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Flucht: Kay Scarpettas zweiter Fall (HB Belletristik) [Audiobook] [Audio CD]

Patricia Cornwell , Thomas A. Merk
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (72 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Klappentext

"Patricia Cornwell gelingt es, enorme Spannung aufzubauen: indem sie ihre Figuren subtil charakterisiert, indem sie tief in deren Psyche eindringt."
Rheinische Post

"Glücklicherweise ruht Patricia Cornwell sich auf ihren Lorbeeren nicht aus. Im Gegenteil: Sie wird immer besser."
Für Sie -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, arbeitete als Polizeireporterin in der Rechtsmedizin, bevor sie mit ihrem ersten bahnbrechenden Thriller um die Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta die Bestsellerlisten stürmte. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin war sie dann unter anderem als Leiterin der Abteilung für Angewandte Forensik an der National Forensic Academy der University of Tennessee tätig. Patricia Cornwells hochspannende und bis ins kleinste Detail recherchierte Bücher wurden mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet und erobern nach wie vor regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Key West, 13. August

An M.:

Dreißig Tage sind nun vergangen, voller Sonne, hellen Farben und launischem Wind. Ich denke zu viel nach und träume nicht. Die Nachmittage verbringe ich meistens in Louies Kneipe, schreibe auf der Veranda und schaue aufs Meer hinaus. Das Wasser ist smaragdgrüngefleckt über dem Mosaik der Sandbänke und ultramarinblau, wo es tiefer wird. Der Himmel ist unendlich weit, und weiße Wolkenbälle ziehen wie Rauchwölkchen dahin. Der beständige Wind läßt die Geräusche von Badenden und Segelbooten verschwimmen, die kurz hinter dem Riff vor Anker liegen. Die Veranda ist überdacht, und wenn sich ein plötzlicher Sturm zusammenbraut, was häufig am Spätnachmittag der Fall ist, bleibe ich an meinem Tisch, rieche den Regen und schaue zu, wie er das Wasser aufrauht wie gegen den Strich gebürstetes Fell. Manchmal gießt es, während gleichzeitig die Sonne scheint.
Niemand belästigt mich hier. Mittlerweile bin ich ein Mitglied der Familie des Restaurants, so wie Zulu, der schwarze Neufundländer, der Frisbees hinterher planscht, und die herumstreunenden Katzen, die leise herankommen und höflich auf Reste warten. Louies vierbeinige Pfleglinge essen besser als seine menschlichen. Es tut gut zu sehen, wie die Welt ihre Geschöpfe freundlich behandelt. Ich kann mich über meine Tage hier nicht beklagen.

Es sind die Nächte, vor denen ich mich fürchte.
Wenn meine Gedanken in dunkle Spalten zurückkriechen und ihre furchterregenden Netze spinnen, werfe ich mich in die überfüllten Straßen der Altstadt, von lärmenden Bars angezogen wie eine Motte vom Licht. Walt und P. J. haben meine nächtlichen Gewohnheiten zu einer Kunst hochstilisiert. Walt kommt als erster ins Haus zurück, in der Abenddämmerung, weil mit seinem Silberschmuck am Mallory Square nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr läuft. Wir machen ein paar Flaschen Bier auf und warten auf P. J. Dann gehen wir aus, in eine Bar nach der anderen, und landen normalerweise bei Sloppy Joe. Wir werden langsam unzertrennlich. Ich hoffe, daß die beiden für immer unzertrennlich bleiben werden. Ihre Liebe erscheint mir nicht mehr länger ungewöhnlich. Nichts erscheint mir mehr so, außer dem Tod, den ich erblicke.
Ich sehe Männer, ausgezehrt und bleich. Ihre Augen sind Fenster, durch die ich gequälte Seelen entdecke. Aids verschlingt wie ein Moloch die Opfergaben dieser kleinen Insel. Komisch, daß ich mich bei den Ausgestoßenen und Sterbenden zu Hause fühle. Es könnte gut sein, daß sie mich alle überleben. Wenn ich nachts wach liege und dem Surren des Ventilators am Fenster lausche, drängen sich mir Bilder auf. Bilder davon, wie es geschehen wird.
Immer, wenn ich ein Telefon klingeln höre, erinnere ich mich daran. Jedesmal, wenn ich jemanden hinter mir gehen höre, drehe ich mich um. Nachts schaue ich in den Schrank, hinter den Vorhang und unters Bett. Dann klemme ich einen Stuhl unter die Türklinke.
Lieber Gott, ich will nicht nach Hause.
Beryl

