Kompliment an die Österreicher. Hat man sich mit den letzten Alben immer mal wieder auf neue Wege begeben,auch mal den klassischen Black Metal Ausdruck hinter sich lassend,so muss man dieses Mal attestieren,das es Dornenreich gelungen ist,die Quintessence aus Klassikern wie "Her von welken Nächten" oder "Durch den Traum" mit der leicht verschrobenen folkigen Ader der "In Luft geritzt" zu einer dichten,emotionalen musikalischen Einheit zu verschmelzen.
Man sprüht vor Hingabe,Leidenschaft und Wille zur Zurschaustellung intensiven Gedankentums.Dies alles gepaart mit einer mittlerweile zur Perfektion gereiften Klasse,die sich nicht in überproduzierter Produktion wichtig tut,sondern genau der richtige Mix aus trockenem,sehr dicht produzierten Gebräu,was perfekt die gewisse knorrige Reduziertheit grosser Blackmetal-Klassiker verinnerlicht hat sowie der sparsame folkig,karge klare Ausdruck,welcher sich in feinen,sparsamen Akustikmomenten offenbart.
Hier zeigt sich ein mittlerweile zur Perfektion gereifter Glanz einer Band die weiss wo sie steht im grossen Feld extremer Metalsounds.Wo mittlerweile ein Overkill an durchschnittlichen Metal-Veröffentlichungen wöchentlich den Markt überschwemmen,voll von Kopien etablierter Acts,den ewig selben Schemata pseudoböser Klischees,ist es umso befriedigender zu sehen,das hier gesanglich die oftmals schwierige Klippe deutscher Texte auf einen höchst anspruchsvollen Niveau dargereicht wird.
Wie Eviga voller Inbrunst in Songs wie den Opener "Flammenmensch",vor allem aber in "Wolfpuls" und "Wandel geschehe" in seiner ureigensten Ausdrucksweise fleht,kreischt phrasiert,das zollt dem Hörer grossen Respekt ab und wird Fans der Band sowieso glücklich machen.
Vorteilhaft und sehr individuell ist auch der Einsatz der Geige,die oftmals flehend,schluchzend die meist im getragenen bzw. Midtempo vorgetragen Songs in ein blackmetallisch,folkloristisches Gewand kleidet. Das Alles hat was sehr archaisches,ursprüngliches,perfekt durch den trockenen Gesamtsound und die Texte Evigas wiedergegeben. Da kenn ich keine deutschsprachige Band,die auf so unpeinliche Weise die Fahne des anspruchsvollen Blackmetals hochträgt.
Hier wird jeder Fan von Naturinspierierten Frühwerken Ulvers,Enslaved aber auch Folkprojekten wie Tenhi zufriedengestellt.
Das sind aber müßige Hinweise,da Dornenreich schon immer ihre eigene Suppe gekocht haben,nur fühle ich mich oft bei den schleifenden,knochentrockenen Riffs an nordische Klassiker dieses Bereichs erinnert.
Schön auch der episch,balladige Rausschmeisser"Erst deine Träne löscht den Brand",der dieses stimmige Langeisen ruhig ausklingen lässt. Irgendwie benötigt man als Hörer nach dieser akustisch-intensivenen Herausforderung diesen Abgesang.
Gut das die Band künstliche Temponummern nicht nötig hat,sondern eher klassisch inspiriert,folkloristisch progressiv zu Werke geht und dabei trotzdem alle Dynamiken innehat,die ein gelungenes Extremmetalalbum benötigt.Schon jetzt eine der Platten des noch jungen Jahres.