Wie kann man das alles nur vergessen? Heinz Strunk ist ein Jahr jünger als ich, aber was seinen Roman, und jetzt auch den Film angeht, haben wir zwei Sachen gemeinsam, die uns klar zum Vorteil gereichen: Wir sind Norddeutsche und wir waren in den 80ern dabei. Leider habe ich schon fast alles vergessen, aber Heinz: Ich sach nur hallo, der hat den ganzen Schiet noch auf Tasche. Er nimmt uns mit auf eine gnadenlose Reise in die 80er und in den Norden, wo aus jeder Mutter eine Muddi wird. 1986 in der Erinnerung des Heinz Strunk, ich kann nur sagen: Das war ganz genau so!
Heinz(Maxim Mehmet) ist verzweifelt. Sein Körper wird von einer hammerharten Mega-Akne attackiert, seine Mutter(Susanne Lothar) ist geisteskrank und er kriegt keine Frau an den Start. Als sich eines Tages die Chance ergibt in einer Band zu spielen, greift Heinz zu. Mit Tiffany, unter der Leitung von Gurki Beckmann(Andreas Schmidt), spielt er fortan auf Polterabenden, Karnevalsfeiern, Schützenfesten oder im Altenheim. Von Chris Roberts bis Suzi Quatro wird alles gegeben und als Zuschauer erfährt man, dass Musik, auch körperlich, richtig weh tun kann. Heinz Traum ist es, selbst Stücke zu komponieren. Er versucht das mit der Sängerin Anja, aber die muss schwanger nach Heidelberg umziehen. Heinz macht sich auf die Suche. Zwischen Besuchen bei seiner kranken Muddi und ein paar Bierchen mit der dicken Nachbarin Rosi(Livia Reinhard) melden sich etliche Mädels, aber keine passt. Erst als Anarcho-Jette(Anna Fischer), die Heinz schon mal auf der Fähre singen gehört hat, sich entschließt für Heinz zu singen, geht die Post ab.
Heinz Strunk ist schon ein echtes norddeutsches Original. Wenn sein Film-Ego mit Liebhaberin Nr.1 seines Lebens auf dem Sofa sitzt und ein Bockbier nimmt, dann weiß man, wo man ist. Und für diejenigen, die nicht zu uns gehören: So war das wirklich! Wir vergeben Heinz Strunk, das er sein Leben nur erfunden hat, lassen uns blendend unterhalten von Schauspielern, wie z.B. Susanne Lothar, die Heinz Mutter im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnig gut spielt und tauchen noch mal ein in die schlimmste Mucke der 80er. Dabei fällt vor allem die Liebe zum Detail auf, die in jeder Sekunde des Films zu spüren ist.
Fleisch ist mein Gemüse ist ein herrliches Zeitdokument, eine geile Story und viel Witz, aber auch eine Spur Drama. Danke Heinz! Das hast Du richtig gut gemacht! Einen Punkt Abzug gibt es, wie üblich bei Literaturverfilmungen, weil sich Christian Görlitz nicht ganz an das Buch gehalten hat. Ansonsten ist der Film ein echter Bringer und natürlich Werbung für den Norden.
Aufgelockert wird das Ganze mit Heinz Strunks Stimme aus dem Off, seinen kleinen Gastauftritten mit Hirsch und Co und Rocko Schamoni als Schützenkönig. Ziemlich schräg, ziemlich kultig, irgendwo zwischen Pommes und Schampus. Bleibt zum Schluss nur zu sagen: Ziehen sie sich das einfach selbst mal rein und entscheiden sie, ob Daumen hoch oder Daumen runter. Mein Daumen war ziemlich schnell oben.