Key West, 30. September

An M.:

Gestern bei Louie kam Brent heraus auf die Veranda und sagte, daß jemand für mich am Telefon sei. Mein Herz klopfte wie wild. Ich ging hinein, aber ich hörte nichts als ein Rauschen, wie bei einem Ferngespräch. Dann war die Leitung plötzlich tot.
Mein Gott, wie fühlte ich mich danach! Ich redete mir ein, daß es nichts weiter als mein Verfolgungswahn sei. Er hätte bestimmt etwas gesagt und sich an meiner Angst geweidet. Es ist unmöglich, daß er weiß, wo ich bin, ausgeschlossen, daß er mich hier aufgespürt hat. Einer der Kellner heißt Stu. Er hat sich kürzlich von einem Freund oben im Norden getrennt und ist hierher gekommen. Vielleicht hat dieser Freund angerufen, und weil die Verbindung schlecht war, klang es so, als habe er»Straw« verlangt anstatt »Stu«. Als ich dann am Telefon war, hat er aufgelegt. Ich wünschte, ich hätte niemandem meinen Spitznamen gesagt. Ich bin Beryl. Ich bin Straw. Ich habe Angst.
Das Buch ist noch nicht fertig. Aber ich habe fast kein Geld mehr, und das Wetter ist umgeschlagen. Heute morgen ist es finster draußen, und es weht ein starker Wind. Ich bin in meinem Zimmer geblieben, denn wenn ich versucht hätte, bei Louie zu arbeiten, hätte es mir die Seiten aufs Meer hinausgeblasen. Die Straßenlaternen brennen schon. Palmen kämpfen mit dem Wind, ihre Wedel sehen aus wie umgestülpte Regenschirme. Die Welt stöhnt vor meinem Fenster wie ein verwundetes Tier, und wenn der Regen an die Scheibe trommelt, klingt es, als ob eine dunkle Armee einmarschiert wäre und nun Key West belagerte.
Bald muß ich fort von hier. Ich werde diese Insel vermissen. Ich werde P. J. und Walt vermissen. Bei ihnen habe ich mich beschützt, sicher und umsorgt gefühlt. Ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn ich zurück nach Richmond komme. Vielleicht sollte ich sofort umziehen, aber ich weiß nicht, wohin.

