Ohne Zögern dürfen wir behaupten, dass "Fleet Foxes" das bewundernswürdigste Album des Jahres ist. Medienrummel hin, Medienrummel her: Dies sind Lieder, die jedem aufnahmebereiten Hörer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Es beginnt alles mit einem seltsamen Choral über ein rotes Eichhörnchen. Und dann ist man auch schon mittendrin, mitten in den "baroque harmonic pop jams", wie die Band ihren Stil selbst bezeichnet, und man versinkt in dem heimeligen Klangmeer des beschwörenden Harmoniegesangs, der akustischen und elektrischen Gitarre, des Banjos, der Mandoline und der Autoharp. Ja, aber Herrgottsakra, "baroque harmonic pop jams"? Wie klingen diese fünf Jungs aus Seattle denn nun wirklich? Viele Bands klingen angeblich "wie niemand sonst", aber hier stimmt es tatsächlich: Obwohl sie achtbare Traditionalisten sind, haben die Fleet Foxes ihr Möglichstes getan, um Konventionen zu vermeiden. Über ihre Musik haben sie eine Patina gelegt, die sich aus Barock-Pop (Beach Boys, Harry Nilsson) und britischem Folk-Rock (Fairport Convention, Pentangle) zusammensetzt, aus Gospel und altertümlichen Folk-Songs. Dennoch klingt das alles neu, erneuernd und hinreißend ungewöhnlich; stellenweise klingen die Fleet Foxes ein wenig wie die Beachwood Sparks, Jim James (My Morning Jacket), Will Oldham oder die Guillemots, aber immer ureigen, wirklich immer. Sie schöpfen aus zahlreichen Quellen, haben sich mit diesem Album aber ihre eigene musikalische Heimat geschaffen, eine Heimat in den Sphären (denn nur von dort können solche Harmonien kommen).
Allerdings: Einlassen muss man sich auf diese Musik, denn nur wenige Lieder gehen direkt ins Ohr, auch an das gelegentliche Nichtvorhandensein von Refrains muss man sich gewöhnen. Aber es lohnt sich. Mir ist es ernst: Hört euch um Himmels Willen dieses Album an, schließt die Augen und labt euch an der evozierenden Kraft dieser Musik, schwelgt in Erinnerungen, hört es euch immer und immer wieder an, erweitert und vertieft eure Freude an dieser aufwühlenden, eindrucksvollen und einzigartigen Platte.
(Man höre sich zunächst "White Winter Hymnal" an; wem bei diesem Song nicht das Herz aufgeht, der hat gar keines.
Weitere Anspieltipps: "Ragged Wood", "Your Protector" und "Blue Ridge Mountains".)