Keine Frage: Spannend ist dieser Thriller. Er liest sich leicht, flüssig und problemlos in einem Rutsch durch, könnte also durchaus als lockere Urlaubs- oder Feierabendlektüre durchgehen. Aber, ganz großes Aber:
Da ständig Bezug auf das erste Buch der Autorin ("Lauf") genommen wird, fehlen dem Leser eine Menge Informationen und Hintergründe. Wer es lesen möchte, sollte "Lauf" zuerst in Angriff nehmen und dann entscheiden, ob "Flieh" ihn noch reizen kann. Ohne Kenntnis des Vorgängerbandes hat man permanent das Gefühl, das Buch könnte vielleicht besser gefallen und schlüssiger wirken, wenn man denn wüsste, was "in Kolumbien" zwischen den Hauptfiguren gelaufen ist. So bleiben alle Charaktere trotz recht detaillierter Zeichnung irgendwie plastikhaft.
Die Geschichte selbst wirkt etwas zu sehr konstruiert, zu unwahrscheinlich. Solange ansonsten der Unterhaltungsfaktor stimmt, kann ich darüber hinwegsehen. Was mich aber wirklich stört, ist der äußerst unbefriedigende Schluss. Hier bleiben viel zu viele Fragen offen:
Was sollte die geheimnisvolle chemische "Waffe", die sich als etwas ganz anderes herausstellt, als ursprünglich behauptet, eigentlich auf dem Kreuzfahrtschiff? Wer hat sie aufs Schiff gebracht und warum? Wer wollte sie sich unter den Nagel reißen und wozu? Wer ist der Geier, und was will er? Wie geht es weiter mit der in ihrer Existenz bedrohten Sicherheitsfirma Darkview? Was wird aus der pharmazeutischen Firma, die nicht nur wirtschaftlich von einem als unwirksam entlarvten Medikament abhängig ist, sondern obendrein für einen ungenannten Investor die chemische "Waffe" entwickelt hat? Warum war Sumner überhaupt auf dem Schiff, noch dazu - welch praktischer Zufall - unerlaubter Weise mit einer Präzisionswaffe im Gepäck? Wozu hatte Darkview ihn dorthin geschickt?
Viele offene Fragen, eine ärgerliche Schlussfolgerung: "Flieh" ist, obwohl nirgends darauf hingewiesen wird, kein eigenständiger Roman, sondern Teil einer mehrbändigen Reihe. Das Buch endet so unbefriedigend, weil man weiterlesen soll. Dafür ist es aber nicht überzeugend genug.