Hätte man mir vorher gesagt, dass hier ein leidenschaftliches Liebesverhältnis (oder sind es zwei oder mehrere?) im Mittelpunkt des Romans steht, zudem in kurzen Episoden Zeiten, Gedanken und Geschichten gefächert werden, hätte ich den Roman kaum gelesen. Es wäre jammerschade gewesen. "Flieh. Und nimm die Dame mit" ist beeindruckend stark.
Den Journalisten und Fotografen Cauby führt eine Recherche über Prostituierte in eine brasilianische Goldgräberstadt. Schauplatz ist nicht nur diese Stadt sondern auch das Cafe mit Pension von Dona Jane, in das der Leser sofort eingeführt wird. Dort erzählt Altino seine lang zurückliegende Liebesgeschichte mit Marines. Cauby trifft die junge Lavinia und ist ihr von Anfang an verfallen. Er sieht sie zuerst auf einem Foto bei Chang, dem Chinesen, und als er es noch bewundert tritt sie in sein Leben. Dieses Motiv erinnerte mich stark an Gradiva, Hauptperson im gleichnamigen Roman von Wilhelm Jensen.
Lavinia ist mit einem sehr viel älteren Prediger verheiratet. Zuerst wird Chang ermordet, aber dabei bleibt es nicht. Cauby wird gewarnt: "Flieh. Und nimm die Dame mit!" Er schlägt die Warnung in den Wind, wie einst Caesar am Tage seines Todes.
Hauptsache im Roman bleibt aber die Liebe zwischen Cauby und Lavinia. Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn Altino erzählt und der Ich-Erzähler Cauby seine leidenschaftliche Liebesaffäre mit Lavinia einstreut. Diese Verzahnung der Handlungsstränge durchzieht den ganzen Roman. Marçal Aquino gelingt es in der Rahmenhandlung eine dichte Atmosphäre entstehen zu lassen, die an die erste schwüle Phase im Film "Lohn der Angst" erinnert.
Ein starke Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Pionierstadt im Goldfieber. Aquino zeigt, dass man das uralte Motiv "Affäre zu dritt" immer wieder neu erzählen kann.