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Produktinformation
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Kleine alte Welt Florenz
Bernd Roeck auf den Spuren der Sucher
Ein Buch über das Florenz der forestieri nicht der Reisenden, aber auch nicht der Florentiner; sondern der ausländischen Künstler und Schriftsteller, Kunsthistoriker, -kenner und -händler, die sich während kürzerer oder längerer Zeit in der Stadt oder in ihrer Umgebung aufhielten: einer Exil-Gesellschaft, von der Bernd Roeck feststellt, sie habe ein Leben «fernab der sozialen Realität» geführt. Ein Stück Kulturgeschichte des ausgehenden neunzehnten und des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts; und weitgehend auch ein Stück Geschichte des geistigen Luxus: dessen Reize der Autor zu schätzen weiss, ohne ihm zu verfallen; er selbst verliert den Hintergrund der sozialen Wirklichkeit nicht aus den Augen, er weist auf die Bedeutung der wirtschaftlich-politischen Krisen jener Zeit hin und misst an ihnen die unkundigen, flüchtigen Wahrnehmungen der Gäste.
Aby und Mary Warburg dienen als Leitpersonen der Darstellung; wobei der Kultur- und Kunsthistoriker Warburg nicht einfach als «typisch» für jenen Kreis gelten kann; in seiner Konzentration auf Archiv- und Bibliotheksarbeit und in seinem schweren Bemühen um die Formulierung ihrer Ergebnisse war er ein Aussenseiter der schöngeistigen und beinahe auch der akademischen Welt; und seine Phobien und Depressionen machten ihn zu einem schwierigen Partner. Seine Aufzeichnungen und Briefe der Florentiner Jahre profilieren sich nicht zuletzt dadurch, dass er fast niemanden mochte. Mary, seine hanseatische Gattin, repräsentiert eher die gängige Begeisterung für ein «arkadisches» Leben in schöner Landschaft und in komfortabler Distanz von der einheimischen Staffage.
Als Kontrastfigur zu Warburg könnte Robert Davidsohn gelten, der Verfasser einer Geschichte von Florenz, die 1896 zu erscheinen begann und jahrzehntelang massgeblich geblieben ist; einer der seltenen deutschen Gelehrten, die den Anschluss an die italienische Gesellschaft suchten und fanden. Für die ausländischen Kunsthändler und -sammler ergaben sich berufliche Kontakte zu Honoratioren der Stadt: Verbindungen, die für beide Seiten zumeist auf Geschäftsinteressen beschränkt blieben. Bernard Berenson, «die Ikone unter den Florentiner Kunsthändlern», wie Roeck ihn nennt, Hausherr der Villa «I Tatti» bei Fiesole, wo er zwei Weltkriege überlebt hat, war eine internationale Berühmtheit, ein bedeutender Kenner der italienischen Malerei, nicht aber Italiens.
Zwei Künstler treten aus der kosmopolitischen Gästeschaft der «Arnostadt» hervor: Arnold Böcklin, der Schweizer Maler, und Adolf von Hildebrand, der deutsche Bildhauer; der Erste am Ziel seiner Laufbahn, der Zweite noch unterwegs. Für sie gelten andere Massstäbe als für die Sucher und, in den günstigeren Fällen, Geniesser eines «Arkadien», das ihnen durch die Kunst-Vergangenheit und eine idealisierte Landschafts-Gegenwart vermittelt wird. Roeck konzentriert sich aber, und mit Recht, nicht auf die grossen Ausnahmen; er leuchtet sein Personal gleichmässig aus und gestaltet ein Gruppenbild, das seine Farben gerade auch den Trägerinnen und Trägern von Nebenrollen verdankt. Farben zum Teil, auf die man gefasst sein konnte; wenn Henry James einen Maler auf seinem Stadtrundgang sagen lässt: «Wir leben am Abend der Zeit», fällt er nicht aus dem Text seiner wohlsituierten Trübsal. Isolde Kurz dagegen, Trivialautorin und als solche längst erkannt, überrascht durch akkurate Beobachtungen, und wenn sie später feststellen wird: «In der Stille dieser Stadt lebte der Deutsche wie auf einer Geisterinsel», nimmt sie etwas vorweg, das auch der Verfasser uns zeigen will.
Im Anschluss an ein tief empfundenes Stimmungsbild von Lilian Whiting («The Florence of Landor») schreibt Roeck: «Diese Art, Florenz zu betrachten, ist typisch für die Fremden. Vor das Moderne und das Unschöne was ihnen oft als dasselbe gilt spannen sie eine Gaze, die aus Historizismus und Ästhetizismus gewirkt ist. Alte Dinge werden zu Versatzstücken historischer Bilder, darüber wird Geschichte zu Poesie. Florenz löst sich auf zu Metaphern, zu Denkbildern seiner Betrachter.» Die Szene, die er in seinem Buch entstehen lässt, ist einem nicht nur weit ausgreifenden, sondern auch intensiv analytischen Quellenstudium zu verdanken einer Arbeit, die diskret zurücktritt hinter einer klar und sensibel durchformulierten Darstellung. Beinahe ein stilistisches Arkadien.
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