Das zwanzigjährige Jubiläum von Fleetwood Macs Erfolgsalbum "Rumours" wurde 1997 auf Tournee gefeiert (deren Ergebnisse dann als "The Dance" auf CD und DVD erschienen) sowie mit dieser zeitgleich entstandenen DVD aus der "Classic Albums"-Reihe.
Die fünf Bandmitglieder äußern sich ernsthaft, selbstkritisch und offen über die Umstände, unter denen "Rumours" entstand, angefangen mit dem Einstieg des Duos Buckingham/Nicks 1974 bei Fleetwood Mac, den daraus resultierenden Möglichkeiten im Harmoniegesang und die Fülle an neuen Kompositionen und dem Erfolg des ersten Albums in dieser Besetzung ("Fleetwood Mac", 1975).
Die Band berichtet von den Spannungen und Exzessen, die sich daraus ergaben, dass die beiden beteiligten Paare während der Aufnahmen zu "Rumours" in Trennung lebten (die Beziehung zwischen Stevie Nicks und Lindsey Buckingham ging auseinander, ebenso die Ehe von John und Christine McVie, wie auch Mick Fleetwoods Ehe mit seiner Frau Jenny), aber weiter zusammen arbeiten wollten und mussten, die Songs, die dabei entstanden, und die offenbar universelle Bedeutung für die Zuhörer, die sie dieses Album zu einem der bestverkauften der Popgeschichte machten.
Schließlich reflektieren die Bandmitglieder über die Bedeutung, die dieses Album für sie bis heute finanziell und künstlerisch hat, und über den Preis, den sie aus ihrer Sicht für den Erfolg der Band im privaten Bereich bezahlten.
Stevie Nicks fiel es schwer, ihren Song Silver Springs zugunsten von I don't want to know opfern zu müssen, weil er sich nicht ins Albumkonzept fügte; er landete '76 auf der B-Seite von Go your own Way und wurde auf der 2004 remasterten CD von "Rumours" schließlich doch noch ins Album integriert.
Jeweils einen Song spielen die drei Komponisten der Band solo vor: Lindsey Buckingham liefert eine interessante Überarbeitung von Never going back again, Stevie Nicks präsentiert Dreams am Piano, und Christine McVie spielt Songbird allein am Klavier auf der Bühne einer leeren Konzerthalle, so wie schon 1976 für das Album (ihrer Frisur nach zu urteilen, scheint diese Aufnahme aus den Achtzigern zu datieren).
Zusätzlich sind (leider nur kurze) Ausschnitte von Liveaufnahmen von Rhiannon, Don't stop, You make Loving Fun, Dreams, Go your own Way und The Chain mit Fleetwood Mac ca. '75-'78 zu sehen.
Neben den Bandmitgliedern kommen die Toningenieure Richard Dashut und Ken Caillat zu Wort, die, wie in dieser Reihe üblich, im Studio anhand der Mehrspurbänder die Arbeitsweise und die Feinheiten der Aufnahmen anhand einiger Songs demonstrieren, darunter Dreams, You make Loving Fun, Second Hand News, Go your own Way, Don't stop, Oh Daddy und Gold Dust Woman. Sie erzählen vom Höhenverlust auf den Schlagzeugspuren, der sich (vor den Zeiten digitaler Aufnahmetechnik) aus dem monatelangen Abrieb der Tonbänder durch die zahllosen Overdubs ergab und den Schwierigkeiten, die Sicherheitskopien der Schlagzeugparts in stundenlanger Handarbeit synchron auf die Masterbänder zu überspielen, um diese so zu "retten".
Diesmal gibt's kein Bonusmaterial; bei einer Laufzeit von gut 72 Minuten scheint es aber gleich in den Hauptfilm eingearbeitet worden zu sein, was ich bei anderen Ausgaben dieser DVD-Reihe auch sinnvoller fände. Die deutschen Untertitel sind über den reinen Wortlaut hinaus brilliant übersetzt, und zwar von jemandem, der/die sich sowohl mit der Bandgeschichte als auch mit Studiotechnik auskennt. "Rumours" ist ein weiterer sehr gelungener Teil der "Classic Albums"-Reihe.