Kurzbeschreibung
Für Kenner der modernen Literatur ist Joseph Brodsky nicht erst seit der Verleihung des Nobelpreises auch einer der bedeutendsten Essayisten der Gegenwart. Anna Achmatowa und Marina Zwetajewa, Mandelstam, Auden, Kavafis und Montale sind einige der herausragenden Gestalten, denen seine interpretatorische Liebe gilt. Es kann nicht verwundern, daß er sie auch zu sich in Beziehung setzt: Einigen von ihnen ist er noch persönlich begegnet, andere haben mittelbar auf ihn gewirkt. Diese Fähigkeit, sich an anderen durch einen intensiven Dialog zu messen, erreicht ihren Höhepunkt in dem Titel-Essay
Flucht aus Byzanz: Auf den Spuren Konstantins, dessen Fußstapfen folgend, gelingt es ihm mit fast übermütiger Leichtigkeit, Entwicklung und Veränderung gegensätzlicher religiöser, politischer und philosophischer Sehweisen und deren Ursachen sichtbar zu machen.
Klappentext
Das Leben in einer Gesellschaft, in der die Kunst im allgemeinen und die Literatur im besonderen Privileg einer Minderheit sind, erscheint mir ungesund und gefährlich. Ich plädiere nicht für die Ersetzung des Staates durch eine Bibliothek, obwohl ich gelegentlich mit solchen Gedanken gespielt habe, aber ich zweifle nicht daran, daß das Leben auf der Erde besser bestellt wäre, wenn wir unsere Führer aufgrund ihrer Lektüre gewählt hätten und nicht aufgrund ihres politischen Programms. Die potentiellen Lenker unserer Geschicke sollten anstatt über den künftigen Kurs ihrer Außenpolitik über ihr Verhältnis zu Stendhal, Dickens und Dostojewskij befragt werden. Da das A und 0 der Literatur aus menschlicher Diversität und Perversität besteht, erweist sie sich als zuverlässiges Gegengift gegen jeden bekannten oder noch unbekannten Versuch, die Probleme der menschlichen Existenz auf massenhafte und totalitäre Weise zu lösen. Als moralische Rückversicherung ist die Literatur zuverlässiger als ein Glaubenssystem oder eine philosophische Doktrin.
Joseph Brodsky
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