Julian Barnes, der für diesen Roman schon 1986 den Prix Médicis erhielt, ist ein unterhaltsamer Erzähler.
Doch reichlich irritiert versucht man, dem Konzept bei seinem frühen heute neu vorliegenden Roman auf die Spur zu kommen.
Der Arzt Geoffrey Braithwaite ist Liebhaber des französischen Autors Gustave Flaubert, der im 19. Jahrhundert lebte.
Julian Barnes lässt ihn erzählen, wie er den Lebensumständen Flauberts nachforscht. Dabei reihen sich Kapitel um Kapitel aneinander, die nur wenig mit einander zu tun zu haben scheinen. Einmal ist es die Vorliebe Flauberts für einen Papagei; dann stehen seine Liebesbeziehungen im Fokus. Und was hat es mit den Tiernamen auf sich, hinter denen sich Flaubert versteckt? Einmal ist es der Bär und dann wieder ein Kamel, mit denen er sich vergleicht. Auf jeden Fall scheint uns der französische Dichter, der besonders durch seinen Roman '"Madame Bovary'" weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt wurde, hin und wieder zu foppen!
Man kämpft sich mühsam durch die Lektüre von Barnes Aufzeichnungen immer in der Hoffnung, doch noch einen Leitfaden für den Roman zu finden.
Geoffrey Braithwaite ist der Protagonist, der wie in einem Puzzle einzelne Lebensspuren seines verehrten Dichters heraus pickt, Spuren aufweist und sie wieder verlässt, um an anderer Stelle erneut nachzuhaken, was es denn nun mit Flauberts Papagei auf sich hat. Man sollte sich tunlichst mit dem Dichter beschäftigt haben, um die hintergründigen Anspielungen von Braithwaite zu begreifen.
Dieser frühe Roman von Julian Barnes lässt noch nicht die leichte und gut zu verfolgende Erzählkunst erkennen, die in den späteren Büchern so einnehmend auf mich wirkten.
Das Biographiefragment über Gustave Flaubert ist diffizil, vielleicht geistreich und ironisch. Es steckt voller Details, die einem doch wieder unter den Fingern zerrinnen. Hinter der Figur des Dichters und seiner schillernden Charakteristik scheint eine andere Wahrheit zu stecken; eine, die einzig mit Braithwaite und seiner eigenen Biographie zu tun hat. Man lernt auf jeden Fall einen anderen Julian Barnes kennen. Einen, der mich mit seinen späteren Werken mehr überzeugt.