Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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50 von 61 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwischen Teufel und Engel?, 25. Januar 2009
Tatsächlich muss man beim Cover dieses Buches ja unweigerlich an Charlotte Roches "Feuchtgebiete" denken. Man rechnet nun wahrscheinlich mit einer männlichen Version, einem Abklatsch, noch schlimmer oder doch etwas ganz anderes?
Heinz Strunk selbst bezeichnet "Fleckenteufel" als Jugendbuch und ich kann mir gut vorstellen, dass viele Jugendliche ihre Freude daran hätten. Sprachlich nimmt er natürlich kein Blatt vor den Mund, aber er beschreibt durchaus Situationen, die man sich bei Jugendlichen, speziell Jungen, vorstellen kann. Das Buch ist sehr ehrlich und es ist äußerst interessant mehr über Throstens Gedanken zu erfahren. Manchmal mag man denken, dass das alles aber ganz schön gemein oder ekelhaft ist. Wenn man jedoch ehrlich zu sich selbst ist, dann geht man sicherlich, zumindest gedanklich, häufig auch nicht gerade zimperlich mit seinen Mitmenschen um. Oft kann man es sich einfach nicht verkneifen schadenfroh zu grinsen, gerade bei Throstens unglaublicher Beobachtungsgabe.
Auf einer christlichen "Jugend"freizeit nämlich, trifft Thorsten nicht nur auf merkwürdige Erwachsene, sondern auch das andere Geschlecht und gleichaltrige pubertierende Jungen. Er befindet sich in einem Strudel aus Hormonen und Magenproblemen. Beides beschreibt er dann auch sehr ausführlich. Und zu dieser Reise gibt es sowieso kaum Positives zu sagen. Das Essen, die Betten, die Mitreisenden - alles ist mittelmäßig bis schlecht. Aber hauptsache günstig weg von zu Hause - so lautet die Devise. Trotz aller Widrigkeiten ist es ein tolles Erlebnis für die meisten der mitreisenden Jugendlichen. Wann kann man sich sonst schon so schön daneben benehmen?
Mir ist aufgefallen, dass gerade Gerüche unterschiedlichster Art sehr detailliert beschrieben werden. Da kann man froh sein, dass Geruchsbücher noch keinen Durchbruch hatten.
Skurril ist der Gegensatz zwischen dem Verhalten der Jugendlichen allgemein und der Tatsache, dass es sich um eine christliche Jugendfreizeit handelt. Das ganze ist schon ziemlich "unchristlich".
Doch das Buch hat auch ernste Seiten und zeigt klar die Sorgen und Versagensängste eines Jugendlichen. Man ist einem ständigen Vergleich zu Anderen ausgesetzt, jeder Fehler wird mit Verachtung bestraft und darunter leidet natürlich auch das noch nicht gefestigte Selbstbewusstsein. Thorsten fühlt sich im Buch häufig unbeachtet, ist er doch für sein Alter sehr klein. Er zweifelt wirklich an sich selbst und steckt voller Widersprüche.
Erscheint er dem Leser manchmal richtig anstrengend und nervig, ist er im nächsten Moment sehr sympathisch. Diese Eigenschaft teilen wohl ebenfalls die meisten Jugendlichen.
Fazit: Ein interessantes Leseerlebnis, das eindeutig und zum Glück kaum Gemeinsamkeiten zu Charlotte Roches Buch hat.
Wenn man Strunks Homepage trauen darf, kann er absolut nichts für die Covergestaltung und hatte selbst auch nie eine inhaltliche Ähnlichkeit zwischen den Büchern gesehen. Ihm war der Vergleich eher peinlich, verständlicherweise!
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
In der Nougathöhle, 11. Februar 2009
Eigentlich ist das mit den Heinz Strunk Büchern ja immer das gleiche: Misanthropischer Antiheld quält sich durch ekligen Alltag. Man kann sich an mal glückendem mal scheiterndem Vermeidungsverhalten des Protagonisten ergötzen und auch an den dermaßen echten und zutreffenden Beschreibungen von Personen und Situationen. Gags wie auch lustiger Sprachwitz werden am laufenden Meter aus dem Ärmel geschüttelt, wirklich immer ist irgendwo was zum totlachen dabei. Kann man das über 3 Bücher durchhalten, oder ist irgendwie die Luft raus? Nee: Heinz Strunk hats nochmal geschafft. Es funktioniert immer noch, das Buch habe ich an einem Tag durchgelesen und mich königlich amüsiert. Das muss man natürlich auch kennen: so evangelische Familienfreizeiten sind ein ganz besonderer (Un-?)ort des Alltags... Das Buch wurde jetzt ziemlich schnell der "Zunge Europas" hinterhergeschossen. Der bezug auf das Buch von Charlotte Roche (Cover, Thema) hat mich ja schon ein bisschen skeptisch gemacht. Auch den Anfang mit den ganzen leckeren Geräuschen fand ich da noch nicht so gelungen. Aber die Geschichte fängt sich. Etwas unüberzeugend sind halt die ausgefeilten Gedanken des 16jährigen Protagonisten, die eigentlich nicht ganz zu der Figur passen. Aber es ist eben "Heinzer" in Gestalt eines 16-Jährigen Jungen Ende der 70er. Was anderes will man ja auch gar nicht lesen. Sehr gelacht hab ich übrigens über die Entdeckung von Bukowski (sehr echt) und Tiedemann im "Pfeffer-und-Salz-Mantel" sowie den SALZIGEN. Sehr echte Typen, super beobachtet. Ja, sorry (nicht das ich jetzt wieder, wie in meiner letzten Strunk-Rezension als bezahlter Claqeur vom Verlag betrachtet werde): Trotz anfänglicher Schwächen: 5 Sterne sind ehrlich verdient. Vielleicht noch ein Buch in der Art...dann muss aber eigentlich Schluss sein...
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34 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nach den Pickeln die Verdauungsprobleme, 1. Februar 2009
Beweisen kann ich es selbstverständlich nicht. Aber hätten die vielen Leser von "Fleisch ist mein Gemüse" den Autor nicht bereits vom Fernsehen her gekannt, wäre dieses Buch kaum auf den Bestsellerlisten erschienen. Und jetzt, nach der Verfilmung dieser Musikerkarriere ist der Tipping Point eben erreicht. Auch Fleckenteufel verkauft sich hervorragend, als Buch ebenso wie in der Audiofassung, gelesen vom Autor selber. Begeistert haben mich die 4 CDs allerdings nicht. Möglich, dass sich aus diesem Roman ein gutes Drehbuch schreiben lässt, falls sich ein Meister findet, der vor radikalen Eingriffen nicht zurückschreckt. Denn Thema und Figuren würden sich für ein Verfilmung durchaus eignet. Doch zum Romanschreiber scheint mir Heinz Strunk nicht geboren. Bei der großen Form genügt es eben nicht, einzelne lustige Szenen aneinanderzureihen, sich in Wortspielereien zu verlieren und jeder Figur ein paar charakteristische Eigenheiten zuzuordnen. Oder anders gesagt: Was in der Rasanz eines Sketches wirkt, wird durch Wiederholung schnell langweilig und im schlimmsten Fall doof. Ich kann mich durchaus amüsieren, wenn mir Pickel- oder Verdauungsprobleme auf überzeichnete Art vorgeführt werden. Aber wenn sie als roter Faden dienen müssen, der eine Story zusammenhält, betrachte ich dies als misslungenen Kunstgriff.
Heinz Strunk ist Musiker, Schauspieler, Schriftsteller und inzwischen ziemlich erfolgreich. Aber beim Hören dieser vier CDs hatte ich immer mehr das Gefühl, er sei momentan auf der Such nach seinem künstlerischen Zuhause. Atemlos und durchaus variantenreich liest er seine Geschichte vom jungen Helden, der im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat seine Identität sucht. Was der pubertierende Junge mit den ewigen Verdauungsproblemen im Jahre 1977 erlebt, ist eigentlich ganz normal. Und auch als Spätzünder würde ich den Sechzehnjährigen nicht bezeichnen. Selbst die Sprache ist nicht außergewöhnlich, sofern man nicht nur deutschsprachige Literatur liest. Was vielleicht überrascht, ist der Rhythmus. Aber dummerweise kam mir dieses Stilelement eher als Störfaktor denn als Bereicherung vor. Die Kombination von überzeichneten Gestalten und hektisch vorgetragener Beschreibungen menschlicher Verhaltensmuster war ganz offensichtlich nicht mein Ding. Klar, kann man Skurriles als Kennzeichen der Jungen betrachten. Aber zumindest in meiner Pubertät, die auch zu den wilden Versionen zählte, kamen noch wichtige Erlebnisse vor, für deren Beschreibung sich andere Stilmittel besser eignen, als Heinz Strunk offenbar einsetzen wollte oder konnte.
Mein Fazit: So sehr mir auch viele einzelne Szenen gefielen, vermisste ich letztlich doch zu viel von dem, was einen guten Roman ausmacht. Eine rasante Morning-Show, die bis zum Abend dauert, mag ihr Publikum finden. Ich gehöre ganz offensichtlich nicht dazu. Unterhaltendes und Zwischentöne schließen sich nicht aus.
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