Glücklicher Weise hat sich in den letzten Jahren ein Kleinod namens Tobias Siebert im deutschen Indie-Ödland breit gemacht. Eben dieser ist der Kopf jener Band, die fern ab jeder Vorgabe oder Richtlinie Indie fabriziert, den in dieser Form noch keine dt. Band vorher fabrizierte. Komisch...dabei schimpft sich das doch alles Indie.
Was macht also Klez.e richtig, was Kettcar, die Sportfreunde oder Virginia Jetzt! falsch machen. Der Unterschied liegt im Detail. Lieder über die Liebe, die ganz und gar nicht schnulzig klingen. Das mag zum Teil am technisch unterstützten Gesang, vor allem aber an der kleveren Komposition der Stücke liegen. Klez.e verzichtet auf klare Strukturen, wie dem üblichen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Muster. Und sollten sie doch mal in dieses Schema rutschen, dann werden anstelle des Gitarrensolos eben kleine Arrangements zusammen gebastelt. So ertönt auch schon mal eine Trompete, die im weiteren Album-Verlauf keine Rolle mehr spielt.
Die Melodie wird den Texten angepasst, nicht umgekehrt, wie es bei vielen Bands üblich ist. Die Band braucht keine hymnenhaften Refrains um zu überzeugen, sie überzeugt durch sehr gutem und durchdachtem Songwriting. Das heißt aber nicht, das die Melodie auf "Flimmern" vernachlässigt wird. Die Single-Auskopplungen "Werbefläche Mond", "Strandlied" und vor allem "Center" sind echte Ohrwürmer.
Das markanteste am Album, wie schon beim Debüt, ist der unberechenbare Gesang von Tobias Siebert. Man weiß nie so richtig, wie ein Vers enden wird. Mehrsilbrige Wörter werden derart in die Länge gezogen und überraschen zum Schluss mit einer unerwarteten Wortergänzung.
Tobias Siebert hat sich zu dem dt. Mike Patton (im weitesten Sinne) gemausert. Er verhalf Hund am Strand zu einem Plattenvertrag und hatte auch seine Hände beim neuen Phillip Boa im Spiel. Er bewies schon mit Delbo, dass er nicht am kommerziellen Erfolg interessiert ist, sondern die Leute einfach bloß davon überzeugen will, wie er nunmal ist.
Klez.e ist das Beste, was Deutschland derzeit zu bieten hat. Deshalb sind fünf Sterne auch keiner zu viel.
9/10