Der Detektiv Remigius Rott hat es zum Serienhelden geschafft. Aber: Zunächst mal gibt es eine Durststrecke für den Leser. Der zweite Rott-Roman ist im ersten Drittel wesentlich weniger knackig und stringent als der erste ("Tote vom Johannisberg") es war.
Orte und Personen werden etwas zu verwirrend aneinandergereiht eingeführt. Die ständigen Beschreibungen von Bundesstrassen und Autobahnabfahrten nerven und sind langweilig!! - hier wird das Provinziell-Zufällige als Lokalkolorit missverstanden. Ziemlich genau ab Seite 100 kommt die Story endlich in Gang und der Autor Buslau beweist wieder, dass er in kurzen, gekonnt aufeinander aufsetzenden Szenen Spannung aufbauen und einen mitreißenden Fall entwicklen kann. Ab hier endlich ist "Flammentod" ein ausgezeichneter Regionalkrimi, der aus diesem Genre deutlich herausragt.
Das charakteristische Element - beim ersten Rott-Roman ein fiktiver Lehar-Walzer und expressionistische Lyrik - ist diesmal Hexenkult und die Geschichte der Hexenverfolgung im bergischen Land. Es ist auch diesmal sehr gut recherchiert, gelungen eingearbeitet und gibt einen schönen Hintergrund. So entwickelt auch wirklich das, was über den immer schon fragwürdigen Begriff "Lokalkolorit" gut und gern hinausgeht. Es ist eher eine kritische, lehrreiche Heimat-Geschichtsstunde by the way.
PEINLICHKEIT an Rand: Dass jemand "östlich in den Abend hinein fährt" (S. 225) mag ja noch an seltsamen Luftspiegelungen liegen. Aber das
mathematische und wirtschaftswissenschaftliche Wunder einer Aktie, die um "101 Prozent" (S. 15) fällt, beleidigt den Leser nun doch zu sehr. Das Lektorat im Emons-Verlag scheint hier ein ärgerliches Defizit zu haben.
Trotzdem: "Flammentod" ist ein Buch, das gegen Ende immer mehr fesselt - wie das bei einem Krimi sein soll. Einwandfrei lesbar auch, wenn einem das Bergische Land gar nichts bedeutet. Die Auflösung des Falles übrigens nutzt alle Tricks bester Krimi-Konstruktionslehre und steht aktuellen Hits wie den Top-Sellern aus Schweden in nichts nach. - Hut ab!