Eine christliche Familienfreizeit im Jahre 1977. Der sechzehnjährige zu kurz geratene und kommende Thorsten schildert diese prägende Episode seiner Jugend als ein grellkomisches, schauriges Panoptikum.
Wer jemals an einer Jugendfreizeit teilgenommen hat, wird sich auf nicht immer angenehme Art an vieles erinnert fühlen: peinliche Gruppenspiele,in denen gefrorene T-Shirts, Toilettenpapier und Kartoffeln zum Einsatz kommen, Pflichttelefonate nach Hause, Discoabende mit "Je t'aime" und ähnlichen Perlen der Popkultur, Besuche bei "den Weibern" - wo Thorsten natürlich die am wenigsten Verlockende abbekommt: "(...) nur Karin ist total verhunzt, und daran wird sich auch nach menschlichem Ermessen nichts mehr ändern (...)" -, unerfüllte Sehnsüchte nach Susanne Bohne (setzen Sie hier einfach den Namen des Objekts ihrer Begierde ein)und einem ungestörten Stuhlgang, Apfelkornräusche mit anschließender Kotzorgie und Kater der Extraklasse, klumpige Matratzen, verdreckte sanitäre Einrichtungen, grauenvolles Essen (das Thorsten häufig mit den Leckereien vergleicht, die die "Fünf Freunde" täglich bekommen; weitere Lektüre: Landserhefte und Charles Bukowski), bunte Abende und endloses Kartenspielen an verregneten Nachmittagen. Traurige Höhepunkte sind das Massaker an einer unschuldigen Entenfamilie, ein völlig aus dem Ruder laufender Besuch von Bewohnern von Haus Kolibri ("Die Behinderten scheinen sich genauso unwohl zu fühlen wie wir.") und der Tod von Elvis Presley.
Bevölkert ist das Strunk - Universum von einer Ansammlung bizarrer Gestalten: strunzdumme Betreuer ("Jeder Christ ein Gitarrist"), ein Diakon mit pädophilen Neigungen, zwanghafte Dauerpopler und Zehennägelsammler, debile Lagertyrannen,die Dicken, die Doofen und die Ekligen: "Ganz dürre, wirre gelbe Haare, wie ein alter Opi, seine Augen stehen dicht beieinander, und in den Mundwinkeln nisten eingetrocknete Spucke - und/oder Speiseklümpchen."
Nichts für zart Besaitete oder literarische Snobs (ich finde den sich durch das Cover aufdrängenden Vergleich zu "Feuchtgebiete" nicht so ganz abwegig - wer mit Helen Memels Ein - und Ansichten - "Hygiene wird bei mir kleingeschrieben" - nichts anfangen kann, sollte vom "Fleckenteufel" die Finger lassen), aber höchst unterhaltsam, zum Heulen komisch und tieftraurig, schnodderig und tiefsinnig, abstoßend und anrührend - wie die Jugend.
Erreicht nicht ganz die Qualität von "Fleisch ist mein Gemüse" und hat ein paar Längen, insgesamt aber ein wunderbarer trip down memory lane nicht nur für Retrofans und Freunde der Siebziger: "I put my muggle jeans on, I put my opel jeans on....." Groovy! Hallo, Ilja!