Zugegeben, es existieren mehr Polizeiserien als mir Haare auf dem Kopf verblieben sind - völlig kahl bin ich allerdings (noch) nicht - und trotzdem hebt sich Flashpoint positiv von dem Überangebot an Copserien ab:
Erzählt werden in jeweils abgeschlossenen Episoden die Erlebnisse einer kanadischen Spezialeinheit der Polizei, der SRU. Diese hat man sich vereinfacht als SWAT-Team mit Herz und Verstand vorzustellen. Gemeint sind damit die Mädels und Jungs, die zwar über die professionellen Möglichkeiten, Scharfschütze, technische Aufklärung usw., verfügen, eine gewaltsame Lösung für besonders riskante Polizeieinsätze, wie Geiselnahmen oder Razzien im BtMG-Milieu, herbeizuführen, die hier aber zugleich sicherstellen, dass es sich dabei tatsächlich um die ultima ratio handelt. Deshalb übernimmt diese Spezialeinheit, psychologisch geschult, auch die Verhandlungsführung mit den "Tätern" und sucht nach Kräften, eine Deeskalation zu bewirken. Das heißt mit anderen Worten, dass in den Händen der SRU die gesamte Operationsleitung und in der Regel auch Ausführung liegen.
Dabei wird besonderer Wert auf die plausible Charakterzeichnung von Polizisten und Tätern gelegt. Von beiden Seiten werden so überzeugend Sorgen, Ängste und Nöte herausgearbeitet, dass man nicht bloß um die Protagonisten und Opfer bangt, sondern mitunter auch hofft, der Täter möge endlich Vernunft annehmen und die Waffen niederlegen. Denn Letzterer wird mit seinen Motiven in jeder Folge ebenfalls nachvollziehbar vorgestellt. Das Kunststück, den Zuschauer eine emotional Bindung zu Täter und Opfer zugleich aufbauen zulassen, gelingt dermassen gut, dass man selbst bei Rettung des Bedrohten durch einen Rettungsschuss regelmäßig am Ende auch um den toten Täter trauert. Insofern kann man Flashpoint durchaus als gelunge Mischung aus Krimi und Drama bezeichnen. Eine manchmal unterhaltsame, aber oftmals auch langweilige Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere kann man der Serie jedenfalls nicht vorwerfen. Wer hingegen auf knallharte (Dauer-)Action mit klaren Verhältnissen, wo Gut und Böse zu verorten sind, aus ist, wird vermutlich enttäuscht werden und sollte lieber einen Blick auf das keinesfalls schlechte "The Unit" werfen.
Glücklicherweise widersteht die Serie auch der Versuchung, immer ein Happy End anzubieten. Dadurch gewinnt sie ungemein an Plausibilität und Spannung. Im Übrigen wird auch die Tätigkeit der Protagonisten im Polizeidienst nicht glorifiziert, sondern dessen Härten schonungslos aufgezeigt.
Abgerundet werden die Folgen durch den gelungen, dezenten Einsatz von Musik. So enden diese stets mit einem unter die Haut gehenden Stück von in Deutschland weitgehend unbekannten Künstlern, ohne der Serie zugleich Musikclip-Charakter zu verleihen.
Trotz allem vermag ich persönlich Flashpoint nicht die vollen fünf Sterne zu geben. Zum einen verrät der Teaser für meinen Geschmack zu viel über die nachfolgende Handlung und beraubt die jeweilge Folge dadurch eines Teiles ihrer Spannung (am besten ohne genaues Hingucken vorspulen). Zum anderen sind nahezu alle Episoden der ersten Staffel zu schematisch aufgebaut: Schweres Schicksal für den Täter in spe -> dessen Verzweiflung -> Eskalation -> Bequatschen durch die SRU mit dem Ziel der Deeskalation. Hier sorgt glücklicherweise die zweite Staffel für mehr Abwechslung.
Insgesamt jedoch bietet Flashpoint eine originelle und gelungene Mischung für diejenigen, die sich für Spannung und Drama in einer Polizeisondereinheit erwärmen können.