Mit Sicherheit hat meine vergleichsweise schlechte Bewertung des Themenkochbuchs Fleisch auch den Grund, dass ich erst vor kurzem glückliche Benutzerin der hervorragenden Schokoladenkochschule wurde, die zwar etwas teurer, aber auch wesentlich umfassender, leidenschaftlicher, praller ist. Eben ein 5 Sterne Buch.
Doch auch ohne diesen Vergleich stört mich Einiges am "Fleisch"- Buch.
So fehlen ganze Fleischsorten wie Wild und Geflügel. Die Idee, fotolastige Reportagen zur Tierhaltung zu bringen, birgt die Gefahr, dass wenig oder sehr pauschale Informationen rüberkommen und vieles gar nicht angesprochen werden kann.
Besonders gestört hat mich diese Selektion bei der Auswahl der vorgestellten Rassen. Für jede der vorgestellten Rassen hätte ich mindestens drei Alternativvorschläge- unbefriedigend. Auch die Wahl an sich wirft Fragen auf- Texel und Suffolkschafe als absolute Fleischrassen, aber seltene Rassen wie Hinterwälder Rind oder Bentheimer Schwein...? Warum sind bei den Schafen nicht auch seltene Rassen gewählt worden?
Nun zu den Rezepten. Sowohl rheinischer Sauerbraten als auch diverse Terrinen fehlen mir ebenso, wie ausführlich erläuterte Grundsatzrezepte und ihre Abwandlungen. Statt dessen setzen die Autoren eher auf Besonderes- bei der Leber beispielsweise auf selbstgemachte Teeräucherung. Die Rezepte sind also eher für Leute, die keine Lust auf Altbekanntes wie Hack- oder Sauerbraten haben, und sich lieber an Scharfen Rinderfiltes an geeister Avocado, Kalbsbeinscheibe mit geröstetem Oktopus oder Schweinerücken mit Basilikum- Zimt Pesto versuchen möchten. Soweiso finde ich, dass relativ viel Kalbfleisch "verbraten" wird- wer weiß, wie die Kälbermast funktioniert, würde das Fleisch älterer Tiere vorschlagen, wann immer es geht!
Dennoch gibt es Grundsatzerläuterungen zu vielen Rezepten, ein bißchen Fleischkunde, Beilagentipps, mitunter auch Schritt- für Schritt- Fotoserien. Der Serviceteil und das Register sind sehr benutzerfreundlich gestaltet. Auch den Ansatz, selten, aber qualitätvoll Fleisch zu essen und möglichst viele Teile des Schlachttieres ( einschließlich Kutteln oder Zunge) zu verwenden, finde ich prinzipiell sehr gut. Trotzdem hat mich das Buch nicht überzeugt.