Beryl

Ich legte die Briefe aus Key West in den Aktendeckel aus braunem Papier zurück, packte ein Paar weiße Baumwollhandschuhe in meine schwarze Arzttasche und fuhr mit dem Aufzug ein Stockwerk hinunter zur Leichenhalle. Der gekachelte Gang war feucht, der Autopsieraum verlassen und zugesperrt. Schräg gegenüber dem Aufzug lag der Kühlraum aus Edelstahl, und als ich seine massive Tür öffnete, begrüßte mich der vertraute Schwall kalter, verdorben riechender Luft. Ich mußte nicht erst die Zettel an den Zehen überprüfen. Die Rollbahre, die ich suchte, erkannte ich ohne Mühe an dem schlanken Fuß, der unter einem weißen Laken hervorschaute. Ich kannte jeden Zoll von Beryl Madison.
Rauchblaue Augen starrten mich glanzlos aus halbgeöffneten Lidern an, das Gesicht war schlaff und von bleichen, offenen Schnitten entstellt, die meisten davon befanden sich auf der linken Seite. Ihr Hals klaffte bis zur Wirbelsäule auf, alle Muskeln unterhalb des Zungenbeins waren durchtrennt worden. Neun eng beieinanderliegende Stichwunden auf dem linken Thorax und Busen standen offen wie große, rote Knopflöcher und lagen fast genau untereinander. Sie waren ihr in rascher Folge mit so brutaler Kraft beigefügt worden, daß auf ihrer Haut noch die Abdrücke des Griffes zu sehen waren. Die Schnitte an ihren Unterarmen und Händen maßen zwischen acht Millimeter und elf Zentimeter in der Länge. Zusammen mit den zwei Wunden an ihrem Rücken, aber ohne die Stichwunden und ihre durchschnittene Kehle, waren ihr 27 Schnittverletzungen zugefügt worden, während sie versucht hatte, die Angriffe einer langen scharfen Klinge abzuwehren.
Ich brauchte keine Fotografien oder Körperdiagramme.
Wenn ich meine Augen schloß, konnte ich Beryl Madisons Gesicht, konnte die ihrem Körper zugefügte Gewalt in allen abscheulichen Einzelheiten sehen. Ihre linke Lunge wies vier Einstiche auf. Ihre Halsschlagadern waren beinahe vollständig durchschnitten, Aortabogen, Lungenarterie, Herz und Herzbeutel verletzt worden. Sie war praktisch schon tot gewesen, als der Verrückte sie auch noch fast enthauptet hatte.
Ich versuchte, mir einen Reim auf die Sache zu machen. Jemand hatte gedroht, sie zu ermorden. Sie floh nach Key West. War wie von Sinnen vor Angst. Sie wollte nicht sterben. Und trotzdem passierte es noch in derselben Nacht, in der sie nach Richmond zurückgekehrt war.
Warum hast du ihn ins Haus gelassen? Warum, um Himmels willen, hast du das getan?
Ich zog das Laken wieder gerade und schob die Rollbahre zurück an die Rückwand des Kühlschrankes zu den anderen Leichen. Morgen um diese Zeit würde ihr Körper verbrannt und ihre Asche auf dem Weg nach Kalifornien sein. Beryl Madison wäre in diesem Monat 34 Jahre alt geworden. Sie hatte keine lebenden Verwandten, niemanden auf der ganzen Welt, wie es schien, außer einer Halbschwester in Fresno. Die schwere Tür schloß sich mit einem schmatzenden Geräusch.
Der Teer auf dem Parkplatz hinter dem Büro des Chief Medical Examiners lag warm und fest unter meinen Füßen, und ich roch die Kreosotdünste,... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Key West, 13. August

An M.:

Dreißig Tage sind nun vergangen, voller Sonne, hellen Farben und launischem Wind. Ich denke zu viel nach und träume nicht. Die Nachmittage verbringe ich meistens in Louies Kneipe, schreibe auf der Veranda und schaue aufs Meer hinaus. Das Wasser ist smaragdgrüngefleckt über dem Mosaik der Sandbänke und ultramarinblau, wo es tiefer wird. Der Himmel ist unendlich weit, und weiße Wolkenbälle ziehen wie Rauchwölkchen dahin. Der beständige Wind läßt die Geräusche von Badenden und Segelbooten verschwimmen, die kurz hinter dem Riff vor Anker liegen. Die Veranda ist überdacht, und wenn sich ein plötzlicher Sturm zusammenbraut, was häufig am Spätnachmittag der Fall ist, bleibe ich an meinem Tisch, rieche den Regen und schaue zu, wie er das Wasser aufrauht wie gegen den Strich gebürstetes Fell. Manchmal gießt es, während gleichzeitig die Sonne scheint.
Niemand belästigt mich hier. Mittlerweile bin ich ein Mitglied der Familie des Restaurants, so wie Zulu, der schwarze Neufundländer, der Frisbees hinterher planscht, und die herumstreunenden Katzen, die leise herankommen und höflich auf Reste warten. Louies vierbeinige Pfleglinge essen besser als seine menschlichen. Es tut gut zu sehen, wie die Welt ihre Geschöpfe freundlich behandelt. Ich kann mich über meine Tage hier nicht beklagen.

Es sind die Nächte, vor denen ich mich fürchte.
Wenn meine Gedanken in dunkle Spalten zurückkriechen und ihre furchterregenden Netze spinnen, werfe ich mich in die überfüllten Straßen der Altstadt, von lärmenden Bars angezogen wie eine Motte vom Licht. Walt und P. J. haben meine nächtlichen Gewohnheiten zu einer Kunst hochstilisiert. Walt kommt als erster ins Haus zurück, in der Abenddämmerung, weil mit seinem Silberschmuck am Mallory Square nach Einbruch der Dunkelheit nichts mehr läuft. Wir machen ein paar Flaschen Bier auf und warten auf P. J. Dann gehen wir aus, in eine Bar nach der anderen, und landen normalerweise bei Sloppy Joe. Wir werden langsam unzertrennlich. Ich hoffe, daß die beiden für immer unzertrennlich bleiben werden. Ihre Liebe erscheint mir nicht mehr länger ungewöhnlich. Nichts erscheint mir mehr so, außer dem Tod, den ich erblicke.
Ich sehe Männer, ausgezehrt und bleich. Ihre Augen sind Fenster, durch die ich gequälte Seelen entdecke. Aids verschlingt wie ein Moloch die Opfergaben dieser kleinen Insel. Komisch, daß ich mich bei den Ausgestoßenen und Sterbenden zu Hause fühle. Es könnte gut sein, daß sie mich alle überleben. Wenn ich nachts wach liege und dem Surren des Ventilators am Fenster lausche, drängen sich mir Bilder auf. Bilder davon, wie es geschehen wird.
Immer, wenn ich ein Telefon klingeln höre, erinnere ich mich daran. Jedesmal, wenn ich jemanden hinter mir gehen höre, drehe ich mich um. Nachts schaue ich in den Schrank, hinter den Vorhang und unters Bett. Dann klemme ich einen Stuhl unter die Türklinke.
Lieber Gott, ich will nicht nach Hause.
Beryl

Key West, 30. September

An M.:

Gestern bei Louie kam Brent heraus auf die Veranda und sagte, daß jemand für mich am Telefon sei. Mein Herz klopfte wie wild. Ich ging hinein, aber ich hörte nichts als ein Rauschen, wie bei einem Ferngespräch. Dann war die Leitung plötzlich tot.
Mein Gott, wie fühlte ich mich danach! Ich redete mir ein, daß es nichts weiter als mein Verfolgungswahn sei. Er hätte bestimmt etwas gesagt und sich an meiner Angst geweidet. Es ist unmöglich, daß er weiß, wo ich bin, ausgeschlossen, daß er mich hier aufgespürt hat. Einer der Kellner heißt Stu. Er hat sich kürzlich von einem Freund oben im Norden getrennt und ist hierher gekommen. Vielleicht hat dieser Freund angerufen, und weil die Verbindung schlecht war, klang es so, als habe er»Straw« verlangt anstatt »Stu«. Als ich dann am Telefon war, hat er aufgelegt. Ich wünschte, ich hätte niemandem meinen Spitznamen gesagt. Ich bin Beryl. Ich bin Straw. Ich habe Angst.
Das Buch ist noch nicht fertig. Aber ich habe fast kein Geld mehr, und das Wetter ist umgeschlagen. Heute morgen ist es finster draußen, und es weht ein starker Wind. Ich bin in meinem Zimmer geblieben, denn wenn ich versucht hätte, bei Louie zu arbeiten, hätte es mir die Seiten aufs Meer hinausgeblasen. Die Straßenlaternen brennen schon. Palmen kämpfen mit dem Wind, ihre Wedel sehen aus wie umgestülpte Regenschirme. Die Welt stöhnt vor meinem Fenster wie ein verwundetes Tier, und wenn der Regen an die Scheibe trommelt, klingt es, als ob eine dunkle Armee einmarschiert wäre und nun Key West belagerte.
Bald muß ich fort von hier. Ich werde diese Insel vermissen. Ich werde P. J. und Walt vermissen. Bei ihnen habe ich mich beschützt, sicher und umsorgt gefühlt. Ich weiß nicht, was ich tun werde, wenn ich zurück nach Richmond komme. Vielleicht sollte ich sofort umziehen, aber ich weiß nicht, wohin.

Beryl

Ich legte die Briefe aus Key West in den Aktendeckel aus braunem Papier zurück, packte ein Paar weiße Baumwollhandschuhe in meine schwarze Arzttasche und fuhr mit dem Aufzug ein Stockwerk hinunter zur Leichenhalle. Der gekachelte Gang war feucht, der Autopsieraum verlassen und zugesperrt. Schräg gegenüber dem Aufzug lag der Kühlraum aus Edelstahl, und als ich seine massive Tür öffnete, begrüßte mich der vertraute Schwall kalter, verdorben riechender Luft. Ich mußte nicht erst die Zettel an den Zehen überprüfen. Die Rollbahre, die ich suchte, erkannte ich ohne Mühe an dem schlanken Fuß, der unter einem weißen Laken hervorschaute. Ich kannte jeden Zoll von Beryl Madison.
Rauchblaue Augen starrten mich glanzlos aus halbgeöffneten Lidern an, das Gesicht war schlaff und von bleichen, offenen Schnitten entstellt, die meisten davon befanden sich auf der linken Seite. Ihr Hals klaffte bis zur Wirbelsäule auf, alle Muskeln unterhalb des Zungenbeins waren durchtrennt worden. Neun eng beieinanderliegende Stichwunden auf dem linken Thorax und Busen standen offen wie große, rote Knopflöcher und lagen fast genau untereinander. Sie waren ihr in rascher Folge mit so brutaler Kraft beigefügt worden, daß auf ihrer Haut noch die Abdrücke des Griffes zu sehen waren. Die Schnitte an ihren Unterarmen und Händen maßen zwischen acht Millimeter und elf Zentimeter in der Länge. Zusammen mit den zwei Wunden an ihrem Rücken, aber ohne die Stichwunden und ihre durchschnittene Kehle, waren ihr 27 Schnittverletzungen zugefügt worden, während sie versucht hatte, die Angriffe einer langen scharfen Klinge abzuwehren.
Ich brauchte keine Fotografien oder Körperdiagramme.
Wenn ich meine Augen schloß, konnte ich Beryl Madisons Gesicht, konnte die ihrem Körper zugefügte Gewalt in allen abscheulichen Einzelheiten sehen. Ihre linke Lunge wies vier Einstiche auf. Ihre Halsschlagadern waren beinahe vollständig durchschnitten, Aortabogen, Lungenarterie, Herz und Herzbeutel verletzt worden. Sie war praktisch schon tot gewesen, als der Verrückte sie auch noch fast enthauptet hatte.
Ich versuchte, mir einen Reim auf die Sache zu machen. Jemand hatte gedroht, sie zu ermorden. Sie floh nach Key West. War wie von Sinnen vor Angst. Sie wollte nicht sterben. Und trotzdem passierte es noch in derselben Nacht, in der sie nach Richmond zurückgekehrt war.
Warum hast du ihn ins Haus gelassen? Warum, um Himmels willen, hast du das getan?
Ich zog das Laken wieder gerade und schob die Rollbahre zurück an die Rückwand des Kühlschrankes zu den anderen Leichen. Morgen um diese Zeit würde ihr Körper verbrannt und ihre Asche auf dem Weg nach Kalifornien sein. Beryl Madison wäre in diesem Monat 34 Jahre alt geworden. Sie hatte keine lebenden Verwandten, niemanden auf der ganzen Welt, wie es schien, außer einer Halbschwester in Fresno. Die schwere Tür schloß sich mit einem schmatzenden Geräusch.
Der Teer auf dem Parkplatz hinter dem Büro des Chief Medical Examiners lag warm und fest unter meinen Füßen, und ich roch die Kreosotdünste, die die für diese Jahreszeit ungewöhnlich warme Sonne von den Eisenbahnviadukten in der... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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