Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn ein Autor mit einem Überraschungstitel quasi über Nacht berühmt wird, dann bemüht sich sein Verlag fast immer, bestehende Lücken in der nachfolgenden Produktionsphase dadurch zu füllen, indem er ältere Titel, die früher nicht ganz so gut gelaufen sind, übersetzen lässt und „nachschießt“. So ist es auch im Fall des 41-jährigen britischen Autors Simon Beckett, der mit seinen grandiosen Bestsellern Die Chemie des Todes und Kalte Asche Krimifans wie Buchhändler gleichermaßen erfreute. Flammenbrut nämlich ist ein Roman des Autors, der im Original bereits 1997 erschienen ist. Wer also einen grausigen Dr.-HunterThriller erwartet, wird bitterlich enttäuscht.
Wer sich Flammenbrut aber unvermittelt nähert, wird von dem psychologisch feinfühligen (und dadurch unterschwellig nicht weniger grausigen) Plot des Buchs mehr als positiv überrascht. Denn die Art, wie Beckett aus kleinsten Kleinigkeiten eine kriminalistische Story strickt und die Schlinge immer enger um den Hals der Hauptfigur legt, ist mehr als imposant. -- Stefan Kellerer
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
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Kurzbeschreibung
Ihr sehnlichster Wunsch wird ihr zum Verhängnis
Die junge Geschäftsfrau Kate Powell steht mit beiden Beinen erfolgreich im Leben. Nur ihr sehnlichster Wunsch blieb bisher unerfüllt: ein Baby. Ein anonymer Spender kommt für sie jedoch nicht in Frage. Also gibt Kate eine Annonce auf, um einen geeigneten Vater zu finden. Alex Turner scheint der perfekte Kandidat. Aber das Äußere eines Menschen kann ein gefährliches Trugbild sein, manchmal sogar ein lebensgefährliches
Der Verlag über das Buch
Simon Beckett, das ist der Shooting-Star der britischen Krimi-Szene. Seine David-Hunter-Reihe, die mit „Die Chemie des Todes“ begann, ließ Leser auf der ganzen Welt erschaudern. Nach „Obsession“ erscheint nun sein zweiter Psychothriller: „Flammenbrut“. Im Interview erzählt er vom Sprung aus der Normalität in den Wahnsinn und vom Geheimnis eines dramatischen Höhepunkts.
Frage: Für die meisten Leser wird Kate Powell, die Protagonistin von „Flammenbrut“, ein neues Gesicht sein. Wie kann man sich diese Kate vorstellen?
Simon Beckett: Kate ist eine starke Frau und weiß, was sie will. Nach einer schweren Phase in ihrem Leben hat sie sich nun selbstständig gemacht und genießt diese Unabhängigkeit. Doch ist sie nicht ganz so unabhängig, wie sie gerne wäre. Die toughe Businessfrau hat einen sehr verletzlichen Kern, den sie aber vor der Außenwelt verbirgt. Damit beginnen dann auch schon die Probleme – in Wahrheit hat sie ihr Leben keineswegs im Griff.
Frage: Die Handlung von „Flammenbrut“ setzt dort ein, wo sich Kate ein Kind wünscht, aber leider kein potenzieller Vater in Sicht ist. Wandelt sich dieser Wunsch in eine Obsession?
Simon Beckett: Ja, ich denke schon, dass es eine Art Obsession wird – aber eine durchaus weit verbreitete. Was bei Kate etwas anders ist: Sie glaubt, dass sie eine Familiengründung ganz allein stemmen könne. Das ist natürlich schlecht möglich, und aus dieser Konstellation entwickelt sich ein wahrer Albtraum.
Frage: Das Buch erzählt auch von den Visionen, die wir von einer Familie haben. Diese Ideale können – treibt man sie ins Extreme – bis zum Wahnsinn führen. Was bringt jemanden dazu, diese Grenze zu überschreiten?
Simon Beckett: Dafür kann es eine ganze Menge Gründe geben. Der Mensch ist ein komplexes Wesen, und die meisten Menschen kennen sich selbst wahrscheinlich viel weniger, als sie meinen. Familiäre Beziehungen sind dann noch mal komplizierter: mit all dem Druck und den Erwartungen, die an einem zerren. Manchmal wird so etwas wie ein Wendepunkt erreicht, an dem dann alles kippt.
Frage: Wenn Sie „Flammenbrut“ mit früheren und späteren Büchern von sich vergleichen: Was hat sich da verändert? Simon Beckett: Die David-Hunter-Romane sind Crime Mystery. „Obsession“ und „Flammenbrut“ hingegen sind psychologische Thriller – da geht es eher darum, warum hat jemand etwas gemacht, und nicht darum, ob nun der Gärtner der Mörder war. Allen gemeinsam ist, dass sich die Helden in Gefahr begeben und dass es unerwartete Wendungen, mitunter auch Schockerlebnisse gibt. All diese Bücher steuern auf einen großen, dramatischen Höhepunkt zu. Die Spannung und das Überraschungsmoment sind bei allen Titeln die wichtigsten Elemente.
Frage: Der deutsche Titel lautet ganz anders als der Originaltitel – worauf spielt „Where There’s Smoke“ an?
Simon Beckett: Der Titel zitiert den Teil einer Redensart: „Wo Rauch ist, da ist auch Feuer“. Das soll bedeuten, dass wann immer ein Phänomen sichtbar wird, es auch eine Ursache dafür gibt. In England kann jeder dieses angefangene Zitat sofort komplettieren. Ich fand es eine schöne Idee, etwas mit dem Titel zu sagen, ohne es auszusprechen. So klingt es auch ein wenig bedrohlicher und mysteriöser.
Frage: Und was macht eigentlich David Hunter? Wird es bald einen neuen Fall für ihn geben?
Simon Beckett: Im Moment schreibe ich gerade an einem neuen David-Hunter-Roman. Ich will zu diesem Zeitpunkt nicht zu viel verraten. Nur so viel: Die Geschichte spielt dieses Mal wieder in Großbritannien, und wir werden einiges über Hunters Vergangenheit erfahren…
Die Fragen stellte Roland Große Holtforth, Literaturtest. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .