"Ich schätze mich glücklich, wenn Sie darin die Gesetze des Schicksals erkennen, die ich im Laufe meines bisherigen Lebens entdeckt habe, und wenn es Ihnen zum Wegweiser für ein gelungenes Leben wird." Mit "darin" meint Shiroh Tenge in seinem Vorwort die verblüffenden Wahrheiten. Mich verblüffte, dass der ehemalige Vizedirektor von Sony glaubt, solche Wahrheiten würden sich durch ein Buch auf andere Menschen übertragen lassen. Zumal er vom Vorwort bis zum Schluss auch immer wieder durchblicken lässt, dass es die eigenen Lebensgeschichten sind, die einen Menschen prägen und damit sein Verhalten bestimmen. Seine 26 Spielregeln leuchten zwar ein, geben uralte Weisheiten in neuer Form wieder und machen sicher gelassener, wenn man sie einhält. Aber Einsicht allein genügt leider nicht, um neue Spielregeln zu beachten. Entweder geschieht dies unter Druck oder durch persönliche Erlebnisse. Das jedenfalls ist mein Credo. Sind solche Weisheitsbücher deshalb sinnlos? Nein, sind sie nicht. Aber als Leser darf man nicht erwarten, man würde sich durch die Lektüre nachhaltig verändern. Möglich ist jedoch, dass ständige Wiederholungen mit der Zeit Spuren hinterlassen. Und löst man sich von der Vorstellung, Shiroh Tenge könne Wunder bewirken, kann man seine Weisheiten einfach als frohe Botschaft annehmen. Religionen verfahren ja auch nach diesem Prinzip.
Besonders interessant ist diese Buch natürlich, weil sein Autor lange Zeit an der Spitze eines Weltkonzerns war. Daher bekommt man als Leser einen Einblick in eine Unternehmenskultur, die wir bei uns nicht kennen. Ich las das Buch auch weniger unter dem Aspekt, was ich persönlich von Shiroh Tenge lernen kann, sondern wie er mit seiner Philosophie in einer globalisierten und vom Gewinnstreben durchdrungenen Wirtschaftswelt zurechtkommt. Ganz verstanden habe ich es allerdings nicht. Irgendwie scheint die Kluft allzu gross, da ich keine persönlichen Berührungspunkte mit der asiatischen Welt habe.
Mein Fazit: Auch wenn ich nicht alle Gedanken des Autors nachvollziehen konnte, hat mir die Lektüre gut getan. Denn Shiroh Tenges Spielregeln und seine Erläuterungen dazu scheinen meinen Glauben zu bestätigen, dass das Wesentliche des Menschseins universal ist. Auch die Erkenntnis, dass letztlich jeder seine Erfahrungen irgendwie in sein Leben einbetten muss, um den inneren Frieden zu finden.