Nach vier Jahren ist Alanis Morissette endlich mit einem neuen Album zurück. Und während sie sich für ihr letztes Album So-Called Chaos gerade einmal etwas über ein Jahr Zeit gelassen hat, was sich nach Meinung vieler auf die Qualität des Albums niedergeschlagen hat, so zeigt sich bei Flavors Of Entanglement", dass ich das Warten mehr als gelohnt hat.
Mit Guy Sigsworth als Produzenten hat Alanis ein Album aufgenommen, dass an vielen Stellen ganz anders klingt, als man es von Alanis gewohnt ist und somit auch die Menschen interessieren könnte, die sonst weniger von ihrer Musik halten, ohne dabei jedoch ihrem eigenen Stil untreu zu werden.
Diese Fassung des Albums enthält ganze 16 Songs auf zwei CDs verteilt und reicht damit fast an die 17 Tracks auf Supposed Former Infatuation Junkie, dem längsten Album von Alanis heran.
Citizen Of The Planet 5/5
Citizen Of The Planet ist der erste Song dieses Albums und einer der Besten. Am ehesten lässt sich dieses Lied in die Kategorie Rock einordnen, der Chors ist laut und unterlegt mit Gitarren, die später von Streichern unterstützt werden. Vor allem das Ende ist genial. Man sollte sich in diesem Fall nicht von den ersten 15 Sekunden verunsichern lassen, die nahe legen, Citizen wäre ein an indische Musik angelegter Song. Die ersten 15 Sekunden sind das vielleicht, danach nimmt der Song jedoch eine komplett andere Richtung an und wird zu einem der Highlights dieses Albums.
Underneath 4.5/5
Viele Kritiker jammern ja heute noch der Alanis hinterher die 1995 mit ihrem Album Jagged Little Pill" die Welt eroberte. Während man Madonna jeder noch so kleine Veränderung als bahnbrechende Neuerfindung ihrer selbst zu gute legt, scheint man Alanis nie verziehen zu haben, dass ihre letzten vier Alben nicht einfach Jagged Little Pill 2-5 waren, sondern in unterschiedliche Richtungen gehen. Alanis hat sich viel weiter entwickelt, als ein Großteil der Stars, die Weiterentwicklungen als ihr Markenzeichen ansehen. Underneath, Alanis erste Single, erinnert noch am ehesten an die alte" Alanis, gewisse Ähnlichkeiten mit Ironic lassen sich erahnen. Thematisch handelt es sich bei Underneath um die Aufforderung statt nach Lösungen für die größten Probleme in der Welt zu suchen, erst einmal in sich selbst zu schauen und mit sich selbst ins Reine zu kommen. Denn all die kleinen Probleme im Alltag seien doch nichts anderes, als das, was vergrößert in der großen Weiten Welt passiert. Frei nach dem Motto sei der Wandel, den du selbst sehen möchtest" ist Underneath ein solider Radio-Track der leider viel zu selten iM Radio gespielt wird.
Straitjacket 4.5/5
Spätestens jetzt wird auch der letzte bemerkt haben, dass Flavors Of Entanglement kein Aufguss alter Rezepte, sondern komplett neues Territorium für Alanis ist. Der Einfluss Guy Sigsworths wird hier spürbar deutlich. Straitjacket ist elektronisch, ein bisschen wütend und vor allem ein sehr interessanter Song.
Versions of Violence 5/5
Für mich der absolut beste Song des ganzen Albums. Alanis war mit Ausnahme von Pollyanna Flower" nie so dunkel wie hier. Rock gemischt mit starken Electronica-Einflüssen lässt ein bisschen an Evanescence erinnern, allerdings zeigt Alanis starke und in den Strophen erstaunlich tiefe, fast schon maskuline Stimme, wo die Unterschiede zu eben dieser Band liegen. Ein sehr ausdrucksstarker Song, der mit relativ simplen Texten auskommt, verglichen mit anderen Alanis-Songs natürlich. Nach einem ganz unverhofften Ende dieses Songs kommt schließlich...
Not As We 5/5
Ein weiterer positiver Aspekt dieses Albums ist die Vielseitigkeit von "Flavors of Entanglement". Bis jetzt hatten wir Rock, Pop und Electronica, nun kommt eine Ballade hinzu, deren Kontrast zu Versions of Violence nicht größer sein könnte. Alanis Stimme wird nur von einem Klavier begleitet und klingt hin und wieder etwas brüchig, was die traurige Aussage dieses Songs treffend unterstützt. Die Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten Ryan Reynolds hat Spuren hinterlassen, auf ihrer Seele, aber auch auf diesem Album. Not As We ist ein Beweis dafür.
In Praise of the Vulnerable Man 4/5
Wieder großer Kontrast zum vorhergehenden Song, der thematisch an Surrendering und Everything anknüpft. Im Vergleich zu den vielen Highlights dieses Albums geht In Praise ein wenig unter, ist es doch ein süßer Sommer-Song, des Alanis Stimme an manchen Stellen ungewohnt hoch und weich präsentiert.
Moratorium 5/5
Moratorium ist wieder etwas anderes. Der längste Song der Standard-Ausgabe des Albums präsentiert sich mit vielen unterschiedlichen Elementen. Neben den Streichern und natürlich Alanis Stimme wird dieser Song vor allem von einem starken Drumloop dominiert, der immer wieder aufgebrochen wird um die Streicher sowie Alanis chorale Gesangseinlagen in den Vordergrund zu rücken. Alanis erklärt in dem Song eine Auszeit von zwischenmenschlichen Verwicklungen nehmen zu müssen um sich ihrer selbst wieder klar werden zu können
Torch 5/5
Nach Not As We haben wir mit Torch einen weiteren Song, der die schmerzhafte Trennung von Ryan Reynolds zu thematisieren scheint. Alanis zählt auf, welche Qualitäten sie an ihrem Exfreund vermisst. Ein sehr emotionaler Text steht hier einer im Vergleich zu anderen Songs nicht ganz so interessanten Instrumentierung gegenüber. Ein sehr schöner und gefühlvoller Song, der etwas Entspannung vor dem großen Finale mit sich bringt.
Giggling For No Reason 4.5/5
Die letzten drei Songs dieses Albums zeigen noch einmal die Vielseitigkeit, die Alansi und Guy Sigsworth in diesem Album an den Tag gelegt haben. Wieder ein sehr elektronischer und damit für Alanis Morissette ungewöhnlicher Song, der ungewohnt hoch gesungen ist. Giggling läd dazu ein, das Autoradio laut zu drehen, die Fenster runterzufahren und nach Möglichkeit das Verdeck zu öffnen um dann an einem sonnigen Nachmittag über irgendeine Landstraße dahin zu fliegen. Dabei verstahlt es eine Unbeschwertheit, die im Kontrast zum nächsten Song steht.
Tapes 5/5
Tapes ist ein Song der sich im gewissen Sinne mit Selbstzweifeln und Selbsthass auseinander setzt. Innere Stimmen flüstern Alanis ein, sie sei zu anstrengend, um geliebt zu werden und gehöre am Besten vergessen und weggesperrt. Umrahmt wird dies von einem verdammt guten Refrain und einem sehr schönen Ende, das leider viel zu kurz geraten ist. Alanis chorale Gesangseinlage gepaart mit elektrischen Gitarren hätte ruhig ein bis zwei Minuten länger sein können. Eigentlich ein wunderschönes Schlussstück für ein Album, doch noch ist dieses nicht ganz vorbei.
Incomplete 5/5
Nach dem traurigen Nachgeschmack, den Tapes hinterlassen hat, will Alanis ihre Zuhörer dann nicht ziehen lassen, ohne einen letzten Song zu singen, der an das Bild des Phoenix, der aus der Asche aufsteigt, erinnert. Incomplete macht Mut, sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten abzufinden und statt sich auf die Suche nach Perfektion, die man wahrscheinlich nie erreichen wird, zu begeben sich lieber an den Dingen des Hier und Heute erfreuen soll. Dann klappt es auch mit einem glücklichen und zufriedenen Leben.
Und dies sei all den Kritikern gesagt, die immer noch nicht verstanden haben, dass die Zeiten von You Oughta Know längst vorbei sind: Das Album vermittelt in der Zusammenschau den Eindruck, als sei Alanis langsam in ein Gleichgewicht gekommen, in dem sie sich wohl fühlt.
Auch das Album selbst wirkt sehr ausgewogen. Trotz der vielen verschiednen Genres, die es abdeckt wirkt es an sich doch geschlossen. Wenn es sehr laut wird, wird es danach auch wieder leise, wenn es schnell wird, so wird es danach wieder langsam. Dieser Ausgleich hinterlässt den Eindruck eines sehr vielseitigen aber ausbalancierten Albums, dem ich mit sehr gutem Gewissen fünf Sterne geben werde.
Allerdings verdient diese Ausgabe eigentlich noch mehr Sterne denn mit der zweiten CD erwarten den Käufer fünf weitere Songs, die keinesfalls Wegwerfprodukte sind, sondern qualitativ ohne Weiteres an die 11 Songs des Albums heranreichen oder teilweise noch besser sind.
Orchid 5/5
Den Anfang macht ein Song namens Orchid, der in sofern bemerkenswert ist, da er Alanis Stimme in einer Art und Weise präsentiert, wie die vielen Menschen fremd sein dürfte. Wer denkt Alanis sei der Schreihals, der All I Really Want und Ironic krakelte, der liegt mit Sicherheit nicht falsch. Alanis Stimme ist das ein oder andere Mal etwas schrill, hier ist sie dies jedoch nicht.
Alanis Stimme präsentiert sich weich und zart umrahmt von einer ruhigen Instrumentierung die einen süßlichen und fast schon floralen Song ergeben, der als ein Highlight dieser Bonus-CD gesehen werden kann und zu den besten Songs der ganzen Session gehört.
The Guy Who Leaves 3/5
Im Gegensatz dazu ist The Guy Who Leaves einer der schwächeren Songs, aber ein nicht minder interessanter. Gesang und Instrumentierung sind irgendwie ungewöhnlich und gehen nicht sofort ins Ohr. Trotzdem ein Song, den man sich mehr als einmal anhören sollte, da er viele Facetten aufweist, die es zu entdecken gilt.
Madness 4.5/5
Madness ist der längste Song der as dieser Session bis dato veröffentlicht wurde und er ist der längste Alanis-Song überhaupt bis jetzt.
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