Manchmal passiert es, dass man Musik hört, die sich einer schnellen Einordnung konsequent entzieht. Musikredakteure heben solche Schätze gerne, auch wenn das Auffinden der passenden Schublade schwierig wird.
Die "Fleet Foxes" sind so ein Fall. Erstaunt wird ihre Heimat Seattle hervorgehoben, als würde man von dort auch weiterhin nur wütenden Rock erwarteten. Hier ist es eher das Gegenteil.
Schon vom ersten Ton an überraschen die zeitlosen Stücke, die sich über zeitlich begrenzte Trends zu erheben scheinen und ihre Strukturen aus einem universellen Pool von Melodien schöpfen.
Zunächst führt die Spur zurück in die Siebziger, zu den frühen "Genesis", den schmeichelnden Harmonien von "America" oder den psychedelischen Anfängen von "Pink Floyd". Doch die Wurzeln reichen tiefer. Im Hintergrund scheinen die Anfänge des Folk mitzuschwingen und die Strenge der Kompositionen mutet fast schon mittelalterlich an.
Im Zentrum der Stücke stehen die Harmoniegesänge des Sängers Robin Pecknold. Mit hymnischer Inbrunst und großer Ernsthaftigkeit trägt er wuchtige, fast schon mythische Geschichten vor. Die Instrumentierung dazu ist gleichzeitig streng und verspielt und scheut sich nicht vor instrumentalen Passagen, Trommeln, Flöten und komplexen Art-Rock-Einschüben.
Trotz des feierlichen Gesamttonalität ergibt sich eine große Spannweite an Stimmungen. Der Opener steigert sich vom orgelschweren Walzer zu einem kraftvollen Finale, während "Ragged Wood" sich umgekehrt vom treibenden Rocker zum sensiblen Zwischenspiel reduziert.
Stücke wie "Tiger Mountain Peasant Song" oder "Oliver James" haben eine fast schon schmerzhafte Eindringlichkeit. Höhepunkt unter Höhepunkten ist "White Winter Hymnal", dessen hypnotischer Rhythmus einem lange nicht mehr aus dem Kopf geht.
Am schönsten ist aber, das all dies nicht anstrengend oder verkopft daher kommt, sondern sich in veritable Ohrwürmer fügt, die zum Soundtrack für Wochen werden können, wenn sich das erste Gefühl der Fremdheit aufgelöst hat.
Wer abseits des Mainstream-Tands das Ungewöhnliche sucht, könnte hier sein Album des Jahres finden.