommen. Eine Roma-Familie mit bosnischer Staatsangehörigkeit. Die Eltern wurden durch ihre Kinder reich. Sie beuteten sie aus. Konflikte wurden mit roher Gewalt und Messerstechereien bereinigt.

Ein Fluchtversuch Miros vor seinen Eltern mündet am Bahnhof Zoo. Er findet dort Freier, die einen Ausweg aus der gefährlichen Klauerei bieten. Miro selbst ist schwul. Er findet trotz Strich Zuneigung und Fürsorge, aber auch den Weg in die Drogensucht. Im August 2001 wurde Miro Sabanovic abgeschoben.

Die Hälfte seiner Zeit in Deutschland verbrachte Miro im Gefängnis. Er lernte lesen und schreiben. Was von ihm bleibt, ist ein erschütterndes, aber nüchtern erzähltes Einzelschicksal, welches der Kulturwissenschaftler Hans Peter Hauschild auf Wunsch zugänglich macht und zugleich in einem Nachwort zur "Horizonterweiterung" nutzt. --Mathias Mahler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Hans Peter Hauschild wurde 1954 geboren, engagierte sich als Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe und in der Flüchtlingsarbeit von «Pax Christi». Der Kulturwissenschaftler starb im August 2003 an den Folgen von Aids. Postum erschien seine Streitschrift «FleischesTheologie. Bemerkungen zum In-Eins von Religion und Erotik».

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5.0 von 5 Sternen Sehr lesenswert, Nachwort kritisch lesen 22. Oktober 2008
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Wer die Hölle auf Erden erlebt, fühlt sich sicherlich auch bei Freiern geborgen. Miro Sabanovic wurde von den Eltern geschlagen, schwer misshandelt, wenn er nicht genug Geld vom Stehlen mit nach Hause brachte oder wenn er weglief und wiedergefunden wurde. Miro Sabanovic erlebte Schläge und Tritte der Polizei im zerfallenden Jugoslawien, aber auch - wenn auch seltener - von deutschen PolizistInnen. Von zu Hause weggelaufen geht er auf den Berliner Strich - ab einem Alter von 12 Jahren. Freier findet er am Bahnhof Zoo und in Berliner Clubs (er führt auf: "Datscha", "Pinocchio", "Tabasco", "Eldorado", "Filou"). Tatsächlich findet er bei Freiern Zuneigung, aber vielen Freiern geht es schlicht um Sex. Auch wird Miro Sabanovic dafür dass er anschaffen geht noch schwerer von den Eltern misshandelt: Rücken und Hintern werden mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet und erst nach schweren Verletzungen das Feuer wieder gelöscht.
Das Buch ist sehr lesenswert, insbesondere die Tagebuchaufzeichnungen Miro Sabanovics. Die unreflektierte Hochbewertung von Freiern, wie sie auf dem Buchrücken und im Nachwort geschehen, verkennt aber das Machtgefüge in dem Kinder sich prostituieren müssen, um Geld zu verdienen, dem Stehlen zu entgehen oder den Schlägen der Eltern zu entkommen. Ebenso wird damit die Machtstellung der Freier und ggf. der Zuhälter der Kinder verkannt.
Daher ist das Nachwort kritisch zu lesen, es schmälert aber nicht den lesenswerten autobiographischen Lebensbericht Miro Sabanovics.
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