Es geht weiter mit der außergewöhnlichen Familie de Luce...
Viel hat sich nicht verändert nach Flavias erstem Abenteuer. Die drei Schwestern Ophelia, Daphne und Flavia streiten sich weiterhin, was das Zeug hält, wobei die elfjährige Flavia allerdings die Einfallsreichste von ihnen ist. Durch ihr größtes Hobby, die Chemie, bekommt es der Leser schon mal mit besonderen Experimenten zu tun, als Versuchskaninchen muss gelegentlich auch ihre große Schwester Ophelia herhalten. Weil Streiten aber auf die Dauer langweilig ist, ist Flavia froh, als endlich wieder ein Mord im beschaulichen Bishop's Lacey passiert.
Der Puppenspieler Rupert Porson stirbt auf spektakuläre Weise vor den Augen fast aller Dorfbewohner, da kann Flavia einfach nicht anders, als die Ermittlungen aufzunehmen, auch wenn Inspektor Hewitt das nicht so gern sieht. Doch der Fall ist verzwickter als alle am Anfang ahnen. Wer Flavia schon kennt, weiß aber, dass sie sich von ein paar kniffligen Rätseln nicht aufhalten lässt.
Der Einstieg ins Buch gelingt mühelos, man wird sofort mit der so typisch, verqueren Art Flavias konfrontiert und ist ruckzuck wieder mittendrin in ihrer skurrilen, leicht düsteren Welt.
Die Geschichte entwickelt sich zunächst zügig, alle wichtigen Personen erscheinen auf der Bildfläche und begeben sich an ihre zugedachten Plätze. Alan Bradleys Art, die Dinge zu beschreiben, begeistert ab der ersten Seite und sorgt für einen guten Lesefluss. Leider flaut das Tempo dann etwas ab, bis zur Mitte des Buches tut sich nicht wirklich viel. Durch die interessanten Figuren und ihre einzigartige Art miteinander zu agieren, kann sich die Langeweile aber nicht richtig durchsetzen. In der zweiten Hälfte geht es wieder deutlich rasanter zur Sache und man wird letztlich doch mitgerissen bis zum leicht tragischen, aber ebenso spaßigen wie schlüssigen Ende.
Alles in allem bin ich wieder sehr angetan von Flavias neuem Abenteuer, aber nicht immer erreicht mich der Humor der Geschichte komplett. Öfter als zu lachen, habe ich mit hochgezogenen Augenbrauen gelesen, mal amüsiert, mal irritiert, mal fasziniert.
Mir sind bis auf Flavia selbst eigentlich alle Personen zu blass geblieben. Ich möchte noch mehr über die Hintergründe und die Vergangenheit der de Luces und ihrer Freunde erfahren. Tante Felicitys Auftritt war mir viel zu kurz. Ich sah sie schon als neue Mitspielerin im großen Flavia-Kosmos, die mal Stimmung in die Bude bringt. Aber vielleicht kommt sie ja bald wieder zu Besuch...
Jedenfalls würde ich es begrüßen, wenn der Autor in den nächsten Bänden etwas mehr in die Tiefe gehen würde, damit man seinen Figuren noch näher kommen kann. Flavias Schwestern, ihr Vater und Nebenfiguren wie Dogger und Miss M sollten mehr eingebunden werden, denn auch ihre Charaktere bieten alle eine Grundlage für mehr.
Insgesamt ein unterhaltsames Buch, das sowohl optisch als auch inhaltlich zu überraschen und begeistern weiß. Doch da ist noch eine deutliche Steigerung möglich, die sich hoffentlich in den Folgebänden feststellen lässt.