Pierre Emme liefert hier einen höchst konstruierten Plot ab - davon ist allerdings beim Lesen nichts zu spüren, denn die Schilderung des Falls ist so elegant wie bewusst schnodderig, dass Ironie und Spannung eng ineinandergreifen.
Eine österreichische Zeitung bezeichnet den Kriminologen Palinski als einen Wiener 'Monk'. Das stimmt nicht ganz, kommt der Wahrheit aber ziemlich nahe.
Die Hauptpersonen wirken frisch, kantig und sind nett wienerisch geschildert. Wie für den Wiener Humor typisch wirken sie holzschnittartig und teils überzeichnet, gewinnen aber zugleich psychologische Tiefe. Dies ist ganz in der Tradition der Wiener Autoren (auch wenn man unter den Klassikern hier manch Besseres findet).
Emme hat zwar manchmal Probleme, seinen Humor unter Kontrolle zu halten; und das eine oder andere in diesem Roman wirkt eher unfreiwillig komisch. Doch insgesamt halten sich diese Stellen in Grenzen.
Insofern ist dies ein wirklich schöner Krimi, mit originellen Charakteren, einem von leichter Hand konstruierten, spannenden Plot und einer rundherum schönen und humorigen Schreibweise. Für Krimileser also ein Muss.