Ja: Schade, schade, dass die 3-Teilige "Atlantic City"-Aufnahme (1989) - wenn überhaupt - nur noch inoffiziell und zu Wucherpreisen erstanden werden kann! Als Stones-Fan blutet mir das Herz, wenn ich daran denke, auf diesen Leckerbissen verzichten zu müssen. Zwar habe ich in der Zwischenzeit das gesamte Konzert im mp3-Format downgeloaded, dennoch würde ich eine offizielle, ordentlich restaurierte Fassung ebendieser Live-Steinsternstunde viel lieber in meine Sammlung integrieren...
Wem es so ähnlich wie mir geht, der kann aber immerhin beruhigt zu "Flashpoint" greifen, das wenigstens einen Teil jener Tour widerspiegelt (selbst, wenn nicht alles von ein- und derselben Liveshow stammen sollte). Dass hierbei im Studio nachgearbeitet wurde, möchte ich keinesfalls bezweifeln oder gar bestreiten. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich gut gelungen - so gut eben, wie bei keiner anderen offiziellen Live-Veröffentlichung der Stones bisher - die "Energie" von Band und Publikum glaubwürdig und mitreißend auf einen Tonträger zu bannen!
Die Cuts zwischen den Songs wurden gut "angeglichen" - samt Moderationen (diese aber sind natürlich meist kurz gehalten) gehen die einzelnen Stücke auf "Flashpoint" fließend ineinander über. Man hat also tatsächlich das Gefühl, hier einem Gesamtkonzertmitschnitt (insgesamt gekürzt freilich, ich spreche hier lediglich vom internen Ablauf auf Platte/CD) beizuwohnen.
Zudem ist die Interpretation hierauf enthaltener Songs live kaum je besser gelungen. Und ja: Nicht zuletzt spielen auch die Stones so gut wie selten!
An dieser Stelle - ein Wunsch(traum) eines Stonologen (es sei mir bitte gestattet): Macht aus "Flashpoint" doch endlich ein Doppelalbum und packt die Highlights der Atlantic-Bootlegs mitdrauf. Die grandiosen "Salt Of The Earth", "Midnight Rambler", "2000 Light Years From Home" und "Gimme Shelter" würden dieses Paket optimal ergänzen... (neben weiteren Glanzlichtern).
Oder anders ausgedrückt: Rückt endlich eine offizielle Atlantic-Mehrfachdisc raus! Dass Keith ein-, zweimal den Songeinstieg verpasst, Chuck Leavell den Beginn von "Salt Of The Earth" verschläft oder der Hornist beim Anfang von "You Can't Always Get What You Want" in der Tonlage falsch liegt macht die Sache für mich (und ich denke eben auch für eine breitere Öffentlichkeit) nur noch interessanter! (Im Ernst: Schauen Sie mal im Netz nach, ob Sie denn nicht auch zumindest den Download noch irgendwo ergattern können - für wahre Stonesfreunde ein MUSTHAVE!)
So, nun aber wieder zurück zu "Flashpoint". Bekanntlich war man am Ende der, aus Stonessicht eher weniger Ruhmreichen, Achtziger angelangt ("Steel Wheels", das wieder ein wenig Hoffnung aufkommen ließ, war die damals aktuelle Platte, die sozusagen als Touranlass diente). Die Stones (Mick und Keith hatten sich wenigstens wieder so lieb, dass sie es zusammen auf einer Bühne aushielten) stampften für damalige Verhältnisse (wohl aber auch für heutige) eine echte Megashow aus dem Boden (die Grundlage auch für die letzten Monstertouren, die die Steine gemacht haben), wie sie die Welt bis dato noch nie gesehen hatte. Da kamen wohl nicht nur bekennende Fans ins Staunen... Anm.: Auch BackgroundsängerInnen und der gesamte Bläsersatz waren von nun an fester Bestandteil der Bühnenshows!
Die Folge: Die dienstälteste Rock-And-Roll-Band der Welt füllte sämtliche Stadien und Arenen weltweit bis zum Rand und entfachte einen Flächenbrand und einen "Hype", der die teils zähen Achtziger fast im Nu vergessen ließ!
Wie gut die Stimmung gewesen sein muss (damals war ich ja leider noch nicht mit von der Partie) lässt sich auf "Flashpoint" mehr als nur erahnen - ja förmlich "greifen" kann man die begeisternde Atmosphäre dieses rundum gelungenen (aber leider zu kurz ausgefallenen) Live-Meisterwerkes (Studionachbesserungen hin oder her - wurscht!). Hinzu kommen noch die offenkundige Spiellaune der Band und ein grandioser Mix, der erstens für eine kochende Live-Atmosphäre sorgt und zweitens dafür, dass man jedes Instrument, jede Stimmlage, jedes Rifffitzelchen schön "sauber" heraushören kann. Und das Beste daran ist, dass trotz dieser "Sauberkeit" der authentische Live-Charakter nie verschwindet. Im Übrigen ist es auch die letzte Tonträgerveröffentlichung (offiziell wenigstens) auf der Bassist Bill Wyman zu hören ist...
Ich muss ja gestehen, dass ich "Flashpoint" nun, eher zufällig, seit Längerem wieder einmal gehört habe (ich habe daneben natürlich noch viele andere Live-Werke der Steine u.a. in meinem Regal stehen). Ich wollte wohl insgeheim die Flashpoint-Aufnahmen mit meinem Atlantic-Download vergleichen. Mein Resümee diesbezüglich: "Flashpoint" ist die verdichtete, komprimierte, schöngemischte Offizellversion von "Atlantic City '89" und meiner Meinung nach ist es auf seine Weise dabei ebenso "stimmig" und "griffig"! (Nichtsdestotrotz sollte man aber natürlich beide Versionen hören - als Fan wenigstens.)
Kurz: Als ich die Play-Taste meiner Stereoanlage betätigt hatte (ich wollte ursprünglich ja nur kurz reinhören), konnte ich gar nicht mehr auf "Stopp" drücken - so begeistert bin ich also immer noch von "Flashpoint"!
Der einzige echte Wehmutstropfen ist und bleibt halt die Tatsache, dass "Flashpoint" mit 14 Live-Tracks (ohne Intro und die beiden Studioanhängsel) leider kein Gesamtset zu bieten hat - Jammerschade!
Also: Fans - bitte kaufen! Laien - bitte kaufen! "Jungspunde" im Stonesfieber - bitte kaufen!
Mit "Flashpoint" kann man meines Erachtens einfach nichts falsch machen. Zugleich ist es insgesamt meine Lieblings-Live-CD der Stones - trotz des großartigen SHINE-A-LIGHT-Doppelpacks und trotz der (auch merkbar im Studio nachgebesserten) STRIPPED-(Unplugged)-Version! Von dem legalen Download "The Brussels Affair" (1973) - siehe offizielle Stones-Homepage -, dem legendären "Get Yer Ya-Ya's Out" und dem ebenfalls gelungenen "No Security" (1998) ganz zu schweigen... (ach ja: Atlantic-Bootleg bitte nicht vergessen ;))
Kurz: "Flashpoint" ist mein persönlicher Überdrüberliebling in der Live-Stonologie! Klare 5 STERNE (mindestens) insgesamt dafür!
Randbemerkung: Das Booklet hierzu ist nicht wirklich aufregend (trotz einiger lässiger Fotografien) - aber der (zurzeit) sehr geringe Kaufpreis lässt das locker durchgehen, zumal ja die Musik ein Wahnsinn ist!!...
Um meine positive Bilanz bez. "Flashpoint" abschließend noch anschaulicher zu untermauern, möchte ich meine wohl etwas zu ausführliche Rezi (Dank an alle, die's bis hierhin wirklich gelesen haben) mit einer persönlichen Bewertung der einzelnen Stücke allmählich zu einem Ende bringen: (Sterne-Bewertung wie bei amazon-Skala!)
(!) sollen anzeigen, dass es sich hierbei um die meiner Meinung nach bislang schönste Live-Version des jew. Songs handelt.
1. CONTINENTAL DRIFT (Intro/keine Bew.)
Ist das perfekte Intro zum Showauftakt (dauert nicht ganz 30 Sekunden) und lädt zum Mitmachen ein! Die Gesamtaufnahme (ein etwas eigenartiges Soundgemisch) ist übrigens auf dem damals aktuellen STEEL WHEELS zu hören. Steigert sich unwiderstehlich bis zum pyrotechnsichen KNALL, der mit dem ersten Keith-Riff auf der Platte einhergeht... Let's go!
2. START ME UP +++++ (!)
Klar, wie sonst sollte die ultimative Stones-Show beginnen?! Die bis dato mit Abstand gelungenste Live-Aufnahme, wie ich finde. Das etwas nach oben gesetzte Tempo macht die Nr. in diesem Falle noch interessanter, noch intensiver und authentischer. KLASSE!
3. SAD SAD SAD ++++ (!)
Zugegeben: Hiervon kenne ich lediglich diese eine Liveversion. Die ist aber wirklich gut (obwohl ich es auch auf STEEL WHEELS mag)! Setzt die Eingewöhnungsphase (zum Warmwerden) praktisch nahtlos fort. Schöne Saxophon-Parts (danke Bobby Keys!). Passt einfach super dazu - weil es halt auch aktuell war damals!
4. MISS YOU ++++ (!)
Eigentlich mag ich diesen Song nicht so besonders. Hiesige Interpretation (die Harp ist phantastisch und verleiht dem Song etwas Elementares, etwas Erdiges) ist im Grunde auch die einzige, die ich wirklich gerne durchhören kann. Das wiederum leicht gesteigerte Tempo tut dem Song letztendlich gut... OK!
5. ROCK AND A HARD PLACE ++++ (!)
Ebenfalls anno 1989/1990 aktuell. Auf SW eigentlich kein herausragender Song (auch die Platte an sich finde ich ja nicht außergewöhnlich aufregend). Hier aber ergänzt er das Set wunderbar. Authentisch, klasse Brakes (gen Songende) und echt!
6. RUBY TUESDAY +++++ (!)
Ein wahrhaftiger Stones-Klassiker vom (meines Erachtens trotzdem) hochüberschätzten BETWEEN THE BUTTONS. Hiesige Interpretation glänzt durch Atmosphäre (vor allem durch die Keyboardhinterlegung). Mick singt glaubwürdig und gefühlvoll (Studio?? Macht nix!). Der erste Track zum Runterkommen. Melancholische Schönheit im Stonesformat, Entzückung und Entspannung binnen 3 Minuten... IT COMES & GOES (to leave Feelings)!
7. YOU CAN'T ALWAYS GET WHAT YOU WANT +++++ (!)
Obwohl es hiervon auch auf (dem insgesamt eher unrühmlichen) LIVE LICKS eine gelungene Aufnahme gibt, ist das hier die vollendet-perfekte Livedarbietung dieses Klassiker von LET IT BLEED. Vor allem die Anfangssequenz mit Gitarre & Horn sowie der erste Refrainpart, bei dem das Publikum mitsingen darf, ist gänsehauterregend. GROSSARTIG!
8. FACTORY GIRL +++++ (!